Wie Kahn den DFB-Triumph erklärt

Müller: "Lobt uns nicht in den Himmel!"

Jubel
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Der Jubel nach dem Spiel.

München - Nicht nur die kollektive Stärke des DFB-Teams war Grund für das 7:1 gegen Brasilien. Oliver Kahn sieht auch noch andere Gründe: die Stimmen.

Inmitten von 58 000 Zuschauern, ganz unten im Kessel dieser unglaublichen Atmosphäre, da stand während dieses denkwürdigen Spiels Joachim Löw. Ganz ruhig, ganz cool, in sich versunken. Die Finger der einen Hand hatte er zwischen die Knopfleiste seines Hemds gesteckt – wer wollte, der fühlte sich an Napoleons berühmte Geste erinnert. Natürlich ist Löw alles Martialisch-Kriegerische fremd, aber dass er seine Truppen im Griff hat, das hört er dann vielleicht doch gern. Vor allem, wenn es einer sagt, der nicht immer mit Löws Arbeit zufrieden war. „Die Trainer spielen heutzutage natürlich eine riesige Rolle. Wie sie die Aufstellung planen, wie sie auch während eines Spiels reagieren. Bei manchen hast du das Gefühl, sie haben immer noch eine besondere Idee“, sagte Oliver Kahn im ZDF. Und er meinte tatsächlich den Bundestrainer…

Der hatte seiner Mannschaft genau das auf den Weg gegeben, was Oliver Kahn vor dem Spiel forderte. „Ruhig bleiben, cool bleiben, einfach die bessere Mannschaft sein – auf taktischer Ebene und im persönlichen Bereich“, hatte der Titan gesagt und von Oliver Bierhoff gehört, dass es genau so kommen würde: „Diese Bombenatmosphäre, diese aufgeheizte Stimmung im Stadion – das macht unsere Spieler nur noch heißer“, sagte der DFB-Manager.

Aber da gibt es eben noch einen Aspekt, der die deutschen Spieler bei dieser WM stark macht: Sie wissen genau, was wichtig ist – zum Beispiel, dass sie selbst ihre Spiele richtig einordnen. So wie Thomas Müller, der direkt nach dem Spiel meinte: „Schwer zu sagen, was da passiert ist – das war nicht unbedingt zu erwarten… Da sieht man, wie unterschiedlich Spiele laufen können. Da nehme ich gerne wieder unser geliebtes Algerienspiel. Jetzt müssen wir noch einmal durchziehen, Vollgas ackern, und dann holen wir uns das Ding. Aber: Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Wir sind ein starkes Team mit einem tollen Mannschaftsgeist, nur: Man darf uns jetzt nicht in den Himmel loben, das wäre der falsche Ansatz.“

Aber vor zu viel Euphorie muss man einen natürlich nicht warnen: Oliver Kahn. Der lobte selbstverständlich die „tolle Leistung“ – erklärte sie aber auch mit dem Auftritt des Gegners: „Wir sind Zeugen geworden von einer kollektiven Implosion. Das war das totale Versagen einer Mannschaft. Immer nur auf Emotion zu machen wie die Brasilianer – dadurch sind sie nach dem 1:0 völlig in sich zusammengefallen. Die hatten gar keine taktischen Möglichkeiten – und das haben die Deutschen einfach ausgenutzt.“

tz

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