Degenkolb-Chef: "Großer Tag für deutschen Radsport"

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Sanremo-Sieger John Degenkolb ließ auf dem Podium die Korken knallen. Foto: Luca Zennaro

Der coole John Degenkolb gewann als vierter deutscher Radprofi den Klassiker Mailand-Sanremo. Sein Teamchef wurde danach fast staatsmännisch: "Das ist ein großer Tag für den deutschen Radsport", sagte der Niederländer Spekenbrink.

Sanremo (dpa) - Hinter dem alten Bahnhof von Sanremo verdrückten gestandene Männer wie Tom Dumoulin und Roy Curvers Freudentränen. Der Held des Tages, John Degenkolb, fehlte in diesem Moment.

Er hatte fern vom Giant-Alpecin-Teambus auf der Siegertribüne selbst feuchte Augen, als die Nationalhymne für ihn erklang. "Das ist ein großer Tag für John Degenkolb und ein großer Tag für den deutschen Radsport", sagte mit fast schon staatsmännischer Würde Iwan Spekenbrink, Chef des neuen deutschen Rennstalls, nachdem Degenkolb als vierter einheimischer Radprofi nach Rudi Altig, Erik Zabel und Gerald Ciolek die "Classicissima" Mailand-Sanremo gewonnen hatte.

Der Niederländer Spekenbrink unterschlug dabei höflich, dass die, die an Degenkolb geglaubt und über mehrere Jahre die richtigen Mittel gefunden hatten, ihn zu einem Klassikerspezialisten zu machen, wie er selbst aus dem Nachbarland kommen. Aber solche Differenzierungen spielten nach diesem tollen Ritt über fast sieben Stunden bei Regenschauern und mit zuletzt etwas Sonne keine Rolle.

John Degenkolb, geboren in Gera, aufgewachsen in Oberbayern, jetzt wohnhaft in Frankfurt und bei einem Rennstall unter Vertrag, der zu Jahresbeginn eine deutsche Lizenz gelöst hatte, gewann auf überzeugende Weise. Er ließ Titelverteidiger Alexander Kristoff keine Chance und gestattete auch dem Rest des Feldes um Top-Favorit Peter Sagan und Fabian Cancellara, Sieger 2008 und zuletzt viermal auf dem Sanremo-Podium, nur Statistenrollen.

Am Sonntag kurz vor 17.00 Uhr war Degenkolb Mr. Cool. Das war der Schlüssel zum Erfolg im längsten Frühjahrs-Klassiker. "Bei diesem Rennen kommt es darauf an, sowenig Energie wie möglich zu vergeuden", lobte Spekenbrink sein Team und seinen Kapitän. Degenkolb ließ sich im Finale nicht durch Stürze der Konkurrenz aus der Ruhe bringen und bewies auch im Schlusssprint Übersicht.

"Ich habe mich auf meine Intuition verlassen. Was auf den letzten 2000 Metern passiert ist, daran erinnere ich mich kaum. Ich werde mir das Rennen wohl noch mal im Fernsehen angucken - und vielleicht begreife ich dann, was mir geglückt ist", meinte Degenkolb. Der Sieg bei einem Monument des Radsports. "Das gelingt nur ganz wenigen Fahrern. Und auch manchen Weltklasseteams gelingt das nie", fasste Spekenbrink die Besonderheit des Moments in Worte.

"Er hätte schon im letzten Jahr hier gewinnen können, wenn er da nicht den Defekt gehabt hätte", meinte Rolf Aldag von der Konkurrenz. Der Entwicklungsdirektor von Etixx Quick Step freute sich ebenfalls über den Erfolg von Degenkolb: "Ich kenne ihn, seit er Profi ist. Ich freue mich vor allem für ihn."

Degenkolb will nicht abheben. "Ich weiß, es wird sich durch diesen Sieg einiges ändern. Aber ich bin bodenständig genug, das zu verkraften", meinte der 26-Jährige. Man glaubt es ihm. Im Team hoffen sie, dass ihm dieser Sieg in Sanremo den nötigen Schub für die belgischen Klassiker gibt. "Bislang fehlte ihm der letzte Schritt, um dort im Finale präsent zu sein. Vielleicht gelingt ihm dies jetzt", blickte sein Sportlicher Leiter Marc Reef auf die kommenden Wochen. Im Juli will er seinen nächsten Wunschtraum realisieren: Endlich die erste Etappe bei der Tour de France gewinnen.

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