Nach WM-Wildcard: Verband erwägt Protest

Daniel Stephan kritisiert "Lex Deutschland"

Daniel Stephan
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Daniel Stephan.

Hamburg - Die nachträgliche WM-Wildcard für die deutschen Handballer sorgt für kontroverse Diskussionen. Auf die Suche nach einem neuen Bundestrainer hat sie aber keinen Einfluss.

In die Freude über das „Geschenk des Himmels“ mischte sich am Tag nach der völlig überraschenden WM-Wildcard für die deutschen Handballer auch massive Kritik. Der frühere Welthandballer Daniel Stephan wirft dem Weltverband IHF mit Blick auf das nachträgliche WM-Ticket eine „Lex Deutschland“ vor, der ozeanische Handball-Verband OCHF erwägt sogar einen Protest.

„Natürlich ist es immens wichtig, dass wir doch bei der WM in Katar dabei sind. Aber es ist doch auch allen klar, dass das eine Lex Deutschland ist. Die IHF braucht Deutschland und hat nun einen äußerst fragwürdigen Weg gefunden“, sagte Stephan dem SID. Trotz sportlich verpasster Qualifikation in den Play-off-Spielen im Juni gegen Polen (24:25 und 28:29) hatte das deutsche Team am Dienstag von der IHF noch den WM-Startplatz von Ozeanien erhalten.

Leidtragender der umstrittenen Entscheidung ist Australien. Nach zuletzt sechs WM-Teilnahmen in Folge wurde den Aussies die Startberechtigung nun wieder entzogen. Noch am Mittwoch hatte der australische Handball-Verband HA auf seiner Internetseite für das Turnier vom 15. Januar bis 1. Februar 2015 in dem arabischen Emirat geworben.

„Die Mitglieder des OCHF-Exekutivkomitees beratschlagen zurzeit, welcher Schritt nun der beste ist“, sagte OCHF-Generalsekretär Eric Mouhica der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe). Sogar der Weg vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne wird diskutiert.

„Ehrlich gesagt, so richtig freuen kann ich mich nicht. Auch wenn ich weiß, dass es für unsere Marke Handball von großer Bedeutung ist, bei der WM in Katar dabei zu sein“, sagte Stephan. Zuletzt hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bereits die Olympischen Spiele 2012 und die Europameisterschaft 2014 verpasst und damit als vermeintliches Zugpferd sowohl beim Veranstalter als auch beim Ausrichter für erhebliche finanzielle Einbußen gesorgt.

Die IHF hatte ihr Vorgehen damit begründet, dass es gegenwärtig keinen vom Weltverband anerkannten Kontinentalverband Ozeanien gebe. Deshalb entschied die IHF, den für den Kontinent reservierten Platz nach den Prinzipien einer Wildcard an einen anderen Nationalverband zu vergeben. Dieser geht an die beste, nicht qualifizierte Nation der vorangegangenen WM. Deutschland belegte bei dem Turnier 2013 unter dem damaligen Bundestrainer Martin Heuberger den fünften Platz.

Pure Freude herrschte am Mittwoch dagegen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Ich freue mich sehr“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bei Sky Sport News HD: „Das ist eine gute Nachricht in mehrfacher Hinsicht.“ Zum einen habe es die Mannschaft verdient. Zum anderen „erhöht dies die Chance auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Und die ist essenziell wichtig“.

Und auch beim Deutschen Handballbund (DHB) war die Erleichterung am Mittwoch noch greifbar. Das Turnier in Katar soll der Entwicklung der Spieler mit Blick auf die Heim-WM 2019 dienen. „Ich bin überzeugt, dass wir diese Chance beim Schopfe packen werden“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem SID: „Ich erinnere mich, dass Dänemark einmal bei einer Fußball-EM auch nachrücken durfte und dann sogar den Titel gewann.“

Auf die Suche nach einem neuen Bundestrainer habe die überraschende WM-Teilnahme allerdings keinerlei Einfluss. Bis Ende Juli soll eine Reihenfolge an möglichen Heuberger-Nachfolgern erstellt werden. Erst danach folgen Gespräche. „Es bleibt dabei, dass es September, vielleicht Ende August werden kann mit der Verpflichtung eines neuen Bundestrainers“, sagte Hanning. Einen erhöhten Zeitdruck gebe es nicht.

SID

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