ARD deckt Verfehlungen auf

Dopingskandal: Neue Vorwürfe gegen Russland

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Russland scheint den Kampf gegen Doping nicht ernst zu nehmen.

München - Die neuesten Entdeckungen werfen kein gutes Licht auf den russischen Sport. Laut ARD setzt der Leichtathletik-Verband die vorgegebenen Maßnahmen gegen Doping nicht um.

Im Doping- und Manipulationsskandal der russischen Leichtathletik werden neue Vorwürfe gegen die nationale Anti-Doping-Agentur RUSADA und den Weltverband IAAF laut. Dabei gerät offenbar vor allem die die neue RUSADA-Chefin Anna Anzeliowitsch ins Zwielicht. Nach neuen Enthüllungen der ARD war Anzeliowitsch als Kontrolleurin an regelwidrigen Dopingtests beteiligt. Auf die derzeit suspendierten Leichtathleten des Landes, die um ihre Olympia-Zulassung bangen, fällt damit neuer Schatten.

Wie die ARD am Sonntag anhand von Gesprächsmitschnitten zwischen Anzeliowitsch und einer Sportlerin vorbrachte, sollen Dopingkontrollen nach Vorankündigung und mit Terminabsprache durchgeführt worden sein. Urinproben seien ohne Aufsicht genommen und von den Sportlern im Büro der Kontrolleurin vorbeigebracht worden.

Die Spitze der schwer belasteten RUSADA war im Zug des Dopingskandals im Dezember 2015 geschlossen zurückgetreten, Anzeliowitsch Nachfolgerin des geschäftsführenden Direktors Nikita Kamajew geworden. Kamajew verstarb im Februar im Alter von nur 52 Jahren an einer Herzattacke. Die RUSADA ist wegen Korruption und Manipulation im Dopingkontrollsystem von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA suspendiert.

Belastete Trainer arbeiten anscheinend weiter

Zudem sollen laut ARD nicht wie von der IAAF für eine Rücknahme der Suspendierung gefordert alle belasteten Trainer aus der Verbandsarbeit entfernt worden sein. Demnach soll beispielsweise der von der IAAF wegen einschlägiger Vergehen suspendierte Läufertrainer Wladimir Mochnew weiterhin aktiv sein. Mochnew hatte unter anderem Julija Stepanowa, die als Kronzeugin der ARD bekannt geworden war, betreut.

Laut ARD-Gesprächsprotokollen soll Juri Gordejew, ein Nachwuchstrainer am olympischen Leistungszentrum im rund 550 km von Moskau entfernten Pensa, als "Nachfolger" des berüchtigten Verbands-Mediziners Sergej Portugalow mittlerweile mit Dopingmitteln handeln.

Hallen-WM ohne russische Athleten

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre dies ein klarer Verstoß gegen die Maßnahmen, welche die IAAF dem russischen Verband ARAF auferlegt hatte, um wieder zugelassen zu werden. Die Hallen-WM in Portland (17. bis 20. März) findet ohne russische Leichtathleten statt. Olympia ohne Russland gilt bislang noch als unwahrscheinlich, zumal das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Präsident Thomas Bach Gegner von generellen Ausschlüssen ist.

Die ARD äußerte am Sonntag zudem Vorwürfe gegen den malaysischen IAAF-Funktionär Karim Ibrahim. Ibrahim, mittlerweile Council-Mitglied des Weltverbandes, soll in den Dopingfall eines malaysischen Athleten verwickelt sein. Nachdem ein weiterer hochrangiger Funktionär mit der Bitte um Aufklärung der Vorgänge um Ibrahim an die IAAF und deren Präsidenten Sebastian Coe herangetreten sei, habe der Weltverband nicht reagiert.

sid

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