Interview mit Wolfgang Stach

Wrestling-Experte: Das kann Wiese in der WWE erreichen

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Fußball-Profi Tim Wiese (links) und Wrestling-Legende Hulk Hogan. Wiese hat nun ein Angebot der Liga WWE - tritt er in Hogans Fußstapfen oder wird er zur Lachnummer als Wrestler?

München - Wird Ex-Fußballer Tim Wiese in den USA Wrestler für die WWE? Wir haben Deutschlands renommierten Experten für Wrestling, Wolfgang Stach gefragt, welche Chancen er Wiese gibt.

Update vom 3. November 2016: Der Ex-Bundesliga-Torwart Tim Wiese kämpft heute erstmals für die WWE. Wir bieten einen Live-Ticker zu Tim Wieses Wrestling-Debüt in der Münchner Olympiahalle.

Update vom 7. Oktober 2016: Jetzt ist es offiziell: Tim Wiese wird am 3. November sein Wrestling-Debüt geben. Wir haben alle Infos zum ersten Wrestling-Match von Tim Wiese bei der WWE in München.

Es ist sicherlich eine der kurioseren Nachrichten. Ex-Bundesliga Torwart Tim Wiese zieht in Erwägung, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und professioneller Wrestler in den USA zu werden. In den letzten Tagen erreichte ihn laut eigener Aussage eine offizielle Anfrage vom größten Wrestling-Veranstalter der Welt - der WWE (World Wrestling Entertaiment). Wiese, der von dem Bundesligaverein 1899 Hoffenheim freigestellt worden war, hatte zuletzt enorm an Muskelmasse zugelegt und bringt mittlerweile 115 Kilogramm auf die Waage. Vom Aussehen her ist das für einen Auftritt im Wrestling schon mal nicht so schlecht.

Doch wie realistisch stehen die Chancen, dass sich Tim Wiese tatsächlich im Wrestling durchsetzt? Wir haben Deutschlands renommierten Wrestling-Experten Wolfgang Stach gefragt, der Herausgeber und Chefredakteur des Fachmagazins 'Power Wrestling' ist. Er kennt die WWE und die Hintergründe des Wrestling-Business bestens - und äußert sich zu einem möglichen Karriere von Tim Wiese als Wrestler.

Wrestling: Hat Wiese Potenzial für die WWE?

Herr Stach, was kann ein Tim Wiese als Wrestler in der WWE erreichen? Hat er Potenzial für die WWE?

Stach: Mit der richtigen Einstellung kann ein Tim Wiese von seinem Körperbau her in der WWE durchaus viel erreichen. Das Potenzial sehe ich als durchaus gegeben, zumal die WWE auf der Suche nach einem Deutschen ist, um den deutschen Markt weiter auszubauen.

Wie lange muss man eigentlich trainieren, um Wrestler zu werden und was muss man dabei beachten?

Er kennt die WWE-Legenden: Wrestling-Experte Wolfgang Stach (links) mit dem 1999 verstorbenen Wrestler Owen Hart, mit dem ihn eine sehr enge Freundschaft verband. Hier klicken, um das Bild zu vergrößern.

Stach: Das ist schwer zu beantworten. Die Basics, also die wichtigsten Wrestling-Aktionen, kann man sicherlich in wenigen Monaten lernen. Aber da die WWE heute ein Unterhaltungs- und kein Wrestling-Unternehmen an sich mehr ist, kommt es auf das Gesamtpaket an. Dazu gehören in erster Linie die Mikrofonfähigkeiten, wie er also seinen Charakter dem Publikum gegenüber "verkauft", also die schauspielerischen Fähigkeiten, und dann besonders auch die Ausstrahlung. Selbst ein Hulk Hogan oder der kürzlich verstorbene Ultimate Warrior sind wrestlerisch eher beschränkt, ziehen das Publikum aber durch ihre immense Ausstrahlung und auch ihre Schauspiel- und Mikrofonfähigkeiten vollständig in ihren Bann. Das ist heutzutage wichtiger als das Wrestling an sich, zumal ein technisch versierter Gegner einen weniger guten "Gegner" dennoch sehr gut aussehen lassen kann.

