Diese Deutsche (17) will Sumo-Weltmeisterin werden

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Jasmin Thienemann in Aktion.

Ahrensbök - Deutsche Meisterin ist sie bereits. Ende August nimmt Jasmin Thienemann aus Schleswig-Holstein an der Sumo-Weltmeisterschaft in Japan teil. Und hat dabei ein großes Ziel im Visier.

Wer an Sumo-Ringen denkt, hat wahrscheinlich übergewichtige japanische Kampf-Kolosse mit etwas weißem Stoff um die Hüften vor Augen. Mit ihren 55 Kilogramm, der schmalen, durchtrainierten Figur und dem zarten Gesicht passt Jasmin Thienemann so gar nicht in dieses Klischee. Und doch ist die 17-Jährige aus dem schleswig-holsteinischen Ahrensbök genau das - eine Sumotori. Und das sehr erfolgreich. „In Vorstellungsrunden fällt man mit diesem Sport schon ziemlich auf“, sagt Thienemann.

Jasmin Thienemann.

Ende August reist die Schülerin in das Ursprungsland der Sportart. Im japanischen Osaka will sie Weltmeisterin in ihrer Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm werden. „Ich habe bei der WM eine realistische Chance auf das Siegertreppchen“, sagt Thienemann. Eine Medaille sei ihr Ziel. „Dafür trainiere ich seit Monaten hart.“ Vize-Europameisterin war sie bereits. Im vergangenen Jahr stand sie bei den kontinentalen Meisterschaften erneut auf dem Treppchen. Hinzu kommen mittlerweile drei deutsche Meistertitel.

Über Judo kam Thienemann zum Sumo-Ringen und fand Gefallen am hohen Tempo. Eins, zwei, drei und schon vorbei - Kämpfe dauern meist nur wenige Sekunden. Dann hat Jasmin ihre Gegnerin entweder aus dem Ring getragen, einfach weggeschoben oder schlicht aufs Kreuz gelegt. Sumo-Ringer taktieren nicht lange. „Ein Kampf dauert in der Regel höchstens zehn Sekunden“, sagt sie. „Wenn man anfängt über Techniken nachzudenken, hat man den Wettkampf schnell verloren. Das meiste geschieht automatisiert.“

Etwa 200 Sumo-Ringer gibt es nach Verbandsangaben derzeit etwa in Deutschland, Tendenz leicht steigend. „Der Frauenanteil liegt bei 40 Prozent“, sagt Heinz Jenkel. Der 64 Jahre alte Vizepräsident des deutschen Sumo-Verbands ist zugleich Jasmins Trainer in Sarkwitz, einem von zwei Stützpunkten des Verbands. Seine Ausbildung hat er in Japan absolviert.

Im Training verlangt Jenkel seinem Schützling einiges ab. Bereits die Aufwärmübungen sind schweißtreibend. Dort schultert die 17-Jährige eine Trainingspartnerin und geht mehrfach in die Knie. „Tiefer, tiefer“, ruft Jenkel und zeigt sich unnachgiebig. Wer nicht hart trainiere, habe in großen Wettkämpfen keine Chance. „Es tut weh, aber es muss sein.“

Beim Sumo kommt es auf die richtige Mischung aus Kraft und Technik an. „Es kann jemand auch viel stärker sein als ich. Wenn ich die richtige Technik einsetze, werfe ich sie trotzdem um“, sagt Thienemann. Andersrum gelte dies genauso. Am Ende entschieden Kraft, Technik, Kondition und Konzentration über den Ausgang des Kampfes.

„Von den Jungs wird das trotz der Meisterschaften, an denen ich teilgenommen haben, aber nicht so ganz erst genommen“, sagt die Schülerin. Spätestens beim Armdrücken ändert sich das jedoch. „Die Jungs haben schon Respekt.“ Ihre Eltern unterstützen sie nach Kräften, finanzieren auch einen Teil der Japanreise, denn der Verband übernimmt nur die Hälfte der Kosten. „Jasmin ist impulsiv und zielstrebig“, sagt Mutter Karin.

In Japan hat es Thienemann mit zehn bis 15 Gegnerinnen zu tun. „Mein Trainer sagt, wir fahren dahin, um zu gewinnen, und nicht nur um dabei zu sein“, sagt sie. Auch Jenkel ist optimistisch: „Sie hat dort Chancen, eine Medaille zu holen.“

dpa

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