Herzinfarkt mit 67 Jahren

Ex-Klitschko-Trainer Fritz Sdunek ist tot

Fritz Sdunek
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Fritz Sdunek trainierte unter anderem die Klitschko-Brüder.

Schwerin - Boxtrainer Fritz Sdunek ist tot. Der Trainer des einstigen Schwergewichts-Weltmeisters Vitali Klitschko starb am Montag.

Eines der größten Boxerherzen Deutschlands schlägt nicht mehr: Fritz Sdunek, Weltmeistermacher, legendärer Trainer und langjähriger Weggefährte von Witali und Wladimir Klitschko, ist am Montag überraschend im Alter von 67 Jahren in Hamburg an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Nach Angaben des Express hatte Sdunek eine Herzattacke in seiner Wohnung auf Gran Canaria erlitten und war anschließend in die Hansestadt gebracht worden. Dort verlor er den Kampf um sein Leben.

„Wladimir und Witali haben es von der Familie erfahren. Sie sind tief bestürzt und sehr traurig. Es ist ein menschlicher und persönlicher Verlust. Er war für uns alle eine enger Freund, wir haben ihm viel zu verdanken. Als beide nach Hamburg kamen, war er die erste und wichtigste Bezugsperson“, sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte dem SID.

Der gebürtige Lüssower Sdunek war der einzige Trainer, den Witali Klitschko in 16 Jahren Profi-Laufbahn hatte. Wladimir trainierte acht Jahre unter seiner Regie. Neben den Klitschkos führte Sdunek Kämpfer wie Dariusz Michalczewski, Ralf Rocchigiani, Zsolt Erdei, Manuel Charr oder Felix Sturm zu Erfolgen.

Anders als der ebenso geschätzte Sauerland-Trainer Ulli Wegner, mit dem Sdunek zu DDR-Zeiten ein Zimmer in Trainingslagern teilte, war der Norddeutsche der Duzfreund seiner Athleten. „Fritz war ganz anders als Ulli. Ulli ist der General, seine Sportler sind die Soldaten“, sagte Box-Manager Wilfried Sauerland. „Fritz war da umgekehrt. Er hat seinen Sportlern jeden Wunsch von den Augen abgelesen.“

Auch Sauerland war schockiert. „Unfassbar. Ich habe ihn so häufig bei Titelkämpfen erlebt. Entweder war er unser sportlicher Gegner oder stand bei uns in der Ecke. Er war immer anständig und fair. Zuletzt hat er wie immer einen fitten Eindruck hinterlassen. Deshalb kann ich es nicht fassen.“

„Worte können meinen Schmerz nicht ausdrücken. Fritz, ich werde dich nie vergessen“, schrieb Sturm bei Twitter. Sdunek und Sturm waren erst im September nach vier gemeinsamen Jahren getrennte Wege gegangen. Den Schritt hatte Sdunek auch mit der Sorge um seine Gesundheit begründet. „Ich muss auch auf mich aufpassen. Vor allem auf meine Gesundheit. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste“, sagte Sdunek damals: „Meine innere Stimme sagte: “Fritz, mach Schluss mit Felix, mach den Stress nicht mehr mit'.

Es ist kein Wunder, dass sich im Laufe der letzten zwei Dekaden so viele Top-Boxer in die Obhut der Trainer-Legende begeben haben. Der frühere Amateurboxer (120 Kämpfe/99 Siege) galt als Taktik-Fuchs und pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Athleten, die ihn auch „Glucke-Fritz“ nannten. Insgesamt formte mehr als ein Dutzend seiner Boxer zu Weltmeistern. Eine beeindruckende Bilanz, die Sdunek zu einem der erfolgreichsten Box-Trainer der Welt machte.

Seinen schwersten Kampf musste Sdunek im Alleingang bestreiten. Im Jahr 2009 wurde bei ihm Hautkrebs diagnostiziert. In seiner Biographie („Durchgeboxt - mein Leben am Ring“) beschrieb Sdunek, wir er den wichtigsten Fight seines Lebens fast aufgegeben hätte: „Ich wollte niemandem zumuten, mich als Pflegefall durchschleppen zu müssen. Und da habe ich natürlich darüber nachgedacht, mit meinem Leben, wenn der Krebs nicht heilbar gewesen wäre, Schluss zu machen“, sagte Sdunek.

Doch am Ende besiegte er die Krankheit. Seitdem genoss er umso intensiver die Zeit mit der Familie, ein gutes Essen oder einen Kurzurlaub am Wasser. Als größten Fehler seines Lebens bezeichnet Sdunek einen Seitensprung. Den unehelichen Sohn hatte er seiner Frau Carola lange verheimlicht. Sdunek: „Als meine Frau das nach 22 Jahren erfahren hat, das war schon der Hammer. Da musste man natürlich sehr, sehr viel reden und viel nachgeben. Und große Versprechungen machen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Das ist es auch nicht.“

Von der Pratzenarbeit konnte Sdunek, den es an freien Tagen gern an die Ostsee zog, dennoch nie ganz lassen. Zuletzt betreute er die Ex-Weltmeister Firat Arslan und Ruslan Tschagajew. „In meiner Brust schlägt nun einmal ein Boxerherz, und jeder einzelne Schlag ist dem Erfolg meiner Boxer Jungs gewidmet“, sagte Sdunek erst im November in einem Interview. Zwei Tage vor Heiligabend hat dieses Boxerherz nun für immer aufgehört zu schlagen.

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dpa/sid

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