Wimbledonsieger fordert Umdenken

Becker: "Kleinstaaterei" im deutschen Tennis

Boris Becker Kritik Deutschland Tennis Entwicklung
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Boris Becker kritisiert die Entwicklung des deutschen Tennis.

Köln - Boris Becker holt zum Rundumschlag aus und übt heftige Kritik an der Entwicklung des deutschen Tennis.

Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker hat die „Kleinstaaterei“ im deutschen Tennis kritisiert und die Funktionäre zum Umdenken aufgefordert. „Ich bin zwar nicht mehr über jedes Detail informiert, aber was ich so höre, unterscheidet sich leider wenig von Vorgängen in der Vergangenheit“, sagte Becker dem Kölner Stadt-Anzeiger: „Man beschäftigt sich mit sich selbst - und nicht mit dem Sport.“

Genau das könne sich aber das deutsche Tennis „heute noch viel weniger leisten als jemals zuvor“, sagte der 47-Jährige. Man müsse doch nur mal einen Blick auf die Ranglisten werfen: „Wie viele Deutsche stehen unter den Top 50, wie viele spielen in der zweiten Woche eines Grand Slams? Und vor allem: Wo sind die jungen deutschen Spieler, die eine Perspektive haben?“ Selbst der letztjährige Hamburg-Halbfinalist Sascha Zverev sei lediglich „ein sehr talentierter 17-Jähriger, aber es gibt sehr viele talentierte 17-Jährige. Er braucht noch Zeit.“

Gefordert sei in dieser Situation, so Becker, „eine große gemeinsame Initiative, um das deutsche Herrentennis wieder auf die Erfolgsschiene zu bringen, um in zehn, 15 Jahren wieder ein paar echte Spitzenleute zu haben. Was keiner braucht, sind diese Streitigkeiten von Funktionären. Das möchte das Publikum nicht.“

Den Job des Davis-Cup-Teamchefs im Deutschen Tennis Bund (DTB) als Nachfolger des kürzlich entlassenen Carsten Arriens zu übernehmen, habe er „keine einzige Sekunde ernsthaft erwogen“, sagte Becker. Er schließe aber nicht aus, irgendwann noch einmal für Deutschland als Teamchef auf der Bank zu sitzen: „Nur ist es nicht heute, morgen oder übermorgen ein Thema.“ Wer sich ein bisschen in der Materie auskenne, wisse, „dass man nicht Trainer der Nummer 1 der Welt und gleichzeitig Davis-Cup-Teamchef sein kann. Ich bin bestens ausgelastet mit dem, was ich tue.“

Die Rückkehr von Philipp Kohlschreiber in die deutsche Mannschaft ist für Becker das absolut richtige Zeichen. „Ohne Kohlschreiber hat man keine Erfolgsperspektive, das muss man ganz pragmatisch sehen“, sagte der zweimalige Davis-Cup-Sieger: „Er ist der mit Abstand beste Spieler, den wir haben.“ Als Teamchef müsse man deshalb immer sehen, „dass du einen Zugang zu dem besten Mann hast, du musst ihm auch Brücken bauen können“.

Diese Fähigkeit habe beispielsweise der als Berater ins deutsche Team zurückgekehrte Niki Pilic, der es immer geschafft habe, „als Kapitän mit den besten Spielern klarzukommen. Was nicht leicht war“, sagte Becker: „Ich freue mich, dass Niki die Zeit und die Muße hat, um Deutschland zu helfen. Es gibt keinen Trainer auf der Welt, der mehr Erfolge im Davis Cup vorzuweisen hat - und der mehr Erfahrung mitbringt.“

Dass sein Schützling Novak Djokovic am Wochenende für sein Heimatland Serbien im Davis Cup in Kraljevo gegen Kroatien antritt, sieht „der Trainer Becker nicht gern, das sage ich ganz offen. Aber Serbien will in diesem Jahr unbedingt nochmal gewinnen mit dieser Mannschaft.“

SID

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