DHB löst Vertrag mit Frauen-Bundestrainer Jensen auf

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Heine Jensen musste als Frauen-Handball-Bundestrainer gehen. Foto: Georgi Licovski

Leipzig/Stuttgart (dpa) - Seinen Dienstwagen hat er am Mittwoch in der Verbandszentrale abgegeben, am Freitag reist er zu seiner Familie nach Norwegen: Ohne großes Tamtam hat sich Heine Jensen vom Deutschen Handballbund (DHB) verabschiedet.

Der Däne ist nicht mehr Bundestrainer der Frauen. Als Konsequenz aus der EM-Pleite im Dezember mit dem schwachen zehnten Platz haben der 37-Jährige und der Verband den bis 2017 datierten Vertrag einvernehmlich rückwirkend zum 31. Dezember 2014 aufgelöst. "Leider sind wir keinen Schritt vorwärtsgekommen", fasste DHB-Präsident Bernhard Bauer am Mittwoch das ernüchternde Ergebnis der Analysen zusammen.

In spätestens zwei Monaten soll Jensens Nachfolger präsentiert werden. Eine dreiköpfige Kommission aus Leistungssportchef Bob Hanning, EM-Delegationsleiter Georg Clarke und Liga-Vorsitzenden Berndt Dugall ist für die Suche nach dem Neuen zuständig. "Wir haben im März einen Lehrgang und ein Vier-Länder-Turnier in Rumänien. Bis dahin wollen wir Klarheit haben", sagte DHB-Chef Bauer in Stuttgart.

Dass der bisherige Co-Trainer Maik Nowak die Rolle übernehmen könnte, scheint unwahrscheinlich. "Er gehörte mit zum System", meinte Bauer. Nowak, der wie Jensen Erfolge mit dem Bundesligisten HC Leipzig gefeiert hatte, bleibt Koordinator für den weiblichen Nachwuchs. Ob er mitverantwortlich für die Nationalmannschaft bleibt, will der Verband dem neuen Bundestrainer überlassen. "Er sucht sich seinen Co-Trainer aus", legte Bauer fest.

Hanning betonte, dass "es das Beste für den deutschen Frauenhandball ist, Klarheit zu schaffen und grundsätzliche Prozesse wieder in die gewünschte Richtung zu lenken". Er will "in enger Abstimmung mit der Handball Bundesliga Frauen" eine Lösung suchen, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern. Immerhin bestreitet der DHB 2017 eine Heim-WM.

Die vordringlichste Aufgabe aber ist die Teilnahme an der WM 2015 in Dänemark, weil nur dort auch die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio de Janeiro erreicht werden kann. "Wir müssen zur WM und wir müssen möglichst auch zu den Olympischen Spielen", erklärte Bauer. Doch die Aufgabe ist schwer: Am 6./7. und 13./14. Juni ist in zwei Playoff-Spielen Rekord-Weltmeister Russland der Gegner.

Der Däne Jensen kam dem Verband am Ende entgegen und stimmte einer Auflösung seines Kontrakts zu. "Es war mir eine Freude und Ehre, für den Deutschen Handballbund und mit dieser Mannschaft zu arbeiten, aber das Team braucht nach dieser enttäuschenden EM einen neuen Impuls", meinte Jensen selbstkritisch.

Und weiter: "Ich habe immer gesagt: Ich lasse mich nicht feiern, wenn es gut läuft, aber ich lasse mich auch nicht schlachten, wenn es nicht läuft. Mir geht es um die Sache, um den Handball. Deswegen haben der DHB und ich eine für beide Seiten gute Lösung gefunden." Nun sucht er eine neue Aufgabe. "Ich habe nichts an der Hand. Ich möchte gerne in Deutschland bleiben, wenn das richtige Angebot kommt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der frühere Rechtsaußen liebäugelt mit einem Job im Männer-Handball.

Seit dem Frühjahr 2011 arbeitete er für den DHB, nachdem er zuvor mit dem HC Leipzig zweimal die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Als größten Erfolg mit der Nationalmannschaft verbuchte der Däne 2013 das Erreichen des WM-Viertelfinales. Bei der EM 2012 kam Jensen mit seinem Team nicht über Platz sieben hinaus.

Diesmal sorgte der zehnte Platz bei der EM 2014 für das frühzeitige Aus. "Ich bin kein Freund davon, zu sagen, dass der Trainer der Buhmann ist und die Alleinverantwortung trägt. Für uns Spielerinnen ist es jetzt nicht erledigt. Wir müssen uns selbst an die Nase fassen, es kommen jetzt wichtige eineinhalb Jahre auf uns zu", sagte Nationaltorhüterin Katja Schülke vom HC Leipzig der dpa.

Unabhängig von den Ergebnissen bei Titelkämpfen bescheinigte sie Jensen eine gute Arbeit: "In den letzten Jahren ist beim Nationalteam viel passiert. Es wurde deutlich professioneller, und Heine hatte daran einen großen Anteil."

DHB-Verbandsmitteilung

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