DFB reagierte mit deutlichen Worten

Zwanziger lässt Niersbach-Vereinbarung prüfen

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Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sind zerstritten. Foto: Fredrik von Erichsen

Berlin - Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger lässt die Vergütungsvereinbarung seines Nachfolgers Wolfgang Niersbach von der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA prüfen.

Dies erklärte das FIFA-Exekutivmitglied in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Rhein-Zeitung". Zu den von Zwanziger vorgelegten Dokumenten gehöre auch die Rentenvereinbarung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Niersbach, der Zwanziger 2012 nachgefolgt war. Zwischen beiden hatte es im vorigen Jahr kurz vor der WM in Brasilien einen offenen Streit um Zwanzigers Rolle in der FIFA gegeben. Nach verbalen Attacken Zwanzigers hatte die gesamte DFB-Spitze damals dessen Rücktritt vom FIFA-Amt gefordert.

Er wolle wissen, ob Vorwürfe ihm gegenüber berechtigt seien, erklärte Zwanziger. "Es soll geklärt werden, wer seine Pflichten verletzt hat und wie mein Verhalten und das Verhalten des DFB zu sehen ist. Ganz neutral also", sagte Zwanziger der "FAZ". Auf das Angebot einer Mediation sei der DFB nicht eingegangen, dies bedaure er. Zwanziger hatte stets betont, dass er die finanziellen Modalitäten bei Niersbachs Wechsel vom hauptamtlichen Generalsekretär zum ehrenamtlichen DFB-Chef kritisch betrachte. Seit Zwanzigers Rückzug vom höchsten DFB-Amt haben sich die Fronten immer mehr verhärtet.

Der DFB reagierte mit deutlichen Worten auf die Zwanziger-Aktion und fürchtet keine Sanktionen durch die FIFA-Ethikhüter. "Unser gesamtes Präsidium hat bereits bei der WM sehr deutlich herausgestellt, dass alles absolut einwandfrei abgewickelt wurde. Die Altersversorgung ist gutachterlich geprüft und mit den Vorgaben des gemeinnützigen Verbandes vereinbar. Dieses Thema trotzdem immer wieder in die Öffentlichkeit zu tragen, ist nur noch lächerlich", sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

Der noch bis Ende Mai der FIFA-Exekutive angehörende Funktionär verteidigte FIFA-Präsident Joseph Blatter gegen Rücktrittsforderungen und hielt der Europäischen Fußball-Union (UEFA) vor, sie sei angesichts von acht Exekutivmitgliedern maßgeblich an kritisierten Entscheidungen beteiligt gewesen. Der DFB hätte sich vermittelnd in den Führungskonflikt einbringen sollen. Zudem zweifelte er an den Reformbemühungen der UEFA. Eine ganze Reihe von Europäern wollte sich in der Frage der Menschenrechte in den Ausrichterländern großer Turniere nicht rühren. "Da frage ich mich: Wo soll in Europa die bessere FIFA sein?", meinte Zwanziger, der als Kritiker der WM 2022 in Katar gilt.

Auch eine Verlegung der WM 2018 in Russland ist aus seiner Sicht kein Tabu. "Im Grunde halte ich nichts von Boykotten. Aber es haben nun mal Verletzungen des Völkerrechts stattgefunden, und wenn die kriegerische Krise sich noch verstärkt, dann müssen sich die Sportführer mit den Politikern zusammensetzen", sagte er. Die WM könnte auch kurzfristig in einem anderen europäischen Land stattfinden. In Mitteleuropa gebe es genügend Auswahl. "Aber der Zeitpunkt ist noch nicht da", betonte Zwanziger.

Der Jurist aus Altendiez scheidet im Mai aus dem FIFA-Exekutivkomitee aus. Auch dort wird sein Nachfolger Niersbach sein, der beim UEFA-Kongress am 24. März in Wien der einzige Kandidat des europäischen Kontinentalverbandes für den Posten ist. Die Ernennung im Mai durch die FIFA ist dann nur noch Formsache.

Bericht auf faz.net

Bericht bei "Rhein-Zeitung" (mit Bezahlschranke)

dpa

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