Vier Spieler fliegen aus Kader

Nach Test-Pleite: Jogi, wer wird nun gestrichen?

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Bundestrainer Joachim Löw.

Augsburg - Wasserschlacht reloaded! Gegen die Slowakei ging die DFB-Elf in Augsburg im wahrsten Sinne des Wortes unter. Und jetzt geht's ans Streichen!

Update vom 30. Mai: Am Dienstag präsentiert Bundestrainer Jogi Löw den finalen Kader für die EM 2016 in Frankreich. Wir haben bereits zusammengefasst, wie die Präsentation abläuft und wer die Wackelkandidaten sind. Und: Wir berichten im Live-Ticker von der Pressekonferenz um 12.30 Uhr.

Einige der 22 110 Zuschauer dürften sich beim 1:3 an die WM 1974 und die Wasserschlacht von Frankfurt erinnert haben, nur dass Deutschland damals über Polen mit 1:0 triumphierte. Gestern funkte Wettergott Zeus zur Halbzeit dazwischen. Ein heftiges Gewitter zog auf und zwang Schiedsrichter Serge Gumienny (Belgien) dazu, das Spiel erst nach einer 30-minütigen Verzögerung wieder anzupfeifen. „Dass eine Halbzeit so lange dauert, habe ich noch nie erlebt“, sagte Jogi Löw und klärte auf: „Der Schiedsrichter hat nach der offiziellen Halbzeit 30 Minuten Zeit, danach muss er abbrechen.“

Einen Spielabbruch hat es beim DFB nur einmal, 1978 gegen England, gegeben. Die letzte Niederlage gegen die Slowaken (0:2) datierte vom 3. September 2005. Löws ­Resümee: „In der Offensive war ich zufrieden, in der Defensive hatten wir Probleme.“ Im Stadion verfolgten das weniger Fans als erhofft – viele Plätze blieben frei, wohl wegen der hohen Kartenpreise von bis zu 80 Euro.

Bitter waren die schwierigen Verhältnisse für Julian Brandt (20) und Julian Weigl (20), die erst in den zweiten 45 Minuten eingewechselt wurden und sich noch in den EM-Kader, den Löw morgen nominiert, spielen wollten – aber nur bedingt konnten. Die anderen beiden Youngster, Joshua Kimmich (21) und Leroy Sane (20), durften von Beginn an ran. Profitieren konnte sie davon nicht: Sane vergab eine Großchance zur 2:0-Führung (30.) und Kimmich ließ Michal Duris (44.) und Juraj Kucka (52.) beim 1:2 und 1:3 zu viel Raum. In der 41. Minute hatte Marek Hamsik mit einem Gewaltschuss die frühe DFB-Führung durch den Elfmetertreffer von Mario Gomez (12.) nach Foul an Mario Götze ausgeglichen.

„Die Mannschaft hat versäumt, das zweite Tor zu schießen. Nach dem Gegentreffer ist das fragile Gebilde ins Wackeln gekommen, aber so haben die Jungs noch nie zusammengespielt. Abstimmungsprobleme sind völlig normal“, analysierte ARD-Experte Mehmet Scholl. Etwas drastischer formulierte es Kommentator Steffen Simon: „Sie haben sich hinten mit dem Arsch eingerissen, was sie vorne aufgebaut haben.“

Für die EM ab 10. Juni wird Löw trotzdem 23 Spieler nominieren. Alle vier Jung­spunde werden wohl nicht dazugehören, denn Löw kündigte an: „Wenn es einer nicht schafft, bin ich mir 100 Prozent sicher, dass wir ihn danach sehen werden, sie haben alle das Potenzial zum Nationalspieler.“ Leicht fällt ihm das Aussieben nicht. „Die Entscheidung wird schwer, gehört aber zu meinen Aufgaben“, sagte Löw, der die gestrige (Nicht-)Leistung nicht überbewerten will: „Es zählen die Gesamtein­drücke der vergangenen Tage, Wochen und Monate. Man kann von den jungen Spielern nicht alles verlangen, sie stehen unter Druck.“

Ex-Löwe Julian Weigl will sich nicht stressen lassen: „Ich habe versucht, alles reinzuwerfen und auf dem Platz das beste zu machen. Ob es gelungen ist, müssen andere beurteilen“, sagte der 20-Jährige, ergänzte aber auch: „Ich habe mir ein anderes Debüt vorgestellt.“ Sane gestand nach dem Wasserballett: „Der Platz war unter Wasser. Aber damit müssen wir auch klarkommen. Für mich war mehr drin, ich habe nicht alles gegeben. Ich hoffe trotzdem, dass ich dabei bin. Die EM wäre ein Traum.“ Wer noch baden geht, entscheidet Löw morgen.

mm, sw

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