Freundschaft zu Klinsi ruht

Duell gegen USA: Löw hat Startelf gefunden

Joachim Löw
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Joachim Löw lässt sich in Sachen Aufstellung nicht in die Karten gucken.

Recife - Das Aufeinandertreffen von Klinsmann und Löw elektrisiert nicht nur die Fans in der Heimat. Der Bundestrainer betont: Einen Nichtangriffspakt werde es nicht geben. Die Debatten um Lahm irritieren Löw.

Als Gasthörer in der ersten Reihe verfolgte Joachim Löw lächelnd die Pressekonferenz mit Mesut Özil. Oben auf dem Podium wurde der Bundestrainer dann vor dem brisanten Aufeinandertreffen mit seinem engen Weggefährten und Vorgänger Jürgen Klinsmann selbst ganz ernst. „Es gibt keinen Pakt oder Nichtangriffspakt. Für uns ist das kein Thema. Wir haben beide die Devise, das Spiel zu gewinnen“, betonte ein entschlossen wirkender Löw am Mittwoch schon in Arbeitskleidung. Im roten DFB-Trikot leitete er anschließend das teilweise verregnete Abschlusstraining, an dem alle 23 deutschen Spieler in der Arena Pernambuco teilnahmen.

Löw: Freundschaft zu Klinsmann ruht

„Wir können uns beide völlig freimachen von diesen Dingen“, sagte der Bundestrainer zum Duell im dritten WM-Gruppenspiel am Donnerstag (18.00 Uhr/ZDF) in Recife gegen das US-Team seines Ex-Vorgesetzen Klinsmann. „Für die Medien ist das ein schönes Thema, dass ein Showdown ansteht. Wir haben eine wichtige Aufgabe vor uns, die wir lösen müssen und lösen werden.“ Auch von den öffentlichen Debatten um die Mittelfeldrolle von Kapitän Philipp Lahm ließ sich der 54-Jährige nicht in seiner Konzentration auf das Ziel Gruppensieg ablenken.

Auf der 1000 Kilometer langen Reise vom Teamquartier in Santo André nach Recife hatte sich der DFB-Chefcoach nicht weiter mit Klinsmann oder der Position von Lahm beschäftigt. „Wir beide waren ab 2004 ein Supergespann, haben uns super ergänzt. Jetzt wissen wir beide, es geht für unsere Mannschaften um sehr viel“, betonte der Freiburger im ARD-Hörfunk. „Wir spielen jetzt gegeneinander. Das ist natürlich ein Geschäft. Da geht's um erfolgreich sein oder auch nicht. Da ruht diese Freundschaft“, ergänzte er im ZDF-Interview.

Löw musste sich vor allem damit auseinandersetzen, wie er seinem Team nach dem am Ende wilden 2:2 gegen Ghana wieder mehr Organisation und Stabilität einimpfen kann - womöglich auch durch personelle Veränderungen. Auskunft über seine Überlegungen, „die schon relativ weit fortgeschritten sind“, gab er allerdings öffentlich nicht. „Für mich persönlich habe ich schon Entscheidungen getroffen, wie wir beginnen. Heute will ich nicht darüber reden“, bemerkte Löw.

Löw lässt keine Zweifel an Lahm zu

Für radikale Umbaumaßnahmen sieht der Chef der schwarz-rot-goldenen Titelmission nach 13 Länderspielen ohne Niederlage ohnehin keinen Anlass. Auch die Diskussionen über die womöglich suboptimale Rolle für Kapitän Lahm als Mittelfeldspieler blockte Löw vor dem brisanten Gruppenfinale gegen die punktgleichen Amerikaner (je vier Zähler) ab.

„Manchmal nimmt man diese Dinge auch wahr, aber als Trainer kann man nicht immer alles über den Haufen werfen“, erklärte der Chefcoach deutlich. Zweifel lässt sein Masterplan nicht zu. „Warum sollte ich jetzt nach einem Spiel irgendwie unsicher werden?“, sagte Löw.

