0:3 gegen Tschechien

Deutschland im Fed-Cup-Finale geschlagen

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Angelique Kerber (2.v.l.) wird getröstet.

Prag - Tränen statt des großen Triumphes: Im Tollhaus von Prag hat das deutsche Fed-Cup-Team um Angelique Kerber und Andrea Petkovic Lehrgeld bezahlt und den ersten Titel seit 22 Jahren klar verpasst.

Die Tränen von Angelique Kerber waren nach ihrem Wahnsinns-Match schnell wieder getrocknet. Als die deutsche Nummer eins keine Stunde nach dem hochklassigen Duell mit Petra Kvitova zur Pressekonferenz erschien, konnte sie sogar schon wieder lachen und richtete trotz des 1:3 im Fed-Cup-Endspiel gegen Tschechien den Blick vorsichtig-optimistisch in die Zukunft. „Irgendwann werden wir es packen. Es war nicht das letzte Mal, dass wir im Finale standen“, sagte die 26 Jahre alte Tennisspielerin aus Kiel am Sonntag.

Für den einzigen Punkt sorgten Sabine Lisicki und Julia Görges im sportlich bedeutungslosen Doppel durch einen 6:4, 6:3-Sieg gegen Lucie Hradecka/Andrea Hlavackova. Doch auch Bundestrainerin Barbara Rittner grämte sich nach der verpassten Chance auf den dritten deutschen Titel nach 1987 und 1992 nicht so sehr. „Wir können erhobenen Hauptes hier weggehen. Ich glaube, wir haben unheimlich viel Erfahrungen gesammelt, die uns helfen werden, den nächsten Schritt zu gehen“, sagte die Teamchefin. „Die beste Reaktion war, dass alle gesagt haben: Wir holen das Ding irgendwann.“

Noch auf dem Platz hatten sich ihre Damen zuvor auf dieses Ziel eingeschworen - erst einmal aber feierten die Tschechinnen nach 2011 und 2012 den dritten Titel in den vergangenen vier Jahren. Auf dem Podium mussten die deutschen Spielerinnen mit einer Miniatur-Pokal-Replik in der Hand mit ansehen, wie Kvitova & Co. zu den unvermeidlichen Klängen von „We are the champions“ im goldenen Konfettiregen die Rose Bowl des Fed-Cup-Champions überreicht bekamen.

Unmittelbar nach der „Achterbahnfahrt“ (Kerber) gegen Kvitova musste die deutsche Nummer eins noch getröstet werden und lag lange weinend im Arm ihrer guten Freundin Andrea Petkovic. In einem packenden Match über fast drei Stunden verlor die Weltranglisten-Zehnte gegen die zweimalige Wimbledonsiegerin Kvitova - nach dem uneinholbaren 0:3 waren die Hoffnungen auf das Tennis-Wunder von Tschechien zerstört.

22 Jahre nach dem Triumph von Steffi Graf & Co. schaffte es Kerber mit ihrem Weltklasse-Auftritt beim 6:7 (5:7), 6:4, 4:6 vor 13 000 lärmenden Zuschauern in der O2-Arena aber, das tags zuvor völlig demoralisierte Team wieder aufzurichten. Petkovic hatte gegen Kvitova 2:6, 4:6 verloren, Kerber musste sich Lucie Safarova mit 4:6, 4:6 geschlagen geben. „Am Samstag war ich sehr nervös, es war mein erstes Fed-Cup-Finale“, sagte Kerber. „Jetzt habe ich viel mehr Erfahrung als noch vor zwei Tagen, das wird mir mit Sicherheit für meine Zukunft, die nächste Saison und die nächsten Fed-Cup-Spiele helfen.“

Nach ihrem enttäuschenden Auftritt gegen Safarova zeigte sich Kerber im Duell der Top-Spielerinnen wie verwandelt. Vor den Augen von Tennis-Legende Martina Navratilova duellierten sich Kerber und die Weltranglisten-Vierte Kvitova fast drei Stunden lang auf Augenhöhe.

Dabei spiegeln die reinen Zahlen das Geschehen auf dem schnellen Hartplatz nicht einmal ansatzweise wider. Kerber verspielte im ersten Durchgang eine 5:2-Führung und schaffte es nicht, einen ihrer sechs Satzbälle zu verwerten. Als nach 76 Minuten der Durchgang im Tiebreak verloren war, versteckte Kerber ihren Kopf unter einem weißen Handtuch und musste von Rittner wort- und gestenreich wieder aufgemuntert werden. Die Teamchefin hatte auf einen Wechsel verzichtet und Kerber das Vertrauen geschenkt - was diese mit einer ihrer besten Leistungen überhaupt rechtfertigte.

In dem packenden und spannungsgeladenen Linkshänderinnen-Duell geriet die deutsche Nummer eins im zweiten Durchgang schnell mit 0:3 in Rückstand. Doch mit beeindruckender Nervenstärke und Konstanz gewann sie den Durchgang 6:4. Im dritten Satz führte Kerber sogar 4:1 - konnte aber den Vorsprung nicht halten, weil Kvitova trotz Krämpfen und Oberschenkelproblemen cool blieb bis zum letzten Ballwechsel.

Nun muss Rittner darauf hoffen, dass Kerber, Petkovic, Sabine Lisicki, Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld aus den Erfahrungen ihres ersten Fed-Cup-Endspiels lernen und sich nicht mehr von ihren Emotionen überwältigen lassen wie am verkorksten Samstag. „Ich bin mir sehr sehr sicher, dass wir den Pott irgendwann nach Hause holen“, sagte Petkovic. „Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber irgendwann.“

dpa

 

Bloß nichts Wabbeliges! Angelique Kerber von A bis Z

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