Vor WM-Halbfinale gegen Brasilien

Giganten-Duell: "Was gibt es Schöneres?"

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Miroslav Klose könnte ausgerechnet gegen Brasilien den WM-Torrekord brechen.

Santo Andre - Das Giganten-Duell gegen Brasilien wirft seine Schatten voraus. Das 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich geriet beim DFB-Team schnell zur Nebensache.

Die einen fuhren locker mit dem Fahrrad, die anderen trabten entspannt um den Platz - doch alle waren beim Training am Samstag längst mit ihren Gedanken bei Brasilien. Ganz schnell war bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die historische Tat gegen Frankreich zur Nebensache geworden. Das Giganten-Duell gegen den Rekordweltmeister elektrisierte Spieler und Trainer gleichermaßen.

„Was gibt es Schöneres als im Fußball-Traumland gegen den Gastgeber in einem WM-Halbfinale zu stehen? Das wird ein großes Spiel in Belo Horizonte“, sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Schlager am Dienstag (22.00 Uhr MESZ/ZDF) mit Pathos. Dass sich „alle darauf freuen“, musste er nicht extra betonen, tat er aber doch.

Nach zuletzt drei vergeblichen Anläufen (inklusive EM 2012) will das DFB-Team endlich auch sein Halbfinal-Trauma überwinden - Brasilien hin oder her. „Wir versuchen jetzt, den nächsten Schritt zu machen. Die Mannschaft ist gefestigt und stabil“, sagte Löw nach dem 1:0 (1:0) im Viertelfinale gegen die Franzosen.

Serie fortgeführt

Dass die deutsche Mannschaft bei einer WM zum vierten Mal in Serie die Runde der letzten Vier erreicht und damit Geschichte geschrieben hat, interessierte deshalb schon am Samstag kaum mehr. „Alle haben im Kopf, dass wir wieder zurück nach Rio kommen“, betonte Manager Oliver Bierhoff mit Blick auf das Finale am 13. Juli im legendären Maracana.

Ein drittes Mal nach 2006 und 2010 das undankbare Spiel um Platz drei? „Das haben wir jetzt genug gehabt“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dem SID. „Das brauche ich wirklich nicht, da reise ich vorher ab“, fügte Kapitän Philipp Lahm mit einem Schmunzeln an - um dann bestimmt anzufügen: „Jetzt will man definitiv mehr. Das war nicht unser letzter Aufenthalt in Rio.“

Doch zunächst wartet der wohl schwerste Brocken - auch wenn den Brasilianern Superstar Neymar (WM-Aus nach Bruch eines Wirbelquerfortsatzes) und Kapitän Thiago Silva (Gelbsperre) fehlen werden. Es ist nach dem Finale 2002 (0:2) erst das zweite deutsche WM-Duell gegen die Selecao. Er habe die Mannschaft, so Niersbach „daran erinnert, dass wir das Ergebnis gerne korrigieren würden“.

Fahrplan geändert

Um für die Partie gerüstet zu sein, wirft Löw sogar den bisher üblichen Fahrplan über den Haufen. Statt am Sonntag fliegt das DFB-Team erst am Montag nach Belo Horizonte, um mehr Zeit zur Regeneration zu haben.

Auch im Campo Bahia war Ruhe das oberste Gebot. Es gab sogar Alkoholverbot. „Einfach ausruhen, wenig machen, abschalten“, gab Lahm als Motto bis Dienstag aus. Entsprechend locker verlief deshalb auch das Auslaufen am Samstag, bei dem nur Per Mertesacker (grippaler Infekt) fehlte.

Die Mannschaft sieht sich aber trotz des Kraftaktes bei brütender Hitze in Rio gegen Frankreich für das Halbfinale und den heiß ersehnten vierten Titel gerüstet. „Ich denke, dass wir eine große Chance haben, es diesmal zu packen und den Pokal endlich in der Hand zu halten“, meinte Torjäger Miroslav Klose, warnte aber zugleich: „Wir dürfen nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen.“

Hummels: "Haben eine Chance zu gewinnen"

Dennoch: Der Optimismus ist groß. „Mit dieser Art, Fußball zu spielen, haben wir eine Chance zu gewinnen“, sagte der überragende Mats Hummels, der die DFB-Auswahl mit seinem zweiten Turniertreffer (13.) zum Sieg geführt hatte. Hummels meinte aber nicht das technisch anspruchsvolle Spiel, das Löw so gerne hätte, sondern Einsatz, leidenschaftliche Defensivarbeit und Kampf um jeden Zentimeter.

Die Mannschaft müsse weiter „so füreinander arbeiten“, sagte auch Thomas Müller mit der Betonung auf arbeiten, „dann ist es ganz schwer, uns zu schlagen, weil wir auch individuell was drauf haben. Jetzt ist alles drin.“ Lahm sprach von „Wille und Leidenschaft“. Stimme dies, könne man „Taktik und fußballerische Qualität“ vergessen.

Das Spiel gegen Frankreich bot besten Anschauungsunterricht. Die deutsche Mannschaft glänzte keineswegs, trat aber als kampfstarke und stabile Einheit auf. Dazu trugen auch die personellen Rochaden von Löw bei. Vor allem die Versetzung von Lahm in die Abwehr erwies sich als wichtiges Puzzleteil. Dass Löw zudem Per Mertesacker opferte und Miroslav Klose erstmals in die Startelf beorderte, waren weitere Mosaiksteinchen.

Was die Aufstellung für das Brasilien-Spiel angeht, hielt sich Löw dennoch bedeckt. „Das weiß ich jetzt noch nicht. Für mich ist wichtig zu sehen, wie die Spieler das verkraften“, sagte er. Jetzt heiße es, „die Kräfte zu bündeln.“

sid

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