Biathlon: Björndalen lobt Schempp - Kandidat für Kugel

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Ole Einar Björndalen gewann den Weltcup in Östersund vor Simon Schempp. Foto: Christine Olsson

Nicht Fourcade, nicht Svendsen - Björndalen hieß der erste Einzelsieger des Weltcup-Winters im Biathlon. Selbst mit fast 42 Jahren hat er nicht genug. Lobende Worte hat der Altmeister für den zweitplatzierten Simon Schempp.

Östersund (dpa) - Nach seinem 94. Weltcupsieg setzte Superstar Ole Einar Björndalen zur Lobeshymne auf seinen unterlegenen Rivalen Simon Schempp an. Der Rekordweltmeister traut dem 27-Jährigen in diesem Winter den großen Coup zu, sieht ihn gar als Favoriten für den Gewinn der großen Kristallkugel.

"Ich glaube, er wird den Gesamtweltcup wahrscheinlich gewinnen", prophezeite Björndalen. Obwohl er den Deutschen im ersten Einzelrennen des Winters auf Distanz gehalten hatte, sieht Björndalen die Vorteile bei Schempp: "Jetzt hat er herausgefunden, wie er sich top vorbereitet. Er wird der stärkste Athlet in diesem Jahr - ganz sicher."

Schempp bekam die schmeichelnden Worte des 41 Jahre alten Königs des Biathlons nicht mehr mit. Der Zweitplatzierte des Klassikers über die 20 Kilometer in Östersund hatte das Pressekonferenz-Podium der besten Drei kurz zuvor verlassen. Schon die Anerkennung seiner Teamkollegen, die ihn als "das Maß der Dinge" (Arnd Peiffer) bezeichneten, schien Schempp ein wenig verlegen zu machen.

Dabei sind seine Ansprüche an sich selbst gestiegen. Als einen ernsthaften Konkurrenten für den französischen Dominator Martin Fourcade stuft er sich aber noch nicht ein. "Ich glaube, das kann man erst im Januar abschätzen", beschwichtigte der Uhinger. 

Björndalen ist für ihn ein Vorbild. Der Oldie hat ihn erst auf den Weg zu seinen Erfolgen gebracht. "Er war ein Grund, warum ich mit dem Biathlon angefangen habe", verriet der fünffache Weltcupsieger. "Als ich Biathlon im Fernsehen geschaut habe und 10, 12, 13, 14 Jahre alt war, hat er am laufenden Band gewonnen."

Als "verrückt" empfand es Schempp, dass Björndalen fast 20 Jahre nach seinem ersten Weltcuperfolg am Mittwochabend wieder der gefeierte Held war. Erstmals seit Februar 2014, als er Olympia-Gold im Sprint holte, gewann der Norweger wieder ein großes Einzel-Rennen. "Er ist nicht umsonst der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten", schwärmte Schempp. "Keiner ist so perfekt wie er."

Acht Wochen vor seinem 42. Geburtstag ist der Altmeister erfolgshungrig wie eh und je. Die Heim-WM im März in Oslo hat er sich zum Ziel gesteckt. Dann will er in Topform sein. Es soll seine Abschiedsgala werden. 19 WM-Titel hat der Ausnahmesportler schon geholt. Er hat sich mit acht Olympiasiegen zum erfolgreichsten Winter-Olympioniken gekrönt und seinen Landsmann und Langläufer Björn Daehlie übertroffen. Trotzdem lebt er noch für den Erfolg.

Björndalen ordnet dem Sport alles unter. Nichts überlässt er dem Zufall. Auch deswegen leistet er sich ein kostspieliges Motorhome, das ihm als Zuhause und als Fitnessstudio dient. "Ohne das wäre ich heute ganz sicher nicht auf dem ersten Platz", behauptete Björndalen. "Ich war acht Wochen krank im Sommer. Seit ich angefangen habe zu trainieren, war ich nur im Wohnmobil, habe trainiert, geschlafen und gegessen. Ich habe nichts anderes gemacht."

Motivationsprobleme? Kennt er nicht. Wie 41 fühle er sich nicht. "Ich habe ein gutes Alter", sagte er. Er könne sich noch immer entwickeln. "So soll es sein." Schempp weiß auf die Frage, ob er mit über 40 noch in der Loipe um Weltcup-Punkte kämpfen wird, noch keine Antwort. "Fragen Sie mich in zehn oder 15 Jahren noch mal", sagte er lachend.

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