Zwanziger-Enthüllung

"Auch in Deutschland gab es Ticketskandal"

Theo Zwanziger
+
Theo Zwanziger.

Altendiez - Auch bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland hat es offenbar einen Ticketskandal gegeben. Das hat der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger verraten.

„Es gab strafrechtliche Ermittlungen in Deutschland bei der WM 2006, weil es auch dort einen Ticketskandal gegeben hat“, sagte der 69-Jährige in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: „Dieser ist vielleicht nicht ganz so öffentlich geworden, aber den gab es.“

So etwas lasse sich „im Grunde überhaupt nicht vermeiden“, meinte Zwanziger weiter: „Das wird auch bei späteren WM“s nicht anders sein.„ Es gebe `Leute, die geben fünfstellige Beträge für eine Karte irgendwo in einem Halbfinale. Und von daher ist natürlich die Versuchung groß von Menschen, die im Besitz dieser Tickets oder einer größeren Zahl sind, durch unlautere Geschäfte an Geld zu kommen. Man hat sehr, sehr viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen, aber wo Geld ist, ist auch Korruption.“

Die FIFA als Organisation trägt daran nach Zwanzigers Meinung kaum Schuld, es handele sich nur um das Fehlverhalten Einzelner. „Das ist ein systemimmanenter Vorgang, der damit zusammenhängt, dass hier unglaubliche wirtschaftliche, emotionale, sportliche, mediale Geschehensweisen aufeinandertreffen“, versicherte er.

Es gebe Menschen, „die Verantwortung haben, die die Verantwortung missbrauchen und auf diese Art und Weise natürlich eine ganze Organisation in Verruf bringen. Ich kann ausdrücklich sagen: Ich kenne inzwischen unglaubliche viele FIFA-Mitarbeiter, denen tut man unrecht. Das sind ganz professionelle, hochkarätige, gute Menschen, die für die FIFA ein solches Turnier organisieren. Und die Tatsache, dass da wieder einmal etwas schiefgelaufen sein könnte, hängt mit dem System ein Stück zusammen und natürlich auch mit dem Fehlverhalten von Menschen. Aber ich wehre mich ein bisschen dagegen, daran nun das gesamte Image der FIFA damit zu beleuchten.“

Zwanziger schlägt erneut gegen DFB zurück

Zwanziger hat sich erneut gegen die Rücktrittsforderungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verwehrt und seine eigene Arbeit im FIFA-Exekutivkomitee in den höchsten Tönen gepriesen. „Ich habe in diesen drei Jahren Arbeit bei der FIFA geleistet - das sage ich mal ganz deutlich -, wie kaum ein anderer Deutscher vorher“, sagte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Er habe sich „in diesen Reformprozess hineingeklinkt. Ich habe mich für Menschenrechte in Katar eingesetzt. Und dann kann ich doch nicht, weil ich ein Interview gegeben habe, mich anschließend dann zum Rücktritt auffordern lassen“, betonte er: „Das passt nicht. Und da kann man drehen, wenden und tun was man will, das wird man nur mit mir nicht machen können.“

Das DFB-Präsidium hatte den 69-Jährigen aus Altendiez Mitte Juni zum Rücktritt aus der „Regierung“ des Weltverbandes aufgefordert, weil er „nicht mehr angemessen die Interessen des deutschen Fußballs“ in der FIFA vertrete. Der Verband reagierte damit auf die wiederholten Angriffe Zwanzigers auf seinen Nachfolger als DFB-Chef, Wolfgang Niersbach.

Das resultiere daraus, dass Niersbach und er „in einer Frage, die für Wolfgang Niersbach sehr bestimmend war, unterschiedlicher Meinung gewesen sind. Das muss man sagen“. Es sei „um die Vergütung eines ehrenamtlichen Präsidenten“ gegangen, erklärte der 69-Jährige: „Da habe ich sehr restriktive Auffassungen. Eine Aufwandsentschädigung und damit ist es gut. Und Wolfgang Niersbach war natürlich in einer besonderen Situation damals. Die wollte ich lösen, indem man sich noch etwas Zeit nimmt und eine hauptamtliche Lösung einführt, was man durchaus vertreten könnte. Man hat es anders gelöst - das weiß ich jetzt. Und aus dieser Phase heraus ist natürlich unser vorher gutes Verhältnis distanzierter geworden.“

Dass der Konflikt letztlich kurz vor der WM eskaliert ist, „hat mir am allermeisten leid getan“, beteuerte Zwanziger: „Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich da keine Interviews mehr geben darf. ` Jenes, das den Streit anheizte, habe ihm `sehr, sehr viele positive Nachrichten gebracht hat, von wirklich auch wichtigen Leuten in unserer Gesellschaft“.

sid

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Transfer-Ticker: Sané-Entscheidung in dieser Woche   
Transfer-Ticker: Sané-Entscheidung in dieser Woche   
Heidel: Sané will im Sommer wechseln - aber wohin?
Heidel: Sané will im Sommer wechseln - aber wohin?
Krasse Veränderung: So sieht Lionel Messi nicht mehr aus
Krasse Veränderung: So sieht Lionel Messi nicht mehr aus
Beckenbauer für Hoeneß-Comeback als Bayern-Präsident
Beckenbauer für Hoeneß-Comeback als Bayern-Präsident

Kommentare