Kritik und Lob an Krul

Huldigung für van Gaal - Costa Ricas Märchen beendet

Louis van Gaal, Tim Krul
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Lass dich drücken. Louis van Gaal herzt seinen Ersatzkeeper Tim Krul, der zwei Elfmeter parierte.

Salvador - Gegen den genialen Schachzug von Louis van Gaal konnte selbst der Favoritenschreck aus Costa Rica nichts ausrichten. Mit dem Torwartwechsel in der Nachspielzeit der Verlängerung lag er goldrichtig.

Mastermind Louis van Gaal genoss die Huldigungen des Betreuerstabes und der Fans auf seine Art. Fast majestätisch schritt der für sein starkes Ego bekannte Trainer der Niederländer über den Rasen und winkte Richtung Ehrentribüne. Sein in der WM-Historie bisher einmaliger Schachzug, kurz vor einem Elfmeterschießen den Torwart zu wechseln, wurde nach dem 4:3 im Viertelfinale über Costa Rica als Geniestreich gefeiert. „Ich bin ein bisschen stolz, dass das alles so geklappt hat“, kommentierte der Bondscoach mit diebischem Lächeln. Als Triumph über seine vielen Kritiker wollte van Gaal den Einzug ins Halbfinale aber nicht bewerten. „Das habe ich nicht nötig“

„Goldener Griff von van Gaal“, titelte „De Telegraaf“ auf seiner Homepage und befand treffend: „Van Gaal übertrifft sich selbst“. Für die Tageszeitung „Volkskrant“ war es einfach das „Meisterstück von van Gaal“, dank dem die Niederlande nun das von der Verbandsspitze zuvor sehr gewagte Ziel Halbfinale bereits erreicht haben. Aber van Gaal, der bei seiner WM-Premiere in Höchstform agiert, ist noch lange nicht zufrieden. „Wir haben noch ein viel größeres Ziel“, sagte van Gaal mit Blick auf die am 13. Juli im historischen Estádio do Maracanã zu vergebene WM-Trophäe.

Spezial-Torwart zeigt seine Klasse

Die zwei Paraden von Spezial-Torwart Tim Krul am Samstag in Salvador lassen die Niederlande vom ersten WM-Titel ihrer Geschichte träumen. Der von van Gaal kurz zuvor eingewechselte Keeper, der die gegnerischen Schützen durch fragwürdige Psychospielchen zu verunsichern versuchte, rettete Oranje im Elfmeterschießen mit seinen beiden Glanztaten den Einzug ins Halbfinale. Dort wartet am Mittwoch in São Paulo Argentinien mit Superstar Lionel Messi.

Für den Vize-Weltmeister geht das große Fußball-Spektakel am Zuckerhut vor allem dank der genialen Einfälle von van Gaal weiter. Auch mit seinem riskanten Torwartmanöver lag der 62-Jährige richtig - wie bislang immer im Turnier. Der eingewechselte Krul parierte beim 4:3 im Elfmeterschießen gegen Bryan Luiz und Michael Umaña.

„Jeder im Team hat besondere Qualitäten. Und wir fanden alle, dass Tim der beste Keeper wäre, um Elfmeter zu halten. Er hat eine große Reichweite“, kommentierte van Gaal seine ungewöhnliche Aktion. Mit Krul, der bei Newcastle United gerade einmal zwei von 20 Elfmetern hielt, hatte er den Plan im Vorfeld bereits besprochen. Stammkeeper Jasper Cillessen war dagegen nicht eingeweiht. Der Ajax-Torwart, der die ansonsten drückend überlegenen Niederländer in der 117. Minute mit einer Glanztat gegen Marcos Urena überhaupt erst ins Elfmeterschießen brachte, war dementsprechend sauer. Bei seiner Auswechselung trat er wütend eine Trinkflasche um. Später entschuldigte er sich bei der Mannschaft für seinen Gefühlsausbruch.

Krul verrät sein Geheimnis

Matchwinner Krul blieb in der Stunde seines großen Triumphes bescheiden. „Das Geheimnis ist es, lange stehen zu bleiben“, sagte der 26-Jährige. Der Glanz wurde aber getrübt, weil er sich vor den Elfmetern der Costa Ricaner unsportlich verhielt. Der Gegner nahm ihm die Mätzchen indes nicht übel. „Das gehört dazu“, sagte der Mainzer Junior Diaz.

Für seine Teamkollegen war Krul sowieso der Held. „Tim war der Wahnsinn. Jedes Lob für ihn, er hat es fantastisch gemacht“, sagte Arjen Robben. Der Bayern-Star lieferte wie im bisherigen Turnierverlauf erneut eine überragende Leistung ab. Selbst die überharte Gangart der Costa Ricaner, die alle ihre vier Gelben Karten wegen Fouls an ihm bekamen, konnte Robben nicht stoppen. „Auch in der Verlängerung bin ich einfach nicht müde geworden. Ich könnte immer noch laufen“, sagte der von der Sehnsucht auf Revanche fürs verlorene WM-Finale vor vier Jahren getriebene Ausnahmefußballer.

Costa Ricas Coach Jorge Luis Pinto verspürte trotz des Ausscheidens vor allem Dankbarkeit. „Ich habe den Spielern gesagt, dass ich stolz bin auf sie. Das ganze Land ist stolz, wie wir uns hier präsentiert haben“, sagte Pinto. Sein Sensationsteam wurde bei den Wunderwochen von Brasilien am Ende auf unglückliche Art und Weise gestoppt - und von den Zuschauern ein letztes Mal gefeiert.

In der Vorrunde drei ehemalige Weltmeister hinter sich gelassen, im Achtelfinale Ex-Europameister Griechenland ausgeschaltet und auch gegen den ehemaligen Europa-Champion Oranje blieb Pintos Team nach 120 torlosen Minuten unbesiegt. Die WM-Lieblinge dürfen sich bei ihrer Rückkehr in die Heimat jetzt auf einen feurigen Empfang freuen. „Wenn wir zurückkommen, wird jeder auf der Straße sein und den Bus verfolgen“, sagte der Mainzer Júnior Díaz.

dpa

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