DSV-Generalsekretär Pfüller: Freund ist enorm wichtig

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Thomas Pfüller arbeitet seit 25 Jahren im DSV. Foto: Hendrik Schmidt

Falun (dpa) - Mit der Rekordausbeute von fünf Goldmedaillen sind die nordischen Ski-Weltmeisterschaften für den Deutschen Skiverband schon vor dem finalen Wochenende zum großen Erfolg geworden.

In einem Telefon-Interview der Deutschen Presse-Agentur äußert sich DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller über die WM in Falun, die Perspektiven in den einzelnen Disziplinen und mögliche Schwierigkeiten für den Verband.

Wie erleben Sie zu Hause die WM-Erfolge?

Thomas Pfüller: Es überwiegt die Freude darüber, dass man in vielen Jahren entscheidend daran mitgewirkt hat, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen, und das am Tag X auch so rüberkommt. Das entschädigt einen Funktionär, denn ich habe jahrelang versucht, die Entwicklung positiv zu beeinflussen.

Was ist der Schlüssel für das bisherige WM-Abschneiden?

Pfüller: Das Gesamtsystem ist ganz wichtig für solche Erfolge. Es kommt darauf an, stets frühzeitig im Nachwuchs-Leistungssport die notwendigen Maßstäbe zu setzen, damit immer wieder junge Athleten nachkommen und die Arrivierten sich nicht ausruhen können. Wenn das nicht funktionieren würde, könnten wir uns nicht so lange an der Spitze halten.

Kommt es nicht auch auf handelnde Personen an?

Pfüller: Natürlich. Wir haben Teams aufgebaut, die langfristig zusammenarbeiten und bestens harmonieren. Von der Sportlichen Leitung bis zu den Bundestrainern. Da haben wir Leute, die sich nicht ausruhen und ihre Athleten geformt haben. Die ringen immer wieder um Spitzenleistungen.

Die kommen kontinuierlich in der Nordischen Kombination. Woran liegt das?

Pfüller: Hermann Weinbuch (Bundestrainer/Anm. d.R.) hat immer wieder neue Ideen und die Kraft, die Leute strategisch auszurichten und auf eine Philosophie einzuschwören. Er beweist immer wieder den nötigen Weitblick.

Im Skispringen läuft es nach einigen Dürre-Jahren auch wieder prächtig.

Pfüller: Das ist ein Verdienst von Werner Schuster, der hoffentlich über 2019 hinaus Bundestrainer bleibt. Er hat ein Konzept entwickelt und alle Trainer darauf eingeschworen. Natürlich braucht man auch die Athleten dazu - die haben wir jetzt. Man muss rechtzeitig auf den Nachwuchs schauen. Schuster macht das hervorragend.

Mit Severin Freund gibt es endlich wieder einen Siegspringer. Wie gut tut das der Sportart?

Pfüller: Ein Athlet wie Severin Freund ist enorm wichtig für den Deutschen Skiverband. Wir leben von Sponsoren, Unterstützern, dem Fernsehen, wo die Einschaltquoten eine große Rolle spielen. Da ist es wichtig, so eine Figur wie ihn zu haben, der die Mannschaft mitreißt, in schwierigen Situationen den Sieg sichert und so dafür sorgt, dass die Sportart Woche für Woche im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Sie haben als Generalsekretär und langjähriger Sportdirektor maßgeblichen Anteil an den WM-Erfolgen. Wie gut tut diese WM?

Pfüller: Man fühlt sich bestätigt, vieles richtig gemacht zu haben. Solch ein großer Verband wie der DSV hat immer wieder Baustellen. Das waren in der Vergangenheit mal die alpinen Herren, jetzt sind es ein bisschen die Alpin-Damen und die Langläufer. Es ist deshalb wichtig, sich nicht in den Erfolgen zu sonnen, sondern sich um die schwierigen Felder zu kümmern. Ich denke, über all die Jahre gesehen, ist uns das ganz ordentlich gelungen.

Die Langläufer machen gerade eine schwere Zeit durch. Welche Perspektiven sehen Sie in dieser Disziplin?

Pfüller: Die großen Nationen machen derzeit keine Fehler. Das macht es noch schwerer, den Generationenwechsel erfolgreich zu gestalten. Wir haben bei den Männern einige talentierte Läufer, die in den kommenden Jahren die Lücke schließen können. Bei den Damen wird es schwieriger, da müssen wir im Juniorenbereich richtig Gas geben. Wir können bis zu Olympia 2018 die Kurve kriegen, aber in den nächsten Jahren werden wir kleinere Brötchen backen müssen.

Der Sport wird immer teurer, neue Disziplinen kommen hinzu. Ist das alles noch bezahlbar?

Pfüller:Die Gefahr besteht, dass etwas weg bricht. Wir werden alles dafür tun, dass es nicht dazu kommt. Wir haben solide Verträge für die nächsten drei, vier Jahre. Aber wir können nicht immer mehr und immer neue Bereiche fördern. Mit den neuen Disziplinen wie beispielsweise Slopestyle verdienen wir keinen einzigen Euro, die müssen subventioniert werden. Das haben wir an den Deutschen Olympischen Sportbund herangetragen.

Kann man nicht Gelder verbandsintern umverteilen?

Pfüller: Wenn man kaltes in warmes Wasser gießt, wird es lauwarm. Dann kann keiner mehr Spitzenleistungen erbringen. Da darf man keine Kompromisse eingehen. Es ist niemand zufrieden, wenn überall nur noch zehnte bis fünfzehnte Plätze herausspringen. In den traditionellen Sparten Nordisch, Alpin und Biathlon, wo wir ordentliche Verträge haben, haben wir in diesem Winter sogar einen Sparhaushalt aufgelegt. Ich bin stolz darauf, was wir daraus gemacht haben. Aber die Schraube lässt sich nicht unendlich festdrehen, sonst bricht sie irgendwann ab.

Wer trägt momentan die Hauptlast im Gesamtgefüge DSV?

Pfüller: Der nordische Bereich spielt die zentrale Rolle bei der Finanzierung des DSV. Skispringen und Biathlon sind die Quellen, weshalb es dem Verband so gut geht. Sportpolitisch betrachtet ist Alpin international die Kernsportart, deshalb spielt der Bereich auch bei uns eine große Rolle. Insgesamt greift im DSV ein Solidarsystem. Wir verteilen das Geld so, dass Spitzenleistungen erbracht werden können.

ZUR PERSON: Thomas Pfüller (65) arbeitet seit 1990 in leitender Position für den Deutschen Skiverband. Es schied im vergangenen Jahr als Sportdirektor Nordisch aus, fungiert aber noch bis 2016 als Generalsekretär und Geschäftsführer der DSV Leistungssport GmbH.

DSV-Führungsstruktur Leistungssport

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