"Spießrutenlaufen für Hakan"

Völler und Schmidt stinksauer

Rudi Völler
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Rudi Völler.

Hamburg - Pfiffe von den Rängen, 50 Fouls auf dem Rasen: Bei der Rückkehr von Hakan Calhanoglu an seine frühere Wirkungsstätte liefern sich Hamburg und Leverkusen ein hitziges Duell. Rudi Völler ist geladen.

Rudi Völler war nach 94 Minuten Gift und Galle außer sich. Angeheizt durch die Rückkehr von Hakan Calhanoglu an seine frühere Wirkungsstätte lieferten sich der Hamburger SV und Bayer Leverkusen ein Bundesliga-Spiel voller Aggressionen. „Von der ersten Minute war das nicht nur ein Spießrutenlaufen für Hakan, der Schiri hätte uns besser schützen müssen“, wetterte der Bayer-Sportdirektor nach dem 0:1 (0:1). Neun Gelbe Karten und 50 Fouls bedeuteten Saisonrekord.

„Das war eine Treibjagd vor der Halbzeit. Das ist nicht in Ordnung, wie viele Spieler auf uns einstürzen“, schimpfte auch Leverkusens Trainer Roger Schmidt. Kurz vor dem Pausenpfiff kochte die Stimmung endgültig über, als Giulio Donati Gegenspieler Marcell Jansen genau vor der Trainerbank foulte. Die Trainer gerieten in einem heftigen Wortgefecht aneinander, Schiedsrichter Florian Meyer holte noch in der Halbzeit beide Kapitäne zu sich in die Kabine und drohte Platzverweise an.

Nur Calhanoglu, mit seinem unschönen Abschied im Sommer Auslöser der giftigen Auseinandersetzungen, blieb zurückhaltend. Die HSV-Anhänger hielten Tausende gelbe Zettel hoch, um an die Krankschreibung des Spielers vor seinem Wechsel zu erinnern und machten den 20-Jährigen mit gellenden Pfiffen mürbe. Viel gelang ihm nicht.

„Hakan hat das bemerkenswert gemacht, er hat versucht, alles zu geben. Es war großartig von ihm, sich nichts anmerken zu lassen“, sagte Schmidt, der nicht einmal überlegt hatte, den Jungstar wegen der Belastung und der angegriffenen Ferse draußen zu lassen: „Man hat gesehen, dass er der Situation gewachsen ist.“

Der nicht von allen Ex-Kollegen freundlich empfangene Calhanoglu zeigte hinterher Größe und besuchte die HSV-Profis sogar in der Kabine. Jansen wollte seinen früheren Mitspieler nicht zu kritisch beurteilen: „Ich denke, die ganze Geschichte hat schon eine Rolle für ihn gespielt. Aber man muss Hakan ein bisschen außen vor nehmen. Da haben ganz viele andere Drumherum, wie der Berater, unglückliche Äußerungen gemacht. Erkläre mal einem Fan, dass jemand erst sagt, er würde mit in die 2. Liga gehen, der dann auf Teufel komm raus weg will. Aber Hakan ist ein guter Junge. Er wird seinen Weg gehen.“

Für Stefan Kießling war die Aufregung um den Freistoßspezialisten der Grund für die schlechte Leistung: „Wir hätten uns auf das Fußballspielen konzentrieren sollen. Die vielen Unterbrechungen und Rudelbildungen waren nervig. Das war kein Fußballspiel. Die Hamburger haben sich bei jeder Kleinigkeit achtmal gedreht.“ Auch Keeper Bernd Leno machte die „ganze Unruhe auf dem Platz“ dafür verantwortlich, dass Bayer drei Tage vor dem Auswärtsspiel in der Champions League in St. Petersburg wieder keinen Auswärtssieg schaffte.

Zudem zweifelte Leno den Elfmeter an: „Ich komme raus und berühre ihn. Man kann ihn vermutlich geben, muss es aber nicht. Der Schiedsrichter hat sich auch ein bisschen durch das Publikum beeinflussen lassen. Erst sagt er, kein Elfmeter. Plötzlich ist es ein Elfmeter. Das war sehr komisch.“ Rafael van der Vaart (26.) verwandelte den Strafstoß souverän. Hätte Karim Bellarabi (90.+4) nicht den Pfosten getroffen, wäre auch Völler noch zufrieden gewesen: „Ein 1:1 hätte mir gereicht. Aber wir haben insgesamt schon viele Punkte liegengelassen.“

dpa

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