Verteidiger erleichtert

Van Buyten: "Lieber USA als Deutschland"

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Daniel van Buyten.

Sao Paulo - Hauptsache nicht Deutschland: Trotz drei Siegen in der Vorrunde sind die Roten Teufel froh, der DFB-Elf aus dem Weg gehen zu können.

Daniel van Buyten versuchte, ernst zu schauen. „Schade, dass wir nicht gegen Deutschland spielen“, sagte der belgische Innenverteidiger von Bayern München nach dem 1:0 (0:0) gegen Südkorea. Doch dann konnte und wollte er seine Erleichterung nicht mehr verbergen. „Nein, Quatsch“, meinte der 36-Jährige strahlend: „Wir sind froh, natürlich spielen wir lieber gegen die USA als gegen Deutschland.“

Auch Torhüter Thibaut Courtois war froh: „Sie haben zwar nur gegen Portugal wirklich gut gespielt, aber Deutschland ist Deutschland. Denen geht man lieber aus dem Weg.“

Der Gruppensieg ersparte das Duell mit dem dreimaligen Welt- und Europameister, für den sich die Belgier offenbar selbst noch nicht reif wähnen. Im Achtelfinale gegen die Mannschaft von Jürgen Klinsmann sieht Belgien-Trainer Marc Wilmots sein Team nun als Favorit: „Aber damit können wir leben, kein Problem.“

Unlösbare Probleme scheint es für seine jungen „Teufelchen“ in Brasilien sowieso nicht zu geben. Zwar überzeugte der Geheimfavorit in keinem seiner drei Spiele wirklich, doch er war bisher auch durch nichts aus dem Konzept bringen: Nicht durch den Druck vor dem Turnier, nicht durch den Rückstand im ersten Spiel gegen Algerien, nicht durch die Kritik an der enttäuschenden Spielweise und gegen die Asiaten auch nicht durch die frühe Rote Karte gegen Steven Defour (45.). Im Gegenteil: Die Roden Duivels erzielten durch Jan Vertonghen (77.) das erste Unterzahl-Tor des Turniers und beendeten als erste belgische Generation eine Gruppenphase mit weißer Weste.

Kritik an ihm und seinen Spielern perlt am früheren Schalker „Kampfschwein“ Wilmots deshalb auch komplett ab. „Wir spielen nicht um einen Schönheitspreis. Das ist eine WM, da zählen nur Ergebnisse“, meinte der 45-Jährige und verwies darauf, „dass wir Geschichte geschrieben haben. Dafür müsste man der Mannschaft und den Trainer eigentlich gratulieren, statt sie zu kritisieren.“ De Standard jubelte immerhin schon mal: „Teuflisch mit nur zehn Mann.“

„Leidenschaft“ heiße das Zauberwort seiner Truppe, erklärte der Trainer. Und auch Routinier van Buyten, der nach der WM aus der Nationalelf zurücktreten und vielleicht sogar seine Karriere beenden wird, macht es „unheimlich viel Spaß mit dieser jungen Mannschaft. Natürlich spielen wir nicht den schönsten Fußball, bieten kein Spektakel, aber es funktioniert. Wir haben eine gute Balance.“

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Wie weit es gehen kann für die Belgier, bleibt spannend. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, stellte Wilmots klar: „Wir wollen ins Viertelfinale. Und dann schauen wir weiter.“ Dort könnte Argentinien mit Superstar Lionel Messi warten, „dann würde es richtig schwer werden“, meinte van Buyten: „Dann müssen wir sehen, wie wir gegen richtig starke Gegner aussehen. Aber klar ist: Wir haben noch Steigerungs-Potenzial.“

Dass er nun auf seinen Ex-Trainer Klinsmann trifft, ist für den Münchner Innenverteidiger keine große Geschichte. „Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm, aber ich habe auch keine Rechnung zu begleichen“, versicherte der Belgier, der in der Saison 2008/09 nur in 21 der 43 Bayern-Spiele unter dem heutigen US-Trainer zum Einsatz kam. Klinsmann und Wilmots seien durchaus zu vergleichen, erklärte van Buyten noch: „Beide haben schon als Spieler nie aufgegeben. Und beiden vermitteln das auch als Trainer. Das ist ihre ganz große Stärke.“

Wilmots' Marschroute in Brasilien ist derweil eindeutig: Er stellt sich wie ein Löwe vor seine Spieler und greift jeden an, der es wagt, sie zu kritisieren. Und er sieht nach jedem überwundenen Rückschlag den Lerneffekt. In Unterzahl spielen zu müssen, sei „ein gutes Training gewesen“. Dass er gegen die Südkoreaner vier Spieler wegen Verletzungen oder drohender Gelbsperren ersetzen musste, habe den Vorteil, „dass nun fast alle schon gespielt haben und alle gleich frisch sind“.

Sie lassen sich eben von nichts unterkriegen, diese Teufelchen. Jürgen Klinsmann sollte gewarnt sein.

SID

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