Straßenrad-WM in Ponferrada

Zeitfahren der Frauen: Brennauer gewinnt Gold

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Lisa Brennauer auf dem Treppchen: Wie hier bei der Straßenrad-DM im Juni in Baunatal (Hessen) kann sich die 26-Jährige nun auch bei der WM über eine Medaille freuen.

Ponferrada - Lisa Brennauer aus Kempten hat am Dienstag im Einzelzeitfahren der Frauen bei der Straßenrad-WM Gold gewonnen. Ein überragendes Finale sicherte der 26-Jährigen den Erfolg.

Lisa Brennauer wippte auf dem „heißen Stuhl“ im Zielbereich hin und her, dann sprang sie auf und verdrückte ein paar Freudentränen. Kurz vor dem einsetzenden Platzregen war die Überraschung perfekt: Die 26-jährige Allgäuerin gewann bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Ponferrada den WM-Titel im Einzelzeitfahren und machte einen Tag vor der erhofften Tony-Martin-Show den goldenen Dienstag für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) perfekt. Nur wenige Stunden zuvor hatte schon der Cottbuser Lennard Kämna den WM-Titel bei den Junioren mit einer überlegenen Vorstellung geholt.

„Ich bin überglücklich und kann es nicht glauben. Ich werde einige Zeit brauchen, um das zu realisieren. Ich hatte richtig, richtig Glück, dass ich noch im Trockenen ins Ziel gekommen bin. Die letzte Abfahrt hätte ich nicht bei Regen fahren wollen“, sagte Brennauer, die nach ihrer Bestzeit noch gut fünf Minuten auf dem Stuhl der Führenden bangen musste, bis ihr Sieg offiziell war. BDR-Vizepräsident Udo Sprenger ergänzte: „Das ist ein großer Tag für den deutschen Radsport. Wir sind sehr stolz.“

Mit Doppel-Gold hätten nicht einmal die kühnsten Optimisten im deutschen Lager gerechnet. Brennauer, im Vorjahr noch Elfte im WM-Zeitfahren, hatte im Optimalfall auf einen Platz auf dem Podium gehofft. Nach einem äußerst spannenden Wettbewerb mit ständig wechselnden Führungen war es dann sogar Gold. Entsprechend gelöst sang die deutsche Meisterin die Nationalhymne. Bereits am Sonntag hatte sie im Teamzeitfahren den Titel mit der amerikanischen Mannschaft Specialized-Lululemon gewonnen.

Die 26-Jährige fuhr in 38:48,16 Minuten über 29,5 Kilometer die schnellste Zeit und feierte damit den größten Erfolg ihrer Karriere. Letztmals hatte Judith Arndt eine deutsche Goldmedaille 2012 im Zeitfahren der Frauen gewonnen. Den zweiten Platz belegte die Ukrainerin Anna Solowej, die bereits eine Dopingsperre abgesessen hat, mit einem Rückstand von 18,68 Sekunden. Dahinter folgte die Amerikanerin Evelyn Stevens (21,25), eine frühere Brokerin an der Wall Street, auf dem dritten Platz.

Das Timing von Brennauer passte dabei optimal: Kurz nachdem sie den Zielstrich überquert hatte, setzte der große Regen ein. Bis dahin hatte sie sich einen Schlagabtausch mit ihren Rivalinnen geliefert. Nach der ersten Zwischenzeit war sie noch Fünfte, bei der zweiten Zeitmessung dann schon Zweite. „Ich hatte im Training schon gesehen, dass man sich das Rennen gut einteilen muss“, sagte Brennauer. Das gute deutsche Ergebnis rundete die Bielefelderin Mieke Kröger als Vierte (39:26) ab. Trixi Worrack (Dissen) belegte den zehnten Platz.

Zuvor hatte Kämna für den ersten deutschen WM-Sieg bei den Junioren seit Marcel Kittel vor acht Jahren gesorgt. Der 18 Jahre alte Schüler fuhr über 29,5 Kilometer in 36:13,49 Minuten die mit Abstand beste Zeit. Europameister Kämna war am Dienstag 44,66 Sekunden schneller als der zweitplatzierte Amerikaner Adrien Costa. Platz drei ging an den Australier Michael Storer mit einem Rückstand von 58,11 Sekunden.

„Ich hätte nie davon zu träumen gewagt, so ein Ergebnis herauszufahren. Ich kann das noch gar nicht realisieren“, sagte Kämna und freute sich über die Vergleiche zu Weltmeister Tony Martin: „Er ist ein großes Vorbild von mir. Ich hoffe, dass ich in einigen Jahren genauso gut sein kann.“ Kämna, der seine Stärken auch am Berg hat, hofft auf eine ähnliche Profikarriere. Von den weiteren deutschen Fahrern fuhren Sven Reutter (Rottenburg/37:47) und Jan Tschernoster (Bergkamen/38:01) auf die Plätze sieben und elf.

Am Mittwoch startet Tony Martin seinen Angriff auf den historischen vierten WM-Titel. „Nur der Sieg zählt. Warum soll ich mich mit dem zweiten oder dritten Platz zufriedengeben. Nach drei Goldmedaillen soll die vierte her. Alles andere wäre eine Enttäuschung“, formulierte der Titelverteidiger sein klares Ziel. Brennauer schickte nach ihrem Titel schon einmal einen Gruß an den haushohen Favoriten: „Tony, streng dich an!“

dpa

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