Doping, Bestechung, Russland

Filmemacher Best: EM-Betrug? Kann ich mir vorstellen 

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Schatten über der EM.

München - Benjamin Best recherchiert investigativ seit Jahren im Sport. Und er findet viele schmutzige Geschichten. In der tz spricht er über Doping, Bestechung und Russland.

Benjamin Best recherchiert seit Jahren über die dunklen Seiten im Sport. Nach seinem Buch Der gekaufte Fußball kommt im Juni sein Dokumentarfilm Dirty Games in die Kinos. Die erste Drehreise führte ihn 2014 nach Brasilien zur Fußball-WM, eineinhalb Jahre später war sein Werk fertig. Best beleuchtet unter anderem die Situation in Katar und zeigt, wie leicht in der NBA oder bei Boxwettkämpfen manipuliert werden kann. In der tz spricht er über die Entwicklung von Sportveranstaltungen, manipulierte EM-Spiele und dopende Russen.

Herr Best, können Sie sich auf die Fußball-EM und Olympia freuen?

Benjamin Best.

Best: Das kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten, ich sehe das differenzierter. Deswegen habe ich auch den Film gemacht, ich will aufrütteln und zeigen: Sportgroßveranstaltungen bewegen sich von denen weg, für die sie gedacht sind – den Fans. Olympia sehe ich pessimistisch, die politische Situation in Brasilien ist schwierig und die Menschenrechte werden nicht gewahrt. Die EM in Frankreich ist nicht so umstritten, ich hoffe die Fans erleben ein tolles Turnier.

Gab es Dinge beim Dreh, die Sie überrascht haben?

Best: Die Offenheit meiner Gesprächspartner in den USA. Charles Farrell und Tim Donaghy haben mit einer beindruckenden Klarheit die Manipulationen im Boxen und Basketball erklärt. Berührend war mein Ausflug nach Kathmandu und die Gespräche mit den Familien, deren Söhne in Katar als Gastarbeiter ums Leben gekommen sind. In Brasilien war der Gegensatz extrem: Der Erfolg der Nationalmannschaft auf der einen und die vielen Menschrechtsverletzungen auf der anderen Seite. Ich habe mir die Frage gestellt: Welchen Wert hat das Turnier, wenn Familien dafür ihre Häuser verlieren? Die Verhältnismäßigkeit passt nicht.

Sie kritisieren die Veranstalter?

Dopingprobleme in Russland.

Best: Auch hier muss es immer höher, schneller und weiter gehen. Das ist falsch, diese Einstellung darf nicht für den Event gelten, sonst passieren Dinge wie in Brasilien. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat durch die Bewerbungsabsagen von traditionellen Wintersportstädten wie München oder Oslo für die Winterspiele einen ordentlichen Denkzettel bekommen. Der neue Ansatz ist richtig, so wie bisher kann das IOC nicht weitermachen. Auch die FIFA propagiert eine neue Richtung, aber man muss warten, was umgesetzt wird. Das nächste Problem ist Russland.

Sollte das russische Team von den Spielen in Rio ausgeschlossen werden?

Best: Die Fakten, so wie sie auf dem Tisch liegen, sprechen eine deutliche Sprache. Betroffen wären in erster Linie die Athleten, sie sind das schwächste Glied. Für die, die unwissentlich dopen, sofern es das überhaupt noch gibt, tut es mir leid. Aber wie soll sich etwas ändern, wenn man den Russen wieder alles durchgehen lässt?

Was halten Sie von FIFA-Boss Gianni Infantino?

Best: Er ist durch das System Blatter an die Macht gekommen, und auch Infantino hat den Verbänden Geldversprechungen gemacht, ich bin skeptisch. Aber jeder hat eine Chance verdient. Aber selbst wenn die FIFA-Zentrale sich ändert, wie sich Funktionäre in Asien, Südamerika oder Afrika verhalten, steht auf einem anderen Blatt.

Sie haben zu Manipulation im Fußball recherchiert. Könnten Sie sich vorstellen, dass selbst bei der EM Spiele verschoben werden?

Probleme in Katar.

Best: Ich kann mir alles vorstellen, zu hundert Prozent ausschließen würde ich es nicht. Man muss sich die Struktur der EM anschauen: Was passiert bei den letzten Gruppenspielen, bei denen bereits vorher alles entschieden ist und es nur noch um die Ehre geht? Diese Spiele sind gefährdet, bei den heutigen Belastungen können (finanzielle) Einflüsse zum Tragen kommen.

Beim Halbfinale 2014 hat Brasilien in 30 Minuten fünf Tore kassiert.

Best: Ich hoffe und glaube nicht, dass das Spiel manipuliert war. Ich habe das Halbfinale in einer Favela in Rio gesehen, die Emotion und die Hoffnung der Menschen war zu spüren, ich vermute, das Spiel hat gezeigt, wie viel Druck auf der Mannschaft lastete.

Für die Fans sind Athleten Vorbilder, der Sport soll Werte vermitteln, gelingt das noch?

Best: Der Spitzensport hat seine Vorbildfunktion verloren. Ich habe in meiner aktiven Zeit als Sportler viele soziale Komponenten gelernt und Freundschaften geschlossen, die ich heute noch pflege. Aber je höher das Niveau, desto mehr Geld ist im Umlauf und desto mehr Einflüsse wirken auf den Sport. Die Politik, die Sponsoren, die Medien, alle nutzen ihn für ihre Zwecke.

Platzt die Blase irgendwann?

Armut im Olympialand Brasilien.

Best: Entscheidend ist die Rolle der Fans, sie halten das Rad durch Stadionbesuche, Einkäufe oder TV-Quoten am Laufen. Bricht das weg, müsste sich was ändern. Aber wahrscheinlich will ein Großteil die Details gar nicht wissen, sie haben im Alltag genug Probleme, Sport ist Unterhaltung.

Interview: M. Müller

Fußball-EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Stadien und Themenseite

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 sowie zum Kader der Fußball-EM zusammengestellt. Und: Wir verraten, wie Sie jetzt noch an Tickets für die EM 2016 kommen. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de.

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