Euphorie im Schwabenland

VfB vor der Rettung - schön spielen sollen andere

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Cacau und Martin Harnik (2) erzielten die VfB-Tore gegen Schalke.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat wohl gerade noch rechtzeitig das Ruder herumgerissen. Mit dem 3:1 gegen Schalke 04 gelang der Elf von Huub Stevens der womöglich entscheidende Schritt zum Klassenerhalt.

Erleichterung ja, aber bloß keine übermäßige Ausgelassenheit: Obwohl sich der VfB Stuttgart mit dem 3:1 (1:0) gegen Schalke 04 aus der Umklammerung der Abstiegsangst gelöst und den Klassenerhalt nun dicht vor Augen hat, erstickte Fredi Bobic jeden Anflug von Euphorie im Keim. „Wer glaubt, wir sind schon durch“, sagte der VfB-Sportvorstand bei Sky mit erhobenem Zeigefinger, „der bekommt sofort Feuer. Wir haben noch drei Endspiele.“

Rein faktisch mag Bobic damit richtig liegen, doch die Schwaben haben nun nicht nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, sondern vor den abschließenden drei Spieltagen im Vierkampf um den Klassenerhalt auch die psychologisch günstigste Ausgangslage. „Die Mannschaften dahinter machen nicht den Eindruck, als könnten sie noch fünf Punkte holen“, sagte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt dazu. Mit einem Sieg am Freitag bei Hannover 96 (20.30 Uhr/Sky) wären Braunschweig, Hamburg und Nürnberg wohl entscheidend distanziert.

So weit wollte beim VfB am Ostersonntag niemand vorausschauen. Zu viel Unerwartetes ist in Stuttgart in dieser Saison schon geschehen, zu fragil ist das Selbstbewusstsein der Mannschaft gewesen. Zur Vorsicht mahnte deshalb nicht alleine Bobic. „Wenn wir so auftreten wie zuletzt, dann ist es möglich, in Hannover drei Punkte einzufahren. Es darf aber kein bisschen weniger sein“, sagte Torwart Sven Ulreich. Flügelspieler Ibrahima Traore ergänzte: „Es ist noch nicht vorbei.“

Auch Coach Huub Stevens sah in dem Sieg gegen seine „alte Liebe“ Schalke „nicht mehr als einen wichtigen Schritt“. Von den zehn Endspielen, die er bei seinem Amtsantritt am Neckar angekündigt hatte, seien noch drei übrig, sagte der Niederländer, und verdeutlichte es für jeden, der es nicht verstanden hatte, mit den Fingern seiner beiden Hände. „So weit kann ich noch zählen.“

Gleichwohl kam es im Stadion bei den Toren von Martin Harnik (23. /59.) und Cacau (54.) sowie nach dem Abpfiff zu regelrechten Gefühlsexplosionen, die die tatsächliche Bedeutung dieses Erfolges eher erfassten als die Ausführungen der Protagonisten an den Mikrofonen. Wenngleich Bobic immerhin anklingen ließ, dass „wir um die Chance wussten, da wir die anderen Ergebnisse ja schon kannten“. Von einem „positiven Druck“, den die Niederlagen der Konkurrenz erzeugt hätten, sprach Ulreich, „schlimmer wären Siege gewesen“.

Die Mittel, die der VfB gegen die Königsblauen einsetzte, hatten dabei wenig Zauberhaftes, sondern basierten vor allem auf den simplen Kernelementen des Fußballs. Stuttgart zeigte leidenschaftlichen Einsatz, Stuttgart zeigte taktische Disziplin, Stuttgart zeigte Willen. „Nur so kann man eine Mannschaft wie Schalke schlagen“, betonte Bobic. Nur so kann man sich retten, hätte er auch sagen können. „Schöner Fußball ist jetzt nicht wichtig“, stellte Stevens klar.

Den schöneren Fußball spielte auch der Champions-League-Aspirant aus Gelsenkirchen, doch wie Trainer Jens Keller feststellte, haperte es an der offensiven Durchschlagskraft. Sein Team hatte „nicht zwingend genug“ agiert. Da half es wenig, dass Keller den Charakter der Mannschaft lobte, die mit dem 1:3 von Adam Szalai (69. ) noch einmal Oberwasser erhielt und bei den Stuttgartern laut Stevens „Verunsicherung und Nervenflattern“ auslöste.

Insgesamt wirkte es aber, als erwarte der Tabellendritte sehnlichst das Saisonende. Zu sehr haben die ständigen personellen Ausfälle, beim VfB musste nach einer allergischen Reaktion auf ein Medikament noch Jefferson Farfan passen, an den Kräften gezehrt. „Es haben wieder zehn Spieler gefehlt, wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sagte Keller.

Dennoch sollen mit aller Macht die zur direkten Champions-League-Qualifikation fehlenden Punkte geholt werden. Sportvorstand Heldt ist überzeugt, dass keine Nervosität aufkommt. „Wir werden alles investieren, was wir noch haben“, sagte er. Nur eins möchte der 44-Jährige gerne vermeiden: „Ich habe keine Lust, dass es am letzten Spieltag noch um alles geht.“

sid

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