Löw baut vor: Spanien-Test kann WM-Jahr nicht ankratzen

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Improvisator Joachim Löw muss auf das Gros der Weltmeister gegen Spanien verzichten. Foto: Carmen Jaspersen

Vigo (dpa) - Ein Premium-Test zum Jahresende sieht anders aus, das weiß auch der leidgeprüfte Improvisator Joachim Löw.

Das Gros der deutschen Fußball-Weltmeister wird am Dienstagabend gemütlich auf der Couch vorm Fernseher sitzen, wenn die wenigen verbliebenen Champions um Aushilfskapitän Sami Khedira sowie das Münchner Offensiv-Duo Thomas Müller und Mario Götze in Vigo zur letzten Kraftprobe des Jahres gegen Spanien antreten.

"Die Spieler haben schon Lust, gegen Spanien zu spielen", versicherte Löw am Montag nach der Ankunft im Spielort. Er baute vor dem Prestigeduell mit dem amtierenden Europameister und Weltmeister von 2010 aber auch sicherheitshalber für ein Negativerlebnis vor. "Dieses Jahr wird in der Geschichte immer einen großen Stellenwert haben. Der ist nicht anzukratzen mit einem Testspiel", verkündete der Weltmeister-Coach unmissverständlich.

Nach einem verspäteten Start im nebligen München durfte sich die personell arg gebeutelte DFB-Reisegruppe in der Hafenstadt im Nordwesten Spaniens über ein paar Sonnenstrahlen freuen. Beim Spiel soll's jedoch regnen. Und das würde passen zum tristen Bild, das Löws Mannschaft nach dem brasilianischen Sommermärchen im Herbst abgibt. Dass die Probleme nach der WM gerade mit viel zu vielen verletzten Spielern "so krass" ausfallen würden, hatte auch Löw nicht erwartet. Aber er beruhigte die Fans in der Heimat: "Im nächsten Jahr werden wir zu alter Stärke zurückkehren."

Die DFB-Akteure wollen die letzten 90 Länderspielminuten 2014 im betagten Estadio Balaídos jedenfalls engagiert absolvieren. "Es treffen zwei große Mannschaften aufeinander, egal in welcher Besetzung. Es ist ein Prestigeduell", sagte Toni Kroos auf dem Pressepodium im Hotel Ciudad de Vigo unweit des Hafens.

Seit 14 Jahren ist Deutschland sieglos gegen Spanien, auswärts liegt der letzte Erfolg immerhin 32 Jahre zurück. Aber diese Serien sind zweitrangig. "Wir haben den WM-Titel geholt, da gibt es nichts dran zu rütteln. Wenn man so einen Meilenstein erreicht, kann danach passieren, was will", erklärte Torjäger Thomas Müller.

Eine krachende Niederlage gegen das jahrelange Vorbild Spanien möchte auch Löw vermeiden. Der Bundestrainer muss jedoch - wie ständig seit der WM - auch in Galizien improvisieren. Gerade mal drei Akteure aus der Startelf des WM-Endspiels kann er aufbieten; Kroos, Müller und Benedikt Höwedes, der gegen Spanien als Chef einer unerfahrenen Abwehr ran muss. Dazu kommt der in Rio beim 1:0 gegen Argentinien eingewechselte Siegtorschütze Götze.

Eine 4-3-3-Formation zeichnet sich ab, da Löw auf eine kompakte Defensive setzt und mit Konterattacken zum Erfolg kommen will. "Unsere Ausrichtung ist nicht darauf ausgelegt, ständig in der gegnerischen Hälfte zu sein und mehr Ballbesitz zu haben", veriet er zur Taktik. Im Tor könnte es eine Job-Teilung zwischen Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler geben. In der Abwehr darf sich der Stuttgarter Antonio Rüdiger auf höchstem Niveau bewähren, dazu der Hoffenheimer Kevin Volland im Angriff. "Er hat einen guten Eindruck in den letzten Wochen gemacht", begründete Löw.

"Für einzelne Spieler ist es eine Chance, sich mit einer guten Leistung näher an die Mannschaft heranzubringen", betonte der Bundestrainer: "Ich erwarte eine engagierte, läuferisch und kämpferisch starke Leistung." Khedira soll in seinem 53. Länderspiel das Team erstmals als Kapitän anführen, sofern eine leichte Knöchelblessur den Einsatz des Profis von Real Madrid zulässt. Auch Shkodran Mustafi (Wadenverhärtung) ist leicht angeschlagen. Beide waren jedoch am Montagabend beim Abschlusstraining dabei.

Aus den nach Rücktritten oder aus Verletzungsgründen fehlenden Weltmeistern Neuer, Lahm, Boateng, Hummels, Mertesacker, Kramer, Schweinsteiger, Schürrle, Özil, Draxler und Klose hätte Löw mühelos eine schlagkräftige Elf zusammenstellen können. Dazu fehlt in Vigo der Dauerpechvogel Marco Reus nach der x-ten Fußverletzung.

Eine Revanche für das gegen Spanien verlorene EM-Finale 2008 in Wien oder das WM-Halbfinale 2010 in Südafrika (jeweils 0:1) ist das Wiedersehen auch nicht mehr. "Wir haben keine Rachegelüste", erklärte Kroos. "Viele Spieler sind doch nicht mehr dabei bei denen und bei uns", bemerkte auch Lukas Podolski, der als einziger Akteur im aktuellen 19-Mann-Aufgebot in beiden Partien dabei war - und zwar in der Startelf. In Vigo wird er wohl nur Reservist sein.

Auch Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque wird nicht seine Topformation aufbieten. Einige Stars fehlen, andere wie Xavi oder der Neu-Münchner Xabi Alonso sind nach dem WM-Desaster in Brasilien zurückgetreten. Löw aber weiß: "Gegen Spanien ist immer gewährleistet, dass wir gegen eine gute Mannschaft spielen."

Voraussichtliche Aufstellung:

Spanien: Casilla (Espanyol Barcelona/28 Jahre/0 Länderspiele) - Azpilicueta (FC Chelsea/25/9), Raul Albiol (SSC Neapel/29/49), Sergio Ramos (Real Madrid/28/123), Juan Bernat (Bayern München/21/1) - Busquets (FC Barcelona/26/37), Koke (Atlético Madrid/22/10), Santi Cazorla (FC Arsenal/29/69) - José Callejon (SSC Neapel/27/1), Nolito (Celta Vigo/28/0), Raul Garcia (Atlético Madrid/28/1),

Deutschland: Weidenfeller (Borussia Dortmund/34/4) - Rüdiger (VfB Stuttgart/21/4), Mustafi (FC Valencia/22/5), Höwedes (FC Schalke/26/30), Durm (Borussia Dortmund/22/6) - Bender (Bayer Leverkusen/25/18), Khedira (Real Madrid/27/52) Kroos (Real Madrid/24/56) - Müller (Bayern München/25/61), Götze (Bayern München/22/40), Volland (1899 Hoffenheim/22/2)

Schiedsrichter: Johannesson (Schweden)

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