Löws Taktik-Rochade zahlt sich aus

So lief Lahms Rückkehr auf rechts

Philipp Lahm
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Philipp Lahm.

Rio de Janeiro - Lahm spielte im Viertelfinale rechter Verteidiger. Der Münchner verhalf dem DFB-Team zum Einzug ins Halbfinale. Dabei spielte er dort seit Oktober 2013 im DFB-Team nicht mehr von Beginn an.

Mitte der zweiten Halbzeit reckte Philipp Lahm weit draußen an der Seitenlinie beide Arme in die Höhe. Es schien, als wollte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Torwart Manuel Neuer bei dessen Abstoß signalisieren: „Hallo, hier bin ich, nicht zentral, sondern wieder auf der rechten Außenbahn!“ Die Rückversetzung in die Viererkette von Lahm durch Bundestrainer Joachim Löw in Brasiliens Fußball-Tempel Maracanã war vor dem Viertelfinale am Freitag beim 1:0 (1:0) gegen Frankreich die am meisten diskutierte Option - und sie ging auf.

„Das war insgesamt wieder eine gute Leistung von uns. Es war nicht so leicht heute, es war brutal warm. Wir wollten über rechts mit Thomas und mir ein bisschen Dampf machen“, sagte Lahm. Auch Löw erklärte die Entscheidung damit, dass er mehr Druck über die Außenbahn kreieren wollte, um das robuste französische Zentrum zu umgehen. „Für die Mannschaft war das keine Überraschung. Wir sind in der Lage und es ist eine unsere Stärken, dass wir unterschiedlich spielen können“, sagte Löw.

Die Mission war durchaus heikel. Eine Gelbe Karte hätte Lahm eine Sperre für das Halbfinale am Dienstag in Belo Horizonte eingebracht. Nun wird die erste Verwarnung aus dem Algerien-Spiel nach den FIFA-Regeln gestrichen. Wie so oft kam er mit wenig Fouls aus und machte in seinem 111. Länderspiel souverän die Außenbahn dicht. Seinem Gegenspieler Antoine Griezmann - dem neuen französischen Wunderkind und Ersatzmann von Lahms verletzten Münchner Frankreich-Kollegen Franck Ribéry - ließ er wenig Raum zur Entfaltung.

Das System funktionierte, obwohl Lahm auf dieser Position in diesem Jahr im DFB-Trikot noch nicht einmal eine komplette Partie auf dieser Position absolviert hat. Letztmals spielte er dort zum Abschluss der WM-Qualifikation im Oktober 2013 beim turbulenten 5:3 in Schweden in der Startformation.

Die Einsicht zur Taktik-Rochade mit Lahm auf rechts und Stürmer Miroslav Klose im 4-3-2-1 mag Löw in der Analyse der Algerien-Partie gekommen sein. Zum taktischen Wechsel nach der Muskelverletzung von Shkodran Mustafi praktisch gezwungen, rückte der 30-Jährige schon beim packenden 2:1 nach Verlängerung im Achtelfinale in Porto Alegre in die Viererkette zurück.

Frankreichs Trainer Didier Deschamps hatte Zweifel geäußert, ob Löw den Lahm-Wechsel wagen würde vor so einem wichtigen Spiel. Er selbst rechne mit dem Münchner im Zentrum, sagte er vor der Partie. Hinterher betonte der Weltmeister von 1998, dass er den Wechsel erwartet habe. „Das ist seine natürliche Position“, sagte der Franzose. Löw ließ offen, ob Lahm nun auch im Halbfinale in der Viererkette statt im defensiven Mittelfeld spielen wird. Es spricht aber alles dafür.

Impulse nach vorne setzte Lahm gegen Frankreich nicht so viele wie gewohnt, aber er hielt Thomas Müller auf der Außenbahn den Rücken frei. Der Vierfach-Torschütze von Brasilien hatte so viel Raum für seine unglaublichen Laufwege.

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Durch den taktischen Umbau rutschte Per Mertesacker vor seinem möglichen 103. Länderspiel - der Quote von Franz Beckenbauer - aus der Mannschaft. Taktische Gründe hätten ihn bewogen, sagte Löw und lobte den Arsenal-Verteidiger dafür, die schlechte Nachricht bei einem persönlichen Gespräch am Vorabend „super aufgenommen“ zu haben. Jérôme Boateng und Mats Hummels traute er mehr Beweglichkeit gegen Frankreichs Offensive zu. Doch auch vorne ging die Rechnung auf - Hummels wurde mit seinem Tor zum Matchwinner.

dpa

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