Zweites WM-Spiel der Deutschen

Handballer nach Glanzsieg bereit für Russland

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Steffen Weinhold (r.) zeigte gegen Polen eine starke Vorstellung.

Doha - Der WM-Auftaktsieg gegen Polen hat den deutschen Handballern gut getan. Mit neun Toren war Steffen Weinhold einer der Erfolgsgaranten. Auch gegen Russland will er seine Athletik ausspielen.

Steffen Weinhold schlenderte mit den Händen in den Taschen seiner Trainingshose den Wandelgang über dem Hotel-Foyer entlang. Am Tag zwischen seinem Glanzauftritt beim 29:26-Sieg im ersten Spiel der Handball-WM in Katar gegen Polen und der zweiten Vorrundenpartie an diesem Sonntag (17.00 Uhr MEZ/Sky) gegen Russland schien bei dem Rückraumspieler alle Anspannung verflogen zu sein. „Wir sind jetzt im Turnier drin. Vorher waren wir doch etwas nervös“, sagte der Spieler vom THW Kiel am Samstag.

Mit seinen neun Treffern hatte der athletische Linkshänder wesentlichen Anteil an dem letztlich souveränen Erfolg, dem nur beim 20:20 (42.) und dem 25:25 sechs Minuten vor Schluss Gefahr gedroht hatte. „Da haben wir Charakter gezeigt“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson und verteilte ein Extralob an Weinhold: „Mich hat am meisten gefreut, dass die Mannschaft in den schwierigen Phasen, wo wirklich Gegenwind war, zusammengehalten und sich durchgekämpft hat. Das fand ich stark. Und da ist Steffen vorneweg marschiert.“

Die Anerkennung des Trainers und die Auszeichnung als „Mann des Spiels“ ließen Weinhold zwar nicht kalt, aber überbewerten wollte er sie auch wieder nicht. „Ich freue mich natürlich, dass ich mit meiner Leistung der Mannschaft helfen konnte. Aber ich freue mich mehr, dass wir gewonnen haben“, meinte der 28 Jahre alte Franke.

Spätestens seit dem Auswahl-Abschied von Holger Glandorf ist Weinhold mehr als zuvor als Führungsspieler gefordert. „Da gehöre ich mit dazu. Aber in einem anderen Spiel kann es auch ein anderer sein. Ich bin auch froh, wenn ein anderer Verantwortung übernimmt“, sagte er.

Weinhold: Lieber schlafen als Playstation

Weinhold lebt bei seinem Tordrang in erster Linie von Dynamik und Athletik. Statt wie sein Kieler Club-Kollege Marko Vujin aus großer Entfernung im Sprung aufs Tor zu werfen, geht er dahin, wo es wehtut, und wuchtet sich selbst durch kleinste Lücken. „Ich habe eine Spielweise, die körperlich anstrengend ist. Dafür ist es wichtig, dass ich fit bin“, meinte der gebürtige Fürther, der vor der Saison vom Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt nach Kiel gewechselt war.

Unmittelbar nach dem Sieg stand Regeneration auf seinem Programm. Ab in die Eistonne, dann auf die Massagebank und am Samstag über Mittag ins Bett. „Eins der wichtigsten Dinge, die mir die Trainer mitgegeben haben, ist schlafen“, berichtete er. Zur Entspannung geht er auch Spazieren oder springt mal am hoteleigenen Strand ins Meer. „Im Playstation-Zimmer bin ich nicht“, sagte er mit einem Schmunzeln.

Für die Partie gegen Russland will er so seine Kräfte ausreichend wiederbelebt haben. „Ich bin guter Dinge, dass ich wieder richtig fit bin“, meinte Weinhold. Nach Meinung des Bundestrainers wird die Mannschaft einen quicklebendigen Kieler brauchen. Denn der Isländer hat einen Heidenrespekt vor dem nächsten Kontrahenten. „Seit der Auslosung habe ich kein gutes Gefühl gehabt für das Spiel gegen Russland“, gab er zu.

Vor allem deren Trainer Oleg Kuleschow steht hoch in seiner Achtung. Unter dessen Regie sei das Team moderner geworden. „Die haben einen sehr, sehr guten Trainer. Er war einer der besten Mittelmänner meiner Zeit. Er ist ein sehr cleverer Typ“, lobte der einstige Spielmacher Sigurdsson seinen Kollegen und fügte an: „Es sieht gut aus für Russland in den nächsten paar Jahren.“

dpa

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