Urteil gegen Blatter und Platini - FIFA-Boss erwartet Milde

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Joseph Blatter ist weiterhin von der FIFA suspendiert. Foto: Ennio Leanza

Die FIFA-Ethikhüter verkünden am Montag ihr Urteil gegen Weltverbandschef Blatter und UEFA-Boss Platini. Der FIFA-Präsident hat in letzter Minute noch Überraschendes aus der entscheidenden Anhörung zu berichten.

Zürich (dpa) - Für Joseph Blatter und Michel Platini ist der Tag des Urteils gekommen, zumindest der suspendierte FIFA-Chef rechnet fest mit der Milde der Ethikhüter.

Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert habe ihm bei der letzten Anhörung gesagt, "den Vorwurf der Korruption nehmen wir weg", verriet Blatter dem Schweizer "SonntagsBlick". Sollte dies stimmen, könnte der derzeit für 90 Tage gesperrte Präsident des Weltverbands zumindest um eine lebenslange Verbannung aus dem Fußball herumkommen.

Das Urteil in dem Fall um eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken an den inzwischen ebenfalls suspendierten UEFA-Chef Platini aus dem Jahr 2011 wird für Montagvormittag erwartet. Nach Darstellung der beiden Spitzenfunktionäre handelt es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002. Die ermittelnde Kammer der Ethikkommission sieht dies anders und hat lebenslange Sperren für beide gefordert.

Gegen Blatter hat auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" eingeleitet. Durch die Geschehnisse der vergangenen Monate sieht der 79-Jährige sich und seine Familie gemobbt und verletzt. "Das sind begleitende Schäden innerhalb und außerhalb der FIFA durch meine Sperre", sagte Blatter. Die Familie leide. "Und die FIFA ist heute führungslos, sie braucht dringend wieder eine Führung", erklärte der langjährige FIFA-Boss.

Gesundheitlich ist der einst mächtigste Mann der Fußball-Welt derzeit offenbar schwer angeschlagen. Vor wenigen Wochen hatte er einen Zusammenbruch erlitten. "Es war fünf vor zwölf", sagte er. "Mein Immunsystem brach zusammen, ich hatte einen totalen Kollaps, zum Glück haben Kopf und Herz immer funktioniert, mein Hirn hat sich gegen den Tod gewehrt. Engel und den Teufel sah ich aber nie."

Für den FIFA-Präsidenten käme angesichts seiner Konstitution und seines Alters wohl auch eine mehrjährige Sperre einem endgültigen Zwangsabschied von der Fußball-Bühne gleich. Eigentlich wollte Blatter am 26. Februar den außerordentlichen FIFA-Kongress mit der Wahl seines Nachfolgers noch als Zeremonienmeister leiten. "Wie kann ich abtreten, wenn ich suspendiert bin? Das geht nicht", hatte Blatter der "Weltwoche" gesagt.

Für seinen einstigen Zögling Platini würde eine Sperre den Karriereplan vom Aufstieg auf Blatters Thron platzen lassen. Der Franzose hatte sich um das FIFA-Spitzenamt beworben, würde aber bei einer Verurteilung den notwendigen Integritätscheck nicht bestehen. Seine Anwälte hatten bei der entscheidenden Anhörung am Freitag einen Freispruch gefordert. Platini selbst war nicht zur letzten Vernehmung erschienen, weil er sich von den Ethikhütern vorverurteilt fühlt.

Wie Blatter hat daher auch der Chef der Europäischen Fußball-Union angekündigt, gegen eine weitere Sperre vorgehen zu wollen. Möglich wären ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und das Schweizer Bundesgericht. Die Causa "Blattini" ist wohl auch am Montag noch nicht abgeschlossen.

Bericht im SonntagsBlick

Bericht der "Weltwoche"

Mitteilungen der Ethikkommission

Mitglieder der Ethikkommission

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