Wiese als Wrestler in WWE nicht zu alt

 

Ist Tim Wiese mit Anfang 30 schon zu alt, um Wrestler in der WWE zu werden?

Stach: Anfang 30 Jahre zu sein, ist sicherlich nicht unbedingt das günstigste Alter, um einzusteigen. Viele der derzeitigen Topstars der WWE sind aber weit älter (Triple H und Batista, jeweils 45 Jahre, John Cena, 37 Jahre und viele mehr), sodass Tim Wiese durchaus große Chancen hat, wenn er bereit ist, hart an sich zu arbeiten. Denn die Arbeit im Trainingslager in Florida zur Vorbereitung auf seine Profikarriere ist sicherlich um einiges härter als ein Fußballtrainingslager.

Wie wichtig ist der deutsche Markt für die WWE?

Stach: In den 90er Jahren war Deutschland weltweit der zweitwichtigste Markt auf der Welt für die WWE. Leider ist der Markt in den Jahren 2000 - 2012, sicherlich auch durch Marketingfehler in der WWE, sehr vernachlässigt worden. Durch einen Umbau in der deutschen Gestalter-Ebene sind jetzt aber die richtigen Schritte eingeleitet worden, um wieder wachsen zu können, etwa auch durch den neuen Fernsehdeal mit ProSieben, Tele 5 und Maxdome. Ich glaube aber nicht, dass der Stand Mitte der 90er Jahre mit Millionen Zuschauern vor dem Fernsehschirm und 32 ausverkauften Shows in einem Jahr nochmals erreicht werden kann, aber Wachstumspotenzial ist meines Erachtens auf jeden Fall vorhanden.

Einst ist schon einmal ein Deutscher in der WWE gefloppt: Bodybuilder Achim Albrecht - gibt es bedeutende Unterschiede zu Wiese?

Stach: Bei Achim Albrecht (Brakkus) fehlte das Gesamtpaket. Vom Aussehen her war er top, auch seine Wrestling-Aktionen waren gar nicht einmal schlecht. Dafür fehlte ihm aber jede Ausstrahlung, und seine schauspielerischen und Mikrofonfähigkeiten waren kaum vorhanden. Dadurch kam er bei den Fans nicht an. Wie wichtig gerade auch die schauspielerischen Fähigkeiten sind, kann man ja an der Menge von WWE-Stars sehen, die mittlerweile auch in Hollywood sehr gefragt sind. So etwa The Rock Dwayne Johnson, aber auch Batista, Triple H, John Cena, Steve Austin und viele andere. Zudem hatte Achim Albrecht auch keine Lobby in der WWE, zumal es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch sehr gut für die WWE aussah.

Gute Chancen für Wrestler Wiese als Zugpferd

Wie sehen Sie die Chancen, dass sich Tim Wiese im Wrestling durchsetzten könnte?

Da die WWE ja für Deutschland ein einheimisches Zugpferd sehr gut gebrauchen könnte, stehen die Chancen für Tim Wiese bei der richtigen Einstellung und der Bereitschaft zur harter Arbeit meines Erachtens sehr gut. Allerdings ist die Arbeit in den USA sehr viel härter. Bei der Ausbildung gibt es praktisch eine 7-Tages-Woche, und auch danach wird er vier bis fünf Tage pro Woche unterwegs sein. Und zwar nicht alles vororganisiert wie beim Fußball, da heißt es dann auch schon mal, mehrere hundert Kilometer an einem Tag von Ort zu Ort zu fahren, sich die Hotels selbst auszusuchen und sich um die Verpflegung zu kümmern.

Interview: Philipp Kuserau

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