Nach Remis gegen Irland

Weltmeister Deutschland in Schockstarre

Manuel Neuer und seine Nationalmannschafts-Kollegen mussten sich nach dem späten Remis gegen Irland den Pfiffen der Zuschauer stellen.
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Manuel Neuer und seine Nationalmannschafts-Kollegen mussten sich nach dem späten Remis gegen Irland den Pfiffen der Zuschauer stellen.

Gelsenkirchen - Das 1:1 gegen Irland hat Weltmeister Deutschland bis ins Mark getroffen. Nach dem Fehlstart in die EM-Qualifikation ist von der WM-Euphorie nicht mehr viel zu spüren.

Fassungslos, entsetzt, frustriert: Weltmeister Deutschland fiel nach der gefühlten Niederlage beim 1:1 (0:0) gegen Irland in eine Schockstarre und wähnte sich drei Tage nach dem 0:2 in Warschau gegen Polen in der EM-Qualifikation erneut im falschen Film.

„Wir sind natürlich alle sehr enttäuscht. Denn wir hatten uns aus den beiden Spielen in Polen und gegen Irland eine andere Punkte-Ausbeute vorgestellt“, sagte Joachim Löw, der sich nach einem kurzen Händedruck mit seinem Kollegen Martin O'Neill in Windeseile in die Kabine verzogen hatte. Dort blieb dem Bundestrainer wenigstens das Pfeifkonzert erspart, das Ersatzkapitän Manuel Neuer und Co. fast genau drei Monate nach ihrem Triumph von Rio in der Gelsenkirchener Arena über sich ergehen lassen mussten.

Irland dämpft DFB-Euphorie

Das Last-Second-Tor von John O'Shea hatte nicht nur die DFB-Auswahl, sondern auch ihre lange Zeit geduldigen Fans bis ins Mark getroffen und die schwarz-rot-goldene Euphorie im Land nach dem 0:2 in Polen drei Tage zuvor weiter gedämpft.

„Das war völlig unnötig. Wir haben über weite Strecken gut gespielt und haben dann in den letzten fünf Minuten alles anders gemacht als zuvor. Das ist wirklich unverständlich. keine Ahnung, warum das so war“, sagte Real-Ass Toni Kroos kopfschüttelnd über die Schlussphase des Matches. Nach seinem überfälligen Treffer zum 1:0 (71.) in einem wenig ansehnlichen Spiel sah der Topfavorit wie der sichere Sieger aus, ehe Kroos selbst und seine Mitstreiter mit schlimmen Fehlern die Iren wieder ins Spiel brachten und praktisch um das Gegentor bettelten, bei dem nicht nur Mats Hummels eine schlechte Figur abgab.

Jerome Boateng, Hummels Partner in der Abwehrzentrale, war entsprechend angefressen. „Jeder muss sich hinterfragen, ob das genug war. Die Lage ist ernst genug, denn wir müssen jetzt alle Spiele gewinnen“, sagte der Münchner angesichts der nie und nimmer erwarteten Ausgangslage in der Gruppe D nach dem Oktober-Doppelpack. Dort liegt die Nummer eins der Welt mit nur vier Punkten aus drei Spielen hinter den auf Rang 62 platzierten Iren und den noch acht Plätze schlechteren Polen (beide 7 Punkte) auf Rang drei - und das nur wegen des positiven direkten Vergleichs gegen Schottland (2:1).

Löw sieht keinen Grund für Änderungen

Löw verkannte deshalb auch nicht den Ernst der Lage, schickte aber zunächst mal eine Kampfansage an die Konkurrenz. „Wir werden gegen Gibraltar gewinnen und uns dann ein bisschen sammeln und alle Kräfte bündeln. Dann sind wir im nächsten Jahr wieder da und schlagen zurück“, sagte der Bundestrainer im Brustton der Überzeugung.

Trotz der aktuellen Abschlusschwäche seiner Offensivkräfte und anderer Problemzonen beim WM-Champion zieht der Bundestrainer aber keinen Plan B in Erwägung. „Natürlich ist ein Tor in diesen beiden Spielen angesichts der vielen Möglichkeiten zu wenig. Ich sehe aber dennoch keine Veranlassung, personell etwas zu verändern“, sagte der 54-Jährige.

Dass seine Mannschaft vor allem am Ende „viel zu naiv“ agiert habe, habe ihn noch nicht einmal überrascht, wie Löw betonte: „Bei einigen fehlte in manchen Momenten die geistige Frische. Wir haben noch nicht das Tempo und die Präzision, das hatte ich fast erwartet. Man kann auch nicht erwarten, dass jeder nach dieser WM im Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte ist.“

Deutschland - Irland: Bilder der EM-Quali

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Dennoch hätte man nach Ansicht von Wolfgang Niersbach die drei Punkte einfahren müssen. „Das ist total ärgerlich. Wir hätten das 1: 0 über die Zeit bringen müssen, dann Mund abwischen, die drei Punkten mit nach Hause nehmen. Aber so ist es super ärgerlich“, sagte der DFB-Präsident.

Ähnlich sah es auch Neuer: „Wir hätten die Uhr runterspielen müssen. Das haben wir nicht geschafft und müssen uns deshalb an die eigene Nase fassen“, monierte der Ersatz-Kapitän. Der Keeper wird voraussichtlich im November im Quali-Spiel gegen Fußballzwerg Gibraltar und beim anschließenden Test in Spanien wie auch andere WM-Helden wie Toni Kroos, Thomas Müller oder Mario Götze eine Verschnaufpause erhalten.

Aber auch mit einer B-Elf sollte es für den Weltmeister am 14. November in Nürnberg gegen die Amateurkicker von Gibraltar reichen, die mit 0:17 Toren und null Punkten abgeschlagen Tabellenschlusslicht sind.

SID

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