Ausgleich in den NBA-Finals

König James erzwingt Entscheidungsspiel

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Macht-Demonstration: LeBron James blockt Liga-MVP Stephen Curry (unten).

Cleveland - Es kommt zum großen Showdown um die Meisterschaft: Superstar LeBron James und seine Cleveland Cavaliers haben mit einem deutlichen Sieg gegen Meister Golden State eine siebte Partie in den NBA Finals erzwungen.

Ein Moment. Eine Szene, die die neuen, alten  Machtverhältnisse in der NBA so passend ausdrückt. Etwa fünf Minuten noch in Spiel sechs der Finals. Stephen Curry, wertvollster Spieler der regulären Spielzeit und Liebling (fast) aller, läuft zum Korb. Verfolgt von LeBron James. Dem Super-Athleten, den sie König nennen. Curry blickt sich um. Zögert. Täuscht den Wurf an, wirft den Ball dann trotzdem. Und James? Hebt ab. Seine Arme, lang wie Tentakeln, befördern den Ball ins Aus. James lacht, schickt ein paar Worte hinterher. Als ob er es nicht glauben kann: Mit diesem Versuch will Curry, den viele unter der Saison zum besten Spieler der Liga erklärt hatten, ihn überwinden. Den größten Spieler seiner Generation. Das körperliche Wunder. Es war der Moment, in dem LeBron James jedem klarmachte, wer tatsächlich besser Basketball spielt als jeder andere auf diesem Planeten. Natürlich sicherte der Forward der Cleveland Cavaliers seinem Team den 115:101-Sieg. Damit kommt es in der Nacht auf Montag zum entscheidenden siebten Duell in Oakland.

James beweist: Er ist der weltbeste Basketballer

Egal, wie die Partie endet. James hat seinen Status als Weltbester zementiert. Nach der Partie standen seine beiden Söhne in der Umkleidekabine. Bryce, neun Jahre alt, kam zur Welt, als der Papa zum ersten Mal in den Endspielen stand. 2007 gegen die San Antonio Spurs. Damals war James der Kleine, der Unerfahrene, der nichts zu melden hatte gegen die Routiniers. Heute, neun Jahre danach, ist er gewachsen. Ein Mann, ein Anführer - und der dominanteste Spieler seiner Ära. 41 Zähler legte er im zweiten Final-Spiel in Serie auf. Seine Zahlen: 41 Punkten, 11 Assists, 8 Rebounds, 4 Steals, 3 Blocks - noch nie zuvor hat ein Basketballer so etwas geschafft in einer Final-Partie. Noch mehr Historie kann James in der Nacht auf Montag schreiben. Noch nie hat es eine Mannschaft im Endspiel geschafft, nach 1:3-Rückstand noch den Titel zu holen. Erst drei Teams erzwangen überhaupt ein siebtes Spiel, aber Vorsicht, die Zahlen stauben: die New York Knicks 1951, die Los Angeles Lakers 1966 nun nun - 60 Jahre danach - die Cleveland Cavaliers. 

James und sein Team ließen es von Beginn an krachen. In Viertel eins führten sie den Meister vor. 31:11 stand's. Elf Punkte der Warriors. Ein Witz. Das ganze Jahr über hatte Golden State in keinem Abschnitt so selten gepunktet. Gleichzeitig war's das (nach Punkten gesehen) schwächste Viertel in der Geschichte der NBA-Finals. Noch schlimmer: Andre Igoudala, der Edel-Verteidiger des Meisters gegen James, kämpfte ständig mit Rückenproblemen, verließ schließlich das Spielfeld und ließ sich in der Kabine behandeln. Zum Schlussabschnitt kam Golden State nochmals heran - bis auf acht Zähler. Aber James sorgte dafür, dass sein Team den Sieg nicht herschenken würde. Der Kapitän übernahm das Steuer. 18 Punkte in Serie gelangen ihm alleine. Ein denkwürdiger Abschluss eines legendären Auftritts. 

Super-Schütze Curry rastet aus und fliegt aus der Halle

James und Curry standen nochmals im Mittelpunkt, als alles schon entschieden war. Nach einem Rebound von James kollidierten die beiden. James fiel. Schiedsrichter Jason Philipps pfiff ein Foul. Currys sechstes. Bedeutet: automatischer Ausschluss. Dem Scharfschützen passte das überhaupt nicht. Er schimpfte, riss die Arme hoch, feuerte seinen Mundschutz in die erste Reihe an Zuschauern, die direkt am Spielfeld sitzen, und traf einen. Schiri Philipps schmiss Curry aus der Halle. Curry entschuldigte sich noch bei Andrew Forbes (Sohn des Cavaliers-Mitbesitzers Nate Forbes), ehe er das Parkett verließ. "Ich dachte, dass ich weder LeBron noch Kyrie (Irving/Aufbau der Cavs) davor gefoult habe", erklärt der MVP. Trainer Steve Kerr verteidigte seinen Superstar hinterher und hackte verbal auf das Schiedsrichter-Gespann ein. "Ich bin froh, dass er seinen Mundschutz geschleudert hat. Er hatte jedes Recht, sich aufzuregen. Drei der sechs Fouls waren ein absoluter Witz", wettert Kerr. Für seine Schiri-Schelte dürfte Kerr eine Geldstrafe erhalten, ebenso wie Curry für seine emotionalen Entgleisungen. Eine Sperre im Entscheidung-Duell ist allerdings nicht zu erwarten.

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