Miguel Herrera

Mexikos Trainer-Bulldogge rockt die WM

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Miguel Herrera.

Fortaleza - Ein Gesicht wie ein Vorschlaghammer, ein Körper wie eine Bulldogge, ein Jubel wir ein Verrückter: Mexikos Nationaltrainer ist der vielleicht ungewöhnlichste Trainer der WM.

Miguel Herrera will an der Seitenlinie gerade auf eine Interview-Frage antworten, als ein Fotograf ihn im Rücken leicht anrempelt. Herrera dreht sich um - und sieht Rot. Er stürmt wie von der Tarantel gestochen auf den Mann zu und tritt brutal auf ihn ein. Mitspieler können den Mexikaner nur mit Mühe zurückhalten. Um den am Boden liegenden Verletzten kümmern sich fünf Sanitäter.

20 Jahre ist dieser Vorfall nun her, der Spieler Miguel Herrera musste für seine Ausraster teuer bezahlen. Vor allem wegen seines oft ungezügelten Temperaments wurde er nicht für die WM 1994 nominiert. In Brasilien erfüllt sich der inzwischen 46-Jährige endlich seinen WM-Traum. Und wie! „El Piojo“, die Laus, wie der nur 1,68 m große Herrera genannt wird, rockt die WM.

Der untersetzte Mann, der ohne Hals auszukommen scheint, führte Mexiko als Trainer mit einem höchst ungewöhnlichen Coaching ins Achtelfinale. Bei Fußball-Fans aus aller Welt genießt der heißblütige Lateinamerikaner spätestens nach seinen verrückten Jubelarien beim 3:1 gegen Kroatien Kultstatus.

Herrera stürzte sich wie eine Bulldogge im teuren Designer-Anzug auf seine Spieler, die Augen hervorgequollen, die Zunge rausgestreckt. Gegen Temperamentsbolzen Herrera wirkt Jürgen Klopp regelrecht introvertiert. Der offizielle Twitter-Kanal der FIFA-WM feierte Herrera danach als „das Gesicht der guten Laune“.

Im Wüterich von einst brodelt nach wie vor ein Vulkan, nur seine Ausbrüche erfolgen nun etwas kontrollierter. Er werde sich nicht verstellen, nur weil bei einer WM Millionen Menschen auf ihn schauen, betonte er. Und zu Herrera gehört auch ein gehöriger Schuss Pathos.

„Ich will sehen, dass sich die Jungs umbringen. Sie haben Geschichte zu schreiben“, fordert er. Herrera meint damit tatsächlich den WM-Titel: „Du musst überzeugt sein, damit du so ein großes Ziel erreichen kannst.“

In seiner Heimat waren anfangs nicht viele überzeugt, dass er der richtige Mann für El Tri ist. Eigentlich war Herrera, der als Trainer noch titellos ist, nur als Interimscoach für die zwei Play-off-Spiele gegen Neuseeland geholt worden. Doch die vermeintliche Notlösung entpuppte sich als voller Erfolg.

Herrera führte Mexiko nicht nur zur WM, er impfte der völlig verunsicherten Mannschaft mit seiner unkonventionellen Art auch neues Selbstvertrauen ein. Das Team steht bei ihm über alles, auf große Namen nimmt er keine Rücksicht. Den formschwachen Stürmerstar Javier Hernandez zum Beispiel ließ er in allen drei Gruppenspielen zunächst auf der Bank.

Den Spielern begegne er stets mit Offenheit, erklärt Herrera: „Wenn du etwas zu sagen hast, dann reiß dich zusammen und habe wenigstens die Eier, es den Leuten ins Gesicht zu sagen.“ Wegen seiner flotten Sprüche ist er im mexikanischen Fernsehen ein höchst willkommener Gast, auch die Werbung hat den drolligen Trainer längst für sich entdeckt.

Im Internet wird Herrera ebenfalls abgefeiert. Alte Videos mit seinem Ausraster gegen den Fotografen oder mit Brutalo-Fouls aus seiner aktiven Zeit werden tausendfach angeklickt. Mit einer Vokuhila-Frisur, die es problemlos mit der des früheren Hansa-Profis Mike Werner aufnehmen konnte, grätschte der damalige Rechtsverteidiger ohne Rücksicht auf Verluste alles weg.

Auch dem Trainer Herrera möchte man heute zumindest an der Seitenlinie lieber nicht zu nahe kommen.

sid

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