Manager Oliver Bierhoff, stets ein aufmerksamer und kritischer Beobachter aller Tendenzen rund um die Mannschaft, sprach nach der nochmaligen Aufarbeitung des Ghana-Spiels von „Kleinigkeiten“, die gegen die physisch starken Amerikaner besser gemacht werden müssten. „Keine dummen Situationen im Aufbauspiel provozieren“, lautet eine zentrale Vorgabe für das wegweisende Spiel, verriet Torjäger Thomas Müller. Gegen Ghana hatten ein Fehler im Spielaufbau von Kapitän Lahm und ein kurzes Zögern von Sami Khedira zum Rückstand geführt.

„Philipp hat sicherlich nicht unbedingt den besten Tag erwischt. Er hat zuvor bei Bayern München auf dieser Position viele gute Spiele gemacht“, meinte Löw und ergänzte entschlossen: „Ein Trainer darf sich von der öffentlichen Meinung nicht ständig beeinflussen lassen.“ Müller räumte ein, dass intern auch das Thema Lahm eine Rolle spiele, aber in einem anderen Sinn: „Wenn, dann wird darüber diskutiert, warum diskutiert wird in den Medien. Die Trainer haben sich klar festgelegt.“

Schweinsteiger könnte für Khedira in Startelf rücken

Bringt Löw also auch gegen die USA wieder dieselbe Startelf wie in den ersten beiden Spielen in Brasilien, zumal Khedira und Jérome Boateng ihre Verletzungen überwunden haben? „Denkbar, muss aber nicht unbedingt sein. Wir haben unterschiedliche Lösungen für Spiele.“

Er habe seine Startelf zwar schon sicher im Kopf, werde das aber nicht verraten. Wichtig, so Löw, sei ohnehin „nicht die Aufstellung, sondern die Einstellung. Wir haben unterschiedliche Lösungen. 14 Spieler werden immer wichtig sein“.

Am ehesten könnte wohl Bastian Schweinsteiger in die erste Elf rücken. Khedira wirkte im zweiten WM-Spiel matt. In der Defensivzentrale könnte dann gegen den ehemaligen Bayern-Trainer Klinsmann das Münchner Trio Schweinsteiger, Lahm, Kroos spielen und ihren Clubkollegen Müller mit Bällen füttern. Klinsmann hatte den jungen Müller einst erstmals in der Bundesliga gebracht.

„Natürlich haben wir durch Jürgen Klinsmann beim DFB andere Strukturen bekommen. Die Fitness-Abteilung ist das Erbe von Jürgen Klinsmann“, sagte Müller. Doch danach sei vieles in der Ära Löw geprägt worden, betonte der WM-Torschützenkönig von 2010: „Da ist sein Stempel drauf.“ Das will die aktuelle Generation der Nationalspieler vor 40 000 Zuschauern, davon rund 5000 aus Deutschland, auch in der Arena Pernambuco nachweisen.

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Dass ein Remis beiden Teams zum Weiterkommen reicht und das DFB-Team dann zudem als Gruppenerster ins Achtelfinale einziehen würde, ist für den amtierenden Bundestrainer nur die Theorie. „Wenn man von vornherein auf Unentschieden spekuliert, geht es meist schief. Beide Trainer, Klinsmann und Löw, stehen für eine Mentalität, Spiele zu gewinnen und nicht zu taktieren“, bekräftigte der DFB-Chefcoach.

Das abschreckende Beispiel Gijon, wo Deutschland und Österreich 1982 das Weiterkommen mit einem Nichtangriffspakt erreicht hatten, schoben Klinsmann und Löw weit von sich. „Für eine US-Mannschaft war und ist so etwas undenkbar. Die Amerikaner kämpfen immer für Siege. Das ist unser Spirit, das ist unsere Stärke“, sagte der Trainer der Amerikaner. Und Löw erklärte: „Das bedeutet gar nichts mehr.“

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dpa

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