Unspektakulärer Boxkampf

Sieg nach Punkten: Klitschko bezwingt Jennings

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Wladimir Klitschko trifft Bryant Jennings mit der Faust im Gesicht.

New York - Wladimir Klitschko besiegt in New York wie erwartet Herausforderer Jennings - nach Punkten. Dafür tat Klitschko tat nur das Nötigste. Die Zuschauer sahen einen unspektakulären Kampf.

Seine Freundin Hayden Panettiere zeigte in der ersten Reihe lächelnd das Victory-Zeichen, doch Wladimir Klitschko war nicht nach Jubeln zumute. Auch die „Klitschko“-Rufe der vielen ukrainischen Fans im New Yorker Madison Square Garden konnten ihn nicht aufmuntern. Nach dem glanzlosen Punktsieg im WM-Kampf gegen Bryant Jennings (USA) fühlte sich „Dr. Steelhammer“ wie der Verlierer. Gegen den sieben Zentimeter kleineren und knapp sieben Kilogramm leichteren Herausforderer dominierte Klitschko zwar, vor allem die amerikanischen Zuschauer konnte er aber nicht begeistern.

Wladimir Klitschko kann seinen Titel verteidigen und lässt sich nach dem Sieg nach Punkten feiern.

„Jennings hat mir viele Probleme bereitet. Er ist ein harter Hund. Er hat schnelle Hände und ist ein guter Athlet“, sagte Klitschko nach dem Arbeitssieg (116:111, 116:111, 118:109): „Es tut mir leid. Manchmal läuft es nicht so, wie man es sich wünscht.“ Von der Forderung der amerikanischen Öffentlichkeit nach offensiverem und aggressiverem Boxen hatte sich Klitschko nicht beeindrucken lassen. Der Champion blieb beim seinem kontrollierten Stil und verließ sich auf seinen linken Jab. Klitschko tat nur das Nötigste. Erst in der zwölften Runde gelang ihm ein Wirkungstreffer.

Der Titelverteidiger merkte selbst, dass er das Publikum bei seiner Rückkehr nach sieben Jahren nicht überzeugen konnte. In den Augen der meisten US-Fans reicht er nicht an die Klasse eines Floyd Mayweather oder Manny Pacquiao heran.

Jennings hingegen war nach dem Kampf noch voller Energie. „Diese Niederlage nagt nicht an meinem Selbstvertrauen“, sagte der 30-Jährige. Der ehemalige Hausmeister, der erst 2004 mit dem Boxen begann, sah sich sogar als Sieger. „Das Urteil war nicht korrekt. Ich fordere ein Re-Match“, tönte der Spätstarter nach der ersten Niederlage im 20. Profikampf.

Für einen Rückkampf sah Klitschko jedoch keine Veranlassung. „Jennings war stark und hatte diesen Kampf auch verdient. Aber es war ja jetzt nicht so ein Drama, dass wir es noch einmal machen müssten“, sagte der alte und neue Champion nach seinem 64. Sieg im 67. Profikampf (55 Knockouts).

Klitschkos um vier Jahre älterer Bruder Witali war zufrieden. „Es war gut. Leider war es kein K.o., aber Jennings war schwer zu schlagen“, sagte der Bürgermeister von Kiew. Deontay Wilder, Nachfolger von Witali als Träger des WBC-Gürtels, freut sich nun auf die Begegnung mit dem Dreifach-Champion der WBA, WBO und IBF. „Ich hoffe, es kommt im nächsten Jahr zum Vereinigungskampf“, sagte der „Bronze Boxer“.

Jennings war im Ring enorm beweglich, wich den Angriffen dank guter Beinarbeit clever aus. „Ich konnte keine richtige Distanz aufbauen, um die Rechte einzusetzen“, sagte Klitschko. Immer wieder stürmte der Herausforderer überfallartig nach vorne und kam mit seinen Schwingern durch. Am Ende jedoch war der Spätberufene aus Philadelphia mit 376 Treffern deutlich weniger effizient als Klitschko (545).

Für Klitschko zählte nur das nackte Ergebnis. „Es war schwer, aber die Erfolgsstory Klitschko wird weitergeschrieben“, sagte der Dauer-Champion. Seit elf Jahren ist er nun ungeschlagen, seit neun Jahren und 18 Titelverteidigungen Weltmeister. Mit dem 27. WM-Kampf knackte er sogar den Dauer-Weltrekord von Joe Louis. Das hört der Olympiasieger von 1996 aber nicht gerne. „Mit diesem Boxer kann man mich nicht vergleichen. Das war eine Legende.“

Klare Vorstellungen hat der Triple-Champ von seinem weiteren Weg. Im September wird wieder geboxt, dann wohl gegen den ungeschlagenen Briten-Riesen Tyson Fury (2,06 m). „Ich kenne das Ranking nicht genau, aber er ist glaube ich mein nächster Pflichtherausforderer“, sagte der Weltmeister. Geboxt werden soll in Furys Heimat England oder in Deutschland. Klitschko kann mit beidem leben. Bloß nicht wieder New York.

dpa/SID

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