Der wahre DFB-Präsident

Warum Joachim Löw Bundestrainer bleibt

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Vertrag wird verlängert: Joachim Löw. Foto: dpa

München - Bei der Versammlung am Donnerstag und Freitag wird der Vertrag von Jogi Löw als Bundestrainer wohl verlängert. Wohl auch weil er sich im Verband bestens eingerichtet hat. 

Reinhard Grindel ist erst seit ein paar Monaten DFB-Präsident – und muss sich schon wieder zur Wahl stellen. Denn ins Amt gekommen war er auf einem wegen der Turbulenzen um die WM-2006-Vergabe einberufenen Außerordentlichen Bundestag. Am Donnerstag und Freitag steht nun in Erfurt die turnusgemäße Versammlung an – und Grindel will als Zeichen dafür, dass er ein starker und handlungsfähiger Präsident ist, den Delegierten was bieten. Es wird eine Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw sein. Bis 2020, wenn auch Deutschland mit dem Standort München zu den Ausrichtern der multinationalen Europameisterschaft zählt. Die „Bild“ hat es schon gemeldet, der DFB hat die Nachricht noch unbestätigt gelassen, aber ihren Wahrheitsgehalt auch nicht von sich gewiesen.

Der ewige Jogi, gefühlt schon nahe an einer Verbeamtung: 2004 trat er in die Dienste des Deutschen Fußball-Bundes ein, zunächst als Assistent des Bundestrainers Jürgen Klinsmann, seit 2006 ist er selbst der Chef. Hat in der Statistik Helmut Schön bereits überholt und wird nun auch noch an Sepp Herberger vorbeiziehen. Der Mann mit dem taillierten Hemd wird mehr noch als der Mann mit der Mütze eine Legende sein. Und er wird öfter „scho au mit högschder Konzentration“ gesagt haben als Sepp Herberger, der „Alte“, dass der Ball rund ist.

Wie überraschend kommt die Verlängerung?

Kommt die Verlängerung des Vertrags, der bis zur WM 2018 läuft, um zwei weitere Jahre nun überraschend? Ja und nein.

Ja, weil Löw selbst bislang nicht den Eindruck erweckt hatte, auf langfristige Absicherung bedacht zu sein. „Ich habe kein Problem damit, mit auslaufendem Vertrag in ein Turnier zu gehen.“ So hatte er es bereits 2010 gemacht, nach einem Streit mit dem damaligen DFB-Boss Theo Zwanziger. Erst vor ein paar Wochen hatte Löw davon gesprochen, vielleicht noch mal im Ausland zu arbeiten (in der Türkei und Österreich war er ja bereits). Zuletzt war Joachim Löw auch wieder verstärkt kritisiert worden. Die FAZ kommentierte – und diese Meinung kann man teilen –, dass sich unter Löw eine unfruchtbare Routine eingestellt habe, dass er auf den immer gleichen Stamm an Spielern setze und sich aktuellen Entwicklungen wie einem Erstarken des Dortmunders Gonzalo Castro verschließe.

Löw hat mit seinem Elan ein Vertragsverlängerung-Klima geschaffen

In die Qualifikation für die WM 2018 startete Löw aber mit Elan, als wolle er den Betriebsunfall der EM – Aus im Halbfinale trotz spielerischer Dominanz – ungeschehen machen. Die Nationalmannschaft erfuhr Lob von allen Seiten, das Klima war somit geschaffen, dass man einen neuen Vertrag mit dem Bundestrainer gutheißen würde.

Der Jogi hat es sich auch gut eingerichtet im Hause DFB. Seine Vertrauten (Hansi Flick als Sportdirektor, Oliver Bierhoff als Manager des Nationalteams und Entwickler der Verbands-Akademie) sitzen an den Hebeln der Macht, Trainerausbilder Frank Wormuth ist Löw-Fan, die baden-württembergischen Landsleute Thomas Schneider und Marcus Sorg sind als Assistenten total loyal.

Der wahre DFB-Präsident ist Joachim Löw. Und er muss sich nicht einmal zur Wahl stellen.

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