Sommerspiele 2024

Olympia: Berlin und Hamburg stellen Konzepte vor

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Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Frank Henkel bei der Präsentation eines ersten Konzepts zur Olympia-Bewerbung.

Berlin - Berlin und Hamburg haben Details ihrer geplanten Olympia-Bewerbungen vorgestellt. Beide Konzepte sind in sich stimmig, aber der Weg bis zum Zuschlag ist weit.

Weltstadt-Flair gegen Waterkant-Atmosphäre, Spiele der Bescheidenheit oder Olympia der kurzen Wege: Berlin und Hamburg haben am Montag in sich stimmige Konzepte eingereicht und offiziell ihren Hut für eine Olympia-Bewerbung 2024 oder 2028 in den Ring geworfen. Und das Rennen um die Gunst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) begann durchaus vielversprechend.

Beide Bürgermeister träumten schon mal den Traum von Sommerspielen in ihrer Stadt, beseelt von der olympischen Idee - Olaf Scholz eher nordisch zurückhaltend, Klaus Wowereit eher forsch fordernd.

„Olympische Spiele sind eine riesige Chance, und Berlin will diese Chance nutzen“, sagte Wowereit. Der scheidende Regierende Bürgermeister eröffnete direkt das Psychoduell mit Hamburg, indem er den Namen des Konkurrenten demonstrativ nicht in den Mund nahm: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man international mit Berlin viel, viel bessere Chancen hätte, die Olympischen Spiele vom IOC zu bekommen, als mit einer anderen Stadt in Deutschland.“

Die Hansestadt verkniff sich direkte Kampfansagen. „Es ist weder mit den Werten des Sports noch mit unserer hanseatischen Tradition vereinbar, irgendetwas Schlechtes über unsere geliebte Stadt Berlin zu sagen“, sagte Scholz grinsend und hob lieber die Stärken seiner Stadt hervor. „Hamburg ist bereit, sich der Herausforderung zu stellen und die großartige Aufgabe für Deutschland zu übernehmen.“

Alle Sport- und Trainingsstätten in Hamburg sollen innerhalb von 30 Fahrminuten erreicht werden. „Wir wollen Olympia mitten in die Stadt holen“, sagte Scholz: „Das ist etwas ganz Besonderes, weil es woanders eben nicht möglich ist.“

Mittelpunkt der Spiele soll ein neues Olympiastadion für 70.000 Zuschauer auf dem Kleinen Grasbrook werden. Auf der Elbinsel soll zudem das Olympische Dorf entstehen.

Ein genaues Finanzkonzept soll im Frühjahr 2015 vorgelegt werden. Laut ersten Berechnungen soll das Budget bei rund 6,5 Milliarden Euro liegen. Die Politiker versprechen keine neuen Schulden und ein nachhaltiges Konzept.

Offizielle Zahlen zu Kosten nannten beide Städte am Montag nicht. Berlin plant mit Investitionen von zwei Milliarden Euro in die Sportstätten, dies seien allerdings noch nicht alle Kosten, betonte Wowereit.

Ohnehin ist das so eine Sache mit den Kosten für Olympia. Wissenschaftler der Universität von Oxford haben 27 Spiele von 1960 bis 2012 ausgewertet und errechnet, dass die Kosten für Sommerspiele durchschnittlich 252 Prozent (!) über dem Plan lagen. Die Aktivisten von „NOlympia“ stehen in beiden Städten längst in den Startlöchern.

Bürger sollen letztes Wort haben

In Berlin und Hamburg sollen wie schon bei der im Votum gescheiterten Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2022 die von Großprojekten (Flughafen BER/Elbphilharmonie) ohnehin genervten Bürger das letzte Wort haben. „Die Zeiten sind vorbei, dass jemand sagt, wir machen jetzt Olympische Spiele“, sagte Wowereit. Der Pluspunkt der Berliner Bewerbung sei seiner Meinung nach die Vielzahl der bereits bestehenden Sportanlagen. Von den 30 geplanten Austragungsstätten sind bereits 15 vorhanden, neun würden temporär errichtet, nur sechs müssten neu gebaut werden.

Wowereit wagte auch forsche Töne in Richtung der IOC-Mitglieder, die den Olympia-Gastgeber letztlich wählen: „Wir wollen den Athleten in den Mittelpunkt stellen und nicht Funktionäre oder andere Randerscheinungen.“ Berlin arbeitet mit dem Olympiamotto „Die ganze Welt in unserer Stadt“, Hamburg verzichtet fürs Erste auf Schlagworte.

So oder so - der DOSB war am Montag von beiden Bewerbern beeindruckt, mahnte aber zur Geduld. Es gelte aber „wie so oft im Leben: Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Das Unternehmen Olympiabewerbung ist ein Marathonlauf und kein 100-m-Sprint“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Er lobte beide Präsentationen als „sehr sorgfältig“. Sowohl Berlin als auch Hamburg erklärten sich bereit, bei einer Abfuhr für eine mögliche Bewerbung 2024 es vier Jahre später noch einmal zu versuchen. Das macht eine schnelle DOSB-Bewerbung wahrscheinlicher. Kostenpunkt jeder einzelnen Bewerbung: etwa 50 Millionen Euro.

Im November 2015 müssen die Kandidaten für Olympia 2024 offiziell beim IOC gemeldet werden. Zuvor allerdings müssen die Bürger in beiden Städten bei einem Entscheid positiv für eine Bewerbung votieren. Eine Bewerbung sei „nur tragfähig, wenn sie von den Menschen der Stadt gewollt ist“, sagte Vesper.

Am 11. September und am 28. Oktober diskutiert das DOSB-Präsidium die Situation. Entscheidet sich der deutsche Sport grundsätzlich für eine Bewerbung, könnte die Auswahl eines deutschen Bewerbers bereits am 6. Dezember in Dresden bei der DOSB-Mitgliederversammlung des DOSB fallen.

SID

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