Ex-Weltmeister kritisiert Turner-Bund

Hambüchen: "Verkrustete Strukturen müssen weg"

Fabian Hambüchen, Deutscher Turner-Bund
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Fabian Hambüchen wurde 2007 Weltmeister am Reck und gewann bei Olympia 2008 Bronze und 2012 Silber in dieser Disziplin.

Stuttgart - Fabian Hambüchen ist Deutschlands Vorzeigeturner. Der Weltmeister von 2007 kritisiert den Deutschen Turner-Bund. Vor allem in Sachen Trainer sieht er schwarz.

Der frühere Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen hat den Deutschen Turner-Bund (DTB) scharf kritisiert und darüber hinaus dem gesamten deutschen Sport kein gutes Zeugnis ausgestellt. „Es sind generell die alten verkrusteten Strukturen und Denkmuster, die dringend weg müssen - und das betrifft oft nicht nur den DTB, sondern das deutsche Sportsystem allgemein“, sagte Hambüchen im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten.

Die Problematik beginne bereits bei den Trainerjobs. „Die sind oft so miserabel bezahlt, dass sich kaum mehr geeignete Übungsleiter finden, vor allem in den kleineren Zentren“, sagte Hambüchen. Viele Trainer seien nicht hauptberuflich beschäftigt: „Sie unterrichten tagsüber an Schulen oder gehen anderen Jobs nach und machen dann abends das Training nebenher.“ Da müsse man sich dann „im Zweifel nicht wundern, wenn wie bei uns zurzeit im Turnen seit Jahren kaum noch hoffnungsvolle Talente nachkommen und wir Alten immer die Kohlen aus dem Feuer holen müssen“.

Hambüchen fordert in dem Zusammenhang vor allem, den Trainerjob „finanziell attraktiver“ zu gestalten: „Es bringt doch nichts, immer nur schöne neue Turnhallen hinzustellen und nur in Steine zu investieren. Das Hauptaugenmerk muss auf der Nachwuchsförderung und damit auch auf den Trainern für den Nachwuchs liegen. Die schönste Halle bringt nichts, wenn dort kein gescheites Training stattfindet. `

Es müssten dringend individuelle Lösungen her, um wieder hoffnungsvolle Talente hervorzubringen - im Turnen, und im deutschen Sport generell“. Der Sport brauche „flexiblere Lösungen in der Talentförderung und nicht diese verkrusteten und starren Strukturen“, forderte Hambüchen: „Aber dazu muss ich Talente sichten und dann konkret auf sie eingehen.“

Im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation der deutschen Turner für die Spiele 2016 in Rio und die WM in diesem Jahr in Glasgow hofft Hambüchen darauf, „dass sich keiner verheizt - und jeder für sich individuell und ohne unnötigen Druck auf die WM hinarbeiten kann“. Er habe in vergleichbaren Phasen „schon einige Trainer unnötig durchdrehen sehen. Die Nervosität wird sicher wieder um sich greifen in den nächsten Wochen, da wird wieder eine hochexplosive Stimmung in den Turnhallen herrschen. Und manchmal ist das einfach nicht nötig.“

Hambüchen regt unter anderem an, die Turner nicht häufiger als nötig zusammenzuziehen. „Vor der WM-Qualifikation an diesem Wochenende in Stuttgart hat der DTB die potenziellen WM-Teilnehmer schon eine Woche ins Trainingslager nach Kienbaum gebeten. Nach der WM-Quali in Stuttgart geht es dann noch mal für zwei Wochen nach Kienbaum - und dieser Zeitraum hätte völlig ausgereicht.“ Er sei „generell ein Gegner davon, wenn wir Turner zu sehr aus unserem vertrauten Umfeld herausgerissen werden“.

Zudem kritisiert Hambüchen in dem Gespräch noch einmal die Bedingungen bei den deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Gießen. Für die VIPs sei dort „Raum ohne Ende geschaffen“ worden, während die Turner „kaum noch Platz in der Halle“ hatten. In den Pausen hätten die Aktiven „aufeinandergepfercht zusammengesessen, und uns wurde noch nicht mal Wasser oder ein bisschen Obst zur Verfügung gestellt. Wir Sportler werden in die Planungen nicht einbezogen und sind oft nur das fünfte Rad am Wagen. So kann es nicht weitergehen“, sagte Hambüchen.

sid

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