Feuerwerk! Tuchel schürt Hoffnung auf BVB-Renaissance

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Trainer Thomas Tuchel (M.) sorgt für Aufbruchsstimmung in Dortmund. Foto: Bernd Thissen

Von solch einem Bundesliga-Einstand beim BVB hätte Thomas Tuchel wohl kaum zu träumen gewagt. Beim 4:0 über Gladbach spielte sein Team ähnlich groß auf wie in glorreichen Tagen unter seinem Vorgänger Jürgen Klopp. Das veranlasste den Coach zu einer besonderen Geste.

Dortmund (dpa) - Am Ende der Gala überließ Thomas Tuchel seinen Profis das Rampenlicht. Als sich das Team auf den Weg zur bebenden Südtribüne machte, blieb der neue Dortmunder Coach zurück und genoss das Spektakel als staunender Beobachter.

"Das war Gänsehaut, eine unglaubliche Stimmung", schwärmte er nach dem 4:0 (3:0) gegen Borussia Mönchengladbach. Bei allem Stolz über das beste Debüt eines Trainers in der BVB-Vereinshistorie nahm sich Tuchel Zeit für eine besondere Geste: "Wir hätten nicht so gewinnen können, wenn Jürgen Klopp Mist gebaut hätte, und müssen damit aufräumen, dass unsere Leistungen immer gleich Kritik an Klopp sind. Das gehört sich nicht."

Mit diesem Verweis auf seinen in Dortmund noch immer beliebten Vorgänger sammelte Tuchel beim Anhang weitere Pluspunkte. Vieles von dem, was der Revierclub beim Kantersieg über den überforderten Champions-League-Teilnehmer vom Niederrhein bot, erinnerte an den von Klopp kreierten Vollgasfußball aus den Meisterjahren 2011 und 2012. Dennoch ließ sich niemand zu einer Kampfansage an den Titelverteidiger aus München oder den Pokalsieger aus Wolfsburg hinreißen. Kapitän Mats Hummels sprach aus, was alle dachten: "Nach solch einem Sieg werden uns viele in den Himmel loben. Aber dafür ist es noch zu früh."

Einige Indizien verheißen jedoch eine bessere Saison als die vorherige, in der sich der Branchenriese mit Rang sieben zufriedengeben musste. In bisher vier Pflichtspielen unter der Regie von Tuchel gab es vier Siege - alle ohne Gegentor. Darüber hinaus wirken Profis wie Hummels, Ilkay Gündogan und Marco Reus deutlich formverbessert. Stellvertretend für diesen Trend steht Henrich Mchitarjan. Mit bisher sechs Toren hat der Armenier schon nach dem ersten Ligaspieltag mehr Pflichtspieltreffer erzielt als in der gesamten Vorsaison (5). Auch gegen Gladbach spielte der sensible Edeltechniker groß auf und steuerte zwei Tore (33./50.) bei.

Vor allem die erste Halbzeit machte Lust auf mehr und taugte nebenher als Mutmacher für das Playoff-Hinspiel in der Europa League am Donnerstag beim norwegischen Club Odds BK. "Das war so, wie man es sich fast nicht zu wünschen traut", kommentierte Tuchel, "schließlich haben wir gegen den Rückrundenmeister der vorigen Saison gespielt."

Ähnlich euphorisch reagierten die Fans auf die mitunter spektakuläre Vorstellung. Als die weiteren Torschützen Reus (15.) und Pierre-Emerick Aubameyang (21.) kurz vor Ende der Partie gemeinsam ausgewechselt wurden, gab es Ovationen von den Rängen. Aubameyang war sichtlich bewegt. "Von solch einer Atmosphäre träumt man als Kind, das ist einfach großartig."

Dagegen wurden die Gäste von ihren Fans ohne Applaus verabschiedet. Die erste Auswärtsniederlage seit Anfang Februar gab allen Beteiligten mächtig zu denken. Zu keiner Phase war die Klasse erkennbar, mit der die Fohlenelf noch in der vorigen Saison auf Rang drei gestürmt war.

"In der Rückrunde hatten wir die beste Abwehr, weil wir intelligent verteidigt haben. Heute war dem nicht so", klagte Trainer Lucien Favre, der beim 0:5 am 29. September 2012 ebenfalls in Dortmund seine bisher höchste Niederlage als Gladbach-Coach kassiert hatte. Ähnlich sah es Sportdirektor Max Eberl: "Wir haben Lehrgeld bezahlt."

Das Fehlen solcher Stabilisatoren wie Martin Stranzl und Alvaro Dominguez erwies sich als zu schwere Hypothek. Vor allem die jungen Innenverteidiger Marvin Schulz und Andreas Christensen wirkten überfordert. Sportdirektor Eberl hofft, dass die Mannschaft aus der empfindlichen Auftaktschlappe die richtigen Schlüsse zieht: "Wir müssen jetzt schnell wach werden und die Fehler abstellen."

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