Nach der Rückkehr der Europameister

Handballer im Partyrausch: "Berlin reißen wir auch noch ab"!

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Party pur: Die Deutschen Handballer nach dem EM-Sieg in Polen.

Krakau - Die Handballer feierten ihren sensationellen EM-Titel wild und ausgiebig. Alle sind sich sicher: Dieses Team hat eine große Zukunft.

Die Spuren einer wilden Nacht waren überdeutlich, aber nach 16 Stunden Siegesrausch am Stück zündeten die Handball-Helden mit müden Augen die nächste Stufe. „Berlin reißen wir jetzt auch noch ab!“, rief Torhüter Andreas Wolff mit knarziger Stimme - und schon der Charterflug von Krakau in die deutsche Hauptstadt war wieder eine einzige Party.

Bierflaschen klackerten aneinander, kratzige Bärte küssten den goldenen EM-Teller. Sofort ging es weiter zur großen Siegesfeier mit den Fans in der Max-Schmeling-Halle, das Adrenalin hielt die neuen Sensations-Europameister aufrecht.

Nach dem goldenen EM-Triumph gegen Spanien am Sonntagabend hatte es keinerlei Zurückhaltung mehr gegeben. Schon vormittags in Polen hörte sich Wolff an wie ein altes Gartentor. „Ich war um sieben im Bett. Dann habe ich zwei Stunden geschlafen“, röhrte er um 11.00 Uhr, als die Helden nicht nur freudetrunken aus ihrem Hotel „Hilton DoubleTree“ geschlurft kamen.

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Im Bus sangen die „Bad Boys“, wie sie sich intern nennen, ihre Lieder mehr laut als schön, und Julius Kühn bekam bei der ersten Frage seine x-te Gänsehaut. „Ich war vor einer Woche auf der Couch, jetzt komme ich als Champion nach Hause! Und Kai Häfner geht es genauso. Wahnsinn“, sagte der nachnominierte Rückraumspieler vom VfL Gummersbach.

Europameister in Berlin gelandet

Entsprechend hatten alle im Gewölbekeller des Edel-Restaurants „La Grande Mamma“ im Herzen der Krakauer Altstadt bis tief in die Nacht auf ihren Stühlen getanzt - Andi Wolff, die „schwarze Bestie“, wie die spanische Sportzeitung AS am Montag schrieb, und der normalerweise so ruhige Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson, die Triebfeder „des Wunders von Krakau“, in erster Reihe. „Wir haben sehr, sehr gut gefeiert. Vollgas!“, berichtete Kühn.

Sigurdsson war da immer noch fast schockiert von diesem famosen 24:17 seiner jungen Mannschaft gegen völlig überforderte Spanier. „Ich bin überglücklich, überstolz und fassungslos! Man kann das fast nicht glauben“, sagte der 42-Jährige.

Völlig neue Dimensionen

In der Tat: Der deutsche Höhenrausch hatte eine neue Dimension erreicht. Zum Abschluss ihrer phänomenalen zweieinhalb Wochen in Polen verschob die „Rasselbande“ des Turniers noch einmal ihre Grenzen. Einem Vergleich mit den EM-Coups der Fußballer Dänemarks 1992 und Griechenlands 2004 hält der Titelgewinn der DHB-Auswahl locker stand.

Wolff schien das Torwartspiel gegen Spanien mit unfassbaren Paraden und wahnwitzigen 48 Prozent gehaltener Bälle neu definiert zu haben. Doch darüber wollte er gar nicht so groß reden - zwischen Bier und Champagner schaute die Schlüsselfigur des Handball-Märchens nach vorne.

„Vielleicht ist dies die Geburt einer großen Generation“, sagte er. „Wir haben mit dieser geilen Mannschaft das Potenzial, alles zu gewinnen, was uns im Weg steht. Wir holen uns noch den WM-Titel und den Olympiasieg!“ Der Glaube, das haben bis zu 17,4 Millionen Zuschauer live in der ARD (Schnitt: 12,98 Millionen) gesehen, könne „einen ganzen Gebirgszug versetzen“.

Im tosenden Jubel gab es jedoch auch leise, mahnende Stimmen. Während Mannschaft und Trainer die Nacht zum Tage machten, saß die DHB-Spitze bei einer „teuren Flasche Rotwein“ im Hotel zusammen. Eines der Themen: Wie kann der Hype genutzt werden? Wie kann der Handball dauerhaft profitieren, ohne innerhalb von Wochen wieder zu versinken? So ein „geiler Sport“, das sagten alle unisono, müsse sich doch besser vermarkten lassen.

„Ich warne davor, jetzt schon zu glauben, dass wir weltklasse sind“, sagte Verbands-Vizepräsident Bob Hanning. „Es wird Rückschläge geben. Deutschland wird auch noch Handball weinen müssen.“

Heim-WM 2019 und Olypia 2020 sind das Ziel

Die Ziele, das ist klar, bleiben (offiziell) der Olympiasieg 2020 und die Heim-WM 2019. Jedoch, betonte Hanning: „Man sollte mitnehmen, was auf der Straße liegt.“

Der EM-Titel lag definitiv nicht auf der Straße. Irgendwie aber schaffte es diese Mannschaft, an den Verletzungssorgen zu wachsen, die Emotionen als Schub zu nehmen und im Adrenalinrausch den Thron zu stürmen. Im Gegensatz zu 2007, als es nach dem WM-Titel rasant bergab ging, soll das EM-Gold von Polen nur der Anfang eines Aufstieges sein. „Das wird eine Riesenaufgabe“, sagte Teammanager Oliver Roggisch, einer der Weltmeister von damals.

Ob die Erwartungen nun neu definiert werden müssen? Nach den Nackenschlägen der verpassten Olympia-Quali 2012 und der EM 2014 ohne deutsche Beteiligung heißt es für die DHB-Auswahl: plötzlich Europameister. Man mag es kaum aussprechen, aber angesichts der bevorstehenden Rückkehr von Leistungsträgern wie Kapitän Uwe Gensheimer oder Steffen Weinhold könnte das Ziel sein: Olympiasieg! Und zwar schon 2016.

sid

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