Unglückliche WM

Wann explodiert Fred?

Fred
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Confed-Cup-Toptorjäger Fred ist bei der WM bislang noch blass geblieben

Belo Horizonte - Nach dem Ausfall von Neymar steht der bisher unglückliche Fred noch mehr unter Druck. Die Kritik an dem Angreifer ist gewaltig, aber Trainer Luiz Felipe Scolari zählt auf ihn.

Fred lächelt. Trotz all der Demütigungen, der heftigen Kritik, trotz des Schocks nach dem WM-Aus seines Kumpels Neymar. Fred grinst erstaunlich viel in diesen hektischen Tagen vor dem Halbfinalkracher gegen Deutschland (Dienstag, 22.00 Uhr MESZ/ZDF) und streicht sich über seinen Dreitage-Bart. Seine Mission soll noch lange nicht vorbei sein - Fred geht voran. Dabei ist der Druck auf den Angreifer enorm. „Neymar war und ist die Seele unseres Teams“, sagt Fred: „Wir werden unser Leben geben, um für ihn den Titel zu gewinnen.“

Doch wer soll jetzt die Tore schießen? Etwa Fred, fragen sich Fans und Experten. Der 30-Jährige ackert und rennt bis zur Erschöpfung, doch seinen eigentlichen Job hat der wuchtige Angreifer bisher sträflich vernachlässigt - auf einen mickrigen Treffer kommt die Nummer „9“ der Selecao bisher. Er bereitete noch kein Tor vor, verstolperte dafür aber jede Menge Bälle.

Die Kritik an dem Mann von Fluminense ist riesig. Fred sei hölzern, schwerfällig und so treffsicher wie die ungeschickte Comic-Figur Fred Feuerstein, heißt es in den Fanforen. Auch Experten halten Frederico Chaves Guedes für den Schwachpunkt im Team von Luiz Felipe Scolari. „Brasilien spielt eigentlich nur zu zehnt“, sagt Englands früherer Top-Stürmer Alan Shearer. ARD-Experte Mehmet Scholl meinte zuletzt, bei Brasilien sei „alles in Bewegung. Nur Fred, der geht“. Und der große Pele hält den unglücklichen Fred ohnehin für eine Fehlbesetzung: „Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Fußballs ist die Abwehr gut organisiert, aber der Sturm hat einige Schwierigkeiten.“

Scolari steht zu Fred

Doch das interessiert Scolari alles nicht. Der 65-Jährige ist ein Sturkopf und steht loyal zu seinem Angreifer. Scolari baut auf Fred, seitdem er Brasilien mit fünf Treffern im vergangenen Sommer zum Sieg beim Confed Cup geschossen hatte. Damit Fred wieder zu seiner alten Form findet, gibt es von Scolari ein paar Streicheleinheiten: Er nimmt ihn oft in den Arm, tätschelt seine Wange, bezeichnet ihn sogar als „unentbehrlich“.

Zuletzt ließ sich Fred einen Schnauzbart wachsen, Neymar hatte ihm dazu geraten - dann würden die Tore schon von alleine fallen. Im ersten Spiel mit dem Moustache gegen Kamerun (4:1) traf der Angreifer aus dem Städtchen Teofilo Otoni auch noch und verkündete hinterher: „Mein Schnäuzer bleibt jetzt bis zum Finale.“ Doch richtig Glück brachte der Schnäuzer danach nicht mehr, jetzt ist Wildwuchs angesagt. So oder so: Fred muss jetzt liefern.

Immerhin: Gegen Mats Hummels und Co. spielt Fred in seinem „Wohnzimmer“ Estadio Mineirao von Belo Horizonte. 49 Spiele hat er als Profi dort bestritten und 42 Tore geschossen. Er kenne da ein paar „Abkürzungen auf dem Platz“, scherzt Fred: „Ich spüre eine andere Energie, wenn ich im Mineirao spiele.“

Ronaldo glaubt an das Kollektiv

Auch Ronaldo, der Brasiliens 2002 zum bisher letzten Titel führte, glaubt im Gegensatz zu vielen Experten noch an seinen Erben. Neymar sei zwar kaum zu ersetzen, sagt Il Fenomeno, aber „ich bin auch sicher, dass der Rest hochmotiviert sein wird. Und ich hoffe, dass Fred oder andere, das ausgleichen können.“

Noch hat Fred sein Lächeln nicht verloren. „Ich bin erfahren genug, um Ruhe zu bewahren“, sagt er. Ein Neymar werde aus ihm aber sicher nicht mehr: „Es wäre für mich ein Traum, mal ein Tor zu machen, nachdem ich fünf Gegner ausgespielt habe. Aber das vergesse ich besser. Das ist unmöglich.“

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sid

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