Es soll sein Halbfinale werden

Kroos: "Sind nur noch zwei Schritte"

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Toni Kroos (v.) spielt ein sehr gutes Turnier bislang und ist der Dauerbrenner beim DFB-Team.

Santo Andre - Er ist der Dauerbrenner im Team: Kein deutscher WM-Spieler hat mehr Länderspielminuten in den Knochen als Toni Kroos. Auf dem Weg zu Real Madrid präsentiert sich der Noch-Münchner in Titelform.

In den Statistiken ist Toni Kroos schon top, nun will der Noch-Münchner seinen gestiegenen Stellenwert auch im explosiven WM-Halbfinale unterstreichen. Nach Jokerrollen bei der WM 2010 und der EM 2012 wird der 24-Jährige beim strapaziösen Fußball-Spektakel in Südamerika vor seinem als sicher geltenden Wechsel zu Real Madrid mehr und mehr zur Führungsfigur. „Viermal Halbfinale als erste Mannschaft überhaupt: Das ist auch ein Qualitätsnachweis der Konstanz“, bekundete Kroos vor der extremen WM-Prüfung gegen Gastgeber Brasilien - gleichzeitig sein 50. Länderspiel. „Aber wir haben es noch nicht gewonnen.“

Kroos ist in der WM-Saison der Dauerbrenner im deutschen Team, mit 1290 Minuten absolvierte er mehr Spielzeit als jeder andere in der WM-Auswahl. Und in Brasilien legte er vor seinem wichtigsten Länderspiel schon überzeugende Auftritte hin. Flankiert von wechselnden Mittelfeldkollegen stabilisierte er, trieb an und bereitete drei der zehn deutschen WM-Tore vor. Nicht erst seit dem Viertelfinal-Erfolg spielt bei ihm auch der Glaube an den Titel mit.

Flick: Das muss Kroos noch besser machen

„Das war uns die ganze Zeit bewusst, weil dazu sind wir hier. Es sind noch zwei Schritte“, erklärte der Mittelfeldmann nach dem 1:0 gegen Frankreich. Sein Freistoß fand Mats Hummels - und der köpfte ihn ins Tor. „Toni ist ein Spieler, der sehr ballsicher ist, der mit Pässen das Spiel öffnen kann. Er gibt auch gute Vorlagen“, erklärte Löws Assistent Hansi Flick. „Was er im Moment nicht macht, ist das Toreschießen.“

Nur fünf Tore stehen in 49 Länderspielen in der DFB-Bilanz von Kroos. Die aktuelle WM-Statistik weist indes zahlreiche Top-Werte für ihn auf. Top-5 der Flankengeber, Top-3 bei angekommenen Pässen, mit 56,6 Kilometern die viertbeste Laufleistung des Turniers.

Champions-League-Sieger Real Madrid kann sich schon jetzt auf den rund 25 Millionen Euro teuren Neuzugang freuen. „Es ist nichts entschieden. Und während der WM wird auch nichts passieren“, versicherte Kroos. Doch ein Vollzug wird schon kurz nach dem Turnierende erwartet, es sind wohl nur noch Details zu klären.

Beim FC Bayern reservierte ihm Uli Hoeneß einst das Trikot mit der Nummer 10, das dann später aber Arjen Robben bekam. Dass der Mittelfeldakteur sich beim „Finale dahoam“ 2012 nicht zum Elfmeterschießen stellte, trug man ihm später nach.

Kroos fühlt sich unterbewertet

Zuletzt fühlte sich Kroos, der sich mit dem Club nicht über eine vorzeitige Verlängerung des bis 2015 datierten Vertrages einigen konnte, unterbewertet. Zumindest finanziell, denn sportlich war er unter Trainer Pep Guardiola ein Fixpunkt. 51 Pflichtspiele in der abgelaufenen Saison für den Verein unterstreichen seinen enormen Stellenwert.

„Toni Kroos hat das ganze Jahr hinweg bei Bayern und bei uns gute Leistungen gezeigt. Er hat einen Prozess durchlaufen“, sagte der Bundestrainer und setzte schon vor dem Turnier große Hoffnungen in den versierten Techniker. „Ich erwarte, dass er eine ganze andere Rolle bei uns spielt als 2012.“

Damals bei der EURO kam Kroos im Halbfinale gegen Italien (1:2) nach drei Einwechselungen zum ersten Einsatz von Beginn an. Auf verlorenem Posten stand der Münchner bei Löws Versuch, mit ihm das Zentrum gegen Andrea Pirlo und Daniele De Rossi zu stärken. Auch vom WM-Turnier in Südafrika ist kein großer Auftritt des Jokers Kroos in Erinnerung - im Halbfinale vergab er die größte Chance beim 0:1 gegen Spanien.

Diesmal soll die Partie am Dienstag in Belo Horizonte gegen Brasilien auch für ihn persönlich zu einem Höhepunkt werden. „Gerade dieses Jahr unter Pep Guardiola habe ich mich noch einmal weiterentwickelt. Ich konnte eine etwas dominantere Rolle einnehmen“, schilderte der Club-Weltmeister, der bei seinem wichtigsten Turnier sehr abgeklärt und cool auftritt. „Druck ist für uns nicht Neues“, sagte Kroos. „Die Erwartungshaltung ist groß auch bei uns selbst.“ Im Viertelfinale hielt er dem Druck beeindruckend stand.

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dpa

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