Von Michael Stich bis Katharina Witt

Entsetzen nach Olympia-Aus: "Sargnagel für Leistungssport"

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Nach dem Olympia-Aus wurde an die Hamburger Flagge ein Trauerflor angebracht.

Hamburg - Athleten und Verbände sind sich einig: Die Olympia-Absage von Hamburg ist ein rabenschwarzer Tag für den deutschen Sport. Von „Dolchstoß“ und „Beerdigung“ ist die Rede.

Deutschlands Sportstars sind fassungslos. Die einhellige Meinung nach dem Olympia-Aus für Hamburg: Der Leistungssport wird es nach der verpassten Chance neben dem Fußball extrem schwer haben. „Hamburg meine Perle vor die Säue geworfen. Das Tor zur olympischen (Sport)welt für immer geschlossen“, twitterte die Handball-Ikone Stefan Kretzschmar.

Mit Unverständnis reagierte auch die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt: „Dies ist eine nachhaltige und tiefe Enttäuschung für all die leidenschaftlichen Kämpfer des Sports, ob Sportler, Zuschauer oder junges aufstrebendes Talent“, sagte die ehemalige Kuratoriumsvorsitzende der Münchener Bewerbung für Winterspiele 2018 der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

„Wir können schon die Beerdigung des deutschen Sports planen, das ist der Sargnagel für den Leistungssport“, meinte die dreimalige Schwimm-Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn, die die Werbetrommel für Sommerspiele gerührt hatte.

„Der deutsche Sport bräuchte die Olympischen Spiele und Paralympics als Inspiration, Motivation und Vision! Nach München die zweite verpasste Gelegenheit für Olympia in Deutschland. Das ist wirklich unfassbar!“, sagte der zweimalige Olympia-Zweite von London 2012 im Turnen, Marcel Nguyen.

Auch die olympischen Fachverbände, die von einem Olympia-Schub geträumt hatten, sind ernüchtert. „Das Referendum der Hamburger ist nicht nur eine bittere Niederlage, sie gleicht einem Dolchstoß für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fußballs“, sagte Thomas Krohne, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes.

„Wir ziehen zwar über die Sotschis und Dohas dieser Welt her, sind aber nicht in der Lage, selbst Sportereignisse dieser Dimension auszurichten. Das ist die bittere Erkenntnis“, sagte Handball-Präsident Andreas Michelmann.

Der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes, Franz Steinle, befürchtet einen Stimmungswechsel im Sport: „Leider zeigt das Abstimmungsergebnis, dass die aktuellen Diskussionen um sportliche Großereignisse die lange Zeit sehr positive Stimmung in der Bevölkerung zu Olympia gekippt haben.“

Das Thema sei in Deutschland für lange Zeit durch, bemerkte der ehemalige Wimbledonsieger Michael Stich im NDR „Sportclub“: „Ich werde es zu meinen Lebzeiten nicht mehr erleben, egal, wie alt ich werde. Aber es stellt sich die Frage, wie wir mit weiteren Sport-Großveranstaltungen umgehen. Wollen wir uns weiter um Weltmeisterschaften bewerben?“

Man habe es in der Stadt verpasst, die Emotionen des Sports in den Vordergrund zu stellen: „Es ging immer nur um das Geld und die Wirtschaftlichkeit. Das ist wichtig, aber es ist nicht die Grundlage der Olympischen Spiele“, betonte der Rothenbaum-Turnierdirektor.

Als „Riesenenttäuschung für den Sport“ bezeichnete Leichtathletik-Chef Clemens Prokop die Absage im Bayerischen Rundfunk. Dem Breitensport werde dies aber nicht schaden. „Die Sportbegeisterung in Deutschland ist groß, und der Breitensport wird davon sicher nicht tangiert.“

dpa

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