Pferdesport-WM in Caen

Goldener Sonntag für deutsche Vielseitigkeitsreiter

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Die 27-Jährige Sandra Auffarth holte mit ihrem Wallach Opgun Louvo souverän den Sieg in der Individual-Wertung

Caen - Die deutschen Reiter gehen bei der Pferdesport-WM in der Normandie weiter auf Medaillenjagd. Nach Team-Gold in der Dressur holte das Vielseitigkeits-Team am Sonntag sogar Doppel-Gold.

Als erstes sprang Sandra Auffarth ihrem Freund in die Arme. Mit Ed Holloway feierte die 27-Jährige bei den Weltreiterspielen am Sonntag kurz ihr Doppel-Gold, ehe sie durch den Tunnel des Fußballstadions in Caen zum Rest des Vielseitigkeits-Teams rannte und jeden drückte. „Unglaublich“, rief die strahlende Siegerin kurz danach: „Ich kann das noch gar nicht fassen.“

Als erste deutsche Reiterin sicherte sich die Kauffrau aus Ganderkesee den doppelten WM-Titel. Im Einzel setzte sie sich mit der Winizigkeit von nur 0,3 Strafpunkten vor Silber-Gewinner Michael Jung durch. „Das ist Wahnsinn. Ich kann es kaum glauben“, stammelte Auffarth: „Mir fehlen fast die Worte.“

Neben der überglücklichen Weltmeisterin mit Opgoun Louvo und Jung (Horb) mit Rocana gehörten Ingrid Klimke aus Münster mit Escada und Dirk Schrade aus Sprockhövel mit Hop and Skip zum deutschen Gold-Team. Zusammen feierte das Quartett vor rund 18000 Zuschauern mit den Bundestrainern Hans Melzer und Chris Bartle und ging auf die die umjubelte Ehrenrunde.

Auffarth und Jung profitierten im Einzel vom Pech des Briten William Fox-Pitt, der als letzter und führender Reiter mit Chilli Morning in den Springparcours musste - und mit einem Abwurf das deutsche Gold und Silber in der Individual-Wertung perfekt machte. Fox-Pitt blieb nur Bronze und Team-Silber vor den Niederlanden.

„Die Franzosen finden das klasse, dass ich mit einem französischen Pferd gewonnen habe“, erklärte Auffarth grinsend. Ihr 14 Jahre alter Wallach ist in der Normandie geboren. „Ich bin so stolz auf ihn“, schwärmte die Doppel-Siegerin. „Ich habe noch nie ein solches Pferd reiten dürfen.“

Der zwölf Jahre alte Wallach, der in der Normandie gezüchtet wurde, „hat so viele verschiedene Stärken“, lobte die sonst eher zurückhaltende Reiterin, die von sich selber sagt: „Ich bin nervenstark und diszipliniert.“ Trainer Hans Melzer war nach dem zweiten deutschen Mannschaftsgold nach der WM 2006 in Aachen absolut begeistert von Auffarths Nervenstärke. „Die kann man gar nicht erschrecken“, sagte der Bundestrainer. „Sie hat ein tolles Pferd, das ist ein tolles Paar.“

Voraussetzung für die Medaillen am Sonntag war der starke Auftritt am Vortag im Gelände. Nach dem zwischenzeitlichen Verlust der Führung hatte Auffarth das Team wieder auf Gold-Kurs gebracht. Die Olympia-Dritte zeigte als letzte Starterin auf dem Geländekurs von Haras du Pin eine starke Leistung und sorgte an einem turbulenten Gelände-Tag für ein glückliches Ende. „Das war unglaublich“, sagte Melzer: „Es lag alles an Sandra.“

Aber auch Jung bewies einmal mehr seine Extraklasse. In der Normandie saß er im Sattel der erst neunjährigen Stute Rocana, die er kurzfristig für sein verletztes Erfolgspferd Sam einsetzen musste. „Sie ist wirklich ein würdiger Ersatz“, sagte Jung. Melzer war von der Stute ebenfalls angetan: „Rocana ist keine B-Lösung.“

„Klasse“ fand Jung seinen neuesten Medaillensatz. Der 32-Jährige hatte vor vier Jahren als erster Deutscher den Einzel-Titel bei einer WM gewonnen, ehe er anschließend bei den Olympischen Spielen in London und zwei Europameisterschaften jeweils Doppel-Gold holte.

Auch Jung ritt mit seiner Stute Rocana am Samstag fehlerfrei über die 5,982 Kilometer lange Strecke und bleib 24 Stunden später ohne Abwurf. „Sie ist super gelaufen“, meinte er: „Die Stute weiß genau, wenn ich ihr Signale gebe“, erklärte der derzeit erfolgreichste Vielseitigkeitsreiter: „Auch am Ende, als es brenzlig wurde, hat sie gekämpft.“ Nach dem Happy End waren sowieso alle glücklich.

Überschattet wurde die Vielseitigkeit durch den Tod des Pferdes Wild Lone. „Ich denke, dass der Tod meines Pferdes nichts mit den Bedingungen der Prüfung zu tun hat“, beeilte sich der britische Reiter Harry Meade zu betonen. Sein 13 Jahre alter Wallach Pferd war in Haras du Pin nach dem Cross Country tot zusammengebrochen. Bereits am Donnerstag war beim Distanzritt ein Pferd gestorben.

dpa

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