Weltranglistenerste im Gespräch

Kerber im tz-Interview: "Ich wollte den Druck - jetzt habe ich ihn"

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Angelique Kerber ist die aktuelle Nummer Eins.

München - Sie ist die aktuelle Weltranglistenerste: Angelique Kerber. Mit der tz sprach sie über ihren neu erlangten Ruhm, Journalisten-Fragen und den Kerber-Tennis-Boom.

Entspannt in die Wuhan-Woche! Als Weltranglistenerste und topgesetzte Spielerin freut sich Angelique Kerber (28) in China in der ersten Runde über ein Freilos. In der zweiten Runde trifft sie auf die Französin Kristina Mladenovic, die US-Girl Coco Vandeweghe mit 7:6, 6:3 bezwang. Gegen Mladenovic hat Kerber eine 2:0-Bilanz. Den tz-Reporter traf sie in München, vor ihrem Abflug nach Asien, zum ersten Mal.

Frau Kerber, wie lange kennen wir uns jetzt schon?

Angelique Kerber: Wir? (schaut etwas ungläubig) Weiß ich nicht.

Seit ungefähr zwei Sekunden. Und wie oft haben wir uns bisher gesehen?

Kerber: Noch nie.

Stimmt nicht ganz, einmal bei den Olympischen Spiele in Rio. Ich stand in einer Journalistentraube und habe Ihnen eine Frage gestellt, aber das können Sie nicht wissen. Worauf ich hinaus will: Wie oft hatten Sie in den vergangenen Monaten Gespräche mit völlig Unbekannten, die Ihnen etwas entlocken wollen?

Kerber: Sehr oft, es gab viele solcher Begegnungen, das ist viel mehr geworden. Da kommt es eben auch vor, dass ich jemand, wie jetzt Sie, nicht erkenne. Ein bisschen komisch ist das schon.

Kerber: Ich muss nicht auf jede Frage eingehen

Muss man das lernen, und gibt es für Sie Dinge, die Sie nicht erzählen?

Kerber: Ja, man lernt in kleinen Schritten und durch Erfahrung. Nach den Australien Open hat sich das immer mehr gesteigert, anfangs war ich damit ein bisschen überfordert. Jeder zieht seinen Schlussstrich woanders, jeder muss für sich selbst wissen, was er preisgibt und was nicht. Aber ich bin grundsätzlich eine offene Person, außerdem muss ich ja nicht auf jede Frage eingehen.

Zu wie viel Prozent sind die Fragen identisch?

Kerber: Ich würde schätzen, zu rund 80 Prozent, meine Antworten kommen mittlerweile fast automatisch.

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Verändert so viel mediale Aufmerksamkeit einen Menschen?

Kerber: Ich habe mich nicht verändert, ich bin die gleiche Person wie noch vor ein paar Jahren. Mittlerweile werde ich öfter erkannt, viele Menschen wollen ein Autogramm oder ein Foto von mir, aber die können gerne kommen. Das Umfeld hat sich etwas geändert, weil es mehr Anfragen gibt und das Interesse an meiner Person viel höher ist. Zum Glück habe ich dafür Menschen, denen ich vertraue, und die mir dabei helfen.

Selbst kleinste Tennisvereine hoffen auf den Kerber-Tennis-Boom. Wie gehen Sie damit um?

Kerber: Gut, ich habe alles getan und hoffe, dass es so viele Jahre nach Steffi und Boris wieder einen Tennisaufstieg gibt. Ich merke, dass wieder mehr zum Schläger greifen, es bewegt sich was. Meine eigene Erwartungshaltung ist gewachsen, beim Saisonfinale in Singapur will ich den Titel, und natürlich will ich weiter die Nummer eins bleiben. Aber diesen Druck wollte ich immer, jetzt habe ich ihn.

Nach einem Turniersieg posten Sie immer ein Trophäen-Selfie. Klären Sie uns auf: Warum zwinkern Sie dabei oft mit dem rechten Auge?

Kerber: Das ist kein Tick, sondern bewusst gewählt, das hat sich als eine Art Markenzeichen entwickelt.

AmazingWeekso nice to win at home again#PTGP @PorscheTennis Special thanks to all my fan#TeamAngie#selfie @porsche

Ein von Angelique Kerber (@angie.kerber) gepostetes Foto am

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