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Fußball, Eishockey und Darts: Diese Live-Streams gibt es im Netz

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Fußball, Eishockey und Darts. Wir haben geschaut, welche Live-Streams es zu welchen Sportarten und Randsportarten gibt.

München - Fußball, Eishockey und Darts. Wir haben geschaut, welche Live-Streams es zu welchen Sportarten und Randsportarten gibt.

Es ist ein Werktag. Es ist Vormittag. Eine Zeit, in der es schwerfällt, in irgendeinem Fernsehkanal eine Live-Übertragung von einem Sport-Event zu finden. Jetzt hat sogar Eurosport Wiederholungen, und bei Sport1 ist Quizzeit. Und nur für Sky spielen sie um 11 Uhr nicht Bundesliga-Fußball. Noch nicht.

Wir müssen also ins Internet. Dort, wo die Zukunft liegt, was die Präsentation von Sport betrifft – so haben wir das gehört. Anschauen, was man will. Es gibt alles. Wir wollen herausfinden: auch was Gutes? Was Überraschendes? Etwas, das unseren Horizont erweitert?

Übrigens: Wir haben bereits in einem großen Überblick zusammengefasst, welche Live-Streams legal und gratis sind

Diese Live-Streams bietet Laola1.tv

Laola1.tv ist unsere erste Anlaufstelle. Und tatsächlich: Es gibt Live-Sport um 11 Uhr.

Indian Horse Races Kalkutta ist also unsere erste Station. Bei Kalkutta denken wir an Missionsschwestern und an Armut. Pferderennen dagegen riechen nach Geld, nach sinnentleerter Zerstreuung durch Zockerei. Ob die Pferde, die da galoppieren, gut und edel sind, können wir nicht sagen. Es gibt keinen Kommentar, „unkommentierter Livestream“ ist ein Begriff, auf den man oft stößt. Würde sich nicht lohnen, für ein paar Zuschauer einen hinzusetzen, der das alles erklärt.

Zu hören bekommt man den Bahnsprecher. Man versteht zumindest, dass ein Gaul namens Speedy Gonzales das Rennen gewonnen hat. Auf den hätten wir auch gesetzt, weil der Name eine Verheißung ist. Zwischen den Rennen läuft Musik: „Dancing Queen“ – schön. Ein Instrumental von „Ein Schiff wird kommen“ – wir stutzen. Auch musikalisch herrscht Globalisierung.

European Darts Tour in Hildesheim: Die Pfeilewerfer haben es irgendwie geschafft, Kult zu werden. Nicht nur die Stars, die um die Weihnachts- und Neujahrszeit immer im legendären „Ally Pally“ spielen. Auch an einem Freitag um 14 Uhr mitten in Deutschland ist eine Halle voll und die Stimmung, als wäre es zwei Uhr nachts. Es spielt nun ein 168. der Weltrangliste aus Ungarn. Wir googeln nebenzu: In dieser Leistungsregion dürfte er dieses Jahr um die 1500 Euro Preisgeld gewonnen haben. Doch solche Hintergründe legen die beiden Kommentatoren nicht dar. Sie schildern den Wettkampf und sind aufgeregt.

Fußball aus Weißrussland: Früh erreichen wir auf unserer Rundreise den Tiefpunkt. Wir werden später auf keine Übertragung stoßen, die ungenügender wäre als diese vom Spiel der weißrussischen Premier League zwischen dem FC Granit Mikashevichi und Bate Borisow. Wir haben mit Interesse hingeklickt, weil Borisow vor vier Jahren den FC Bayern in der Champions League 3:1 geschlagen hat.

Der Stream, den wir bei Laola1.tv sehen, ist einfach nur schrecklich: Es gibt keinen Ton. Also nicht nur keinen Kommentar, sondern gar keinen Mucks. Stadionatmosphäre? Nein, einfach Stille. Wir erfahren nicht, ob Bate von links nach rechts oder umgekehrt spielt. Das Bild ist unscharf, lesen können wir, dass es 0:0 steht. Was man vom Stadion in Mikashevichi erkennt, ist es nicht gut besucht. Ob auf einem anderen Computer als unserem dieser Livestream aus Weißrussland läuft?

Eishockey aus der KHL im Live-Stream: Die Kontinental Hockey League, KHL genannt, ist die zweitbeste Liga, die es gibt – da ist sich die Fachwelt einig. Eine Art NHL des Ostens. Multinational. Wir erwischen ein Spiel von zwei Teams aus unterschiedlichen Ländern: Torpedo Jaroslawl (Russland) gegen Medvescak Zagreb (Kroatien). Eine feierliche Angelegenheit: Bevor es losgeht, werden die Hymnen gespielt. Das Bild ist gestochen scharf und professionell, in Russland läuft das im Fernsehen. Man braucht keinen Kommentator, um den Kontext des Spiels zu verstehen. Nach einem Drittel führt Jaroslawl 2:0. In der Pause wird ein Spieler interviewt, das geschieht auf Russisch. Eine Übersetzung gibt es nicht, aber wahrscheinlich sagt der Spieler: „Wir sind gut eingestellt, und genau so müssen wir weitermachen und dabei aufpassen, denn der Gegner ist gefährlich, und wir haben noch 40 Minuten vor uns.“

Handball Champions League der Frauen: Wir geraten in das Spiel HC Vardar – FTC Rail Cargo Hungaria, es geht 27:27 aus, die Ungarinnen feiern ausgelassen mit ihren Fans. Rail Cargo Hungaria ist der neue Name für die Frauenhandball-Abteilung des Traditionsvereins Ferencvaros Budapest.

Belgische Basketball-Liga: 89:97 unterliegt der Spirou Basketball Club gegen Crelan Okapi Aalstar. Der Kommentar ist auf Flämisch, er klingt professionell. Wir bedauern die Niederlage von Spirou. Das Team kommt aus Charleroi, das ein Zentrum der Comic-Zeichenkunst ist. Spirou ist eine Comicfigur.

Schottischer Fußball im Live-Stream: Inverness Caledonian Thistle – Rangers FC. Yeah! Das will man sehen. Die Glasgow Rangers sind nach ihrem Zwangsabstieg zurück in der höchsten schottischen Liga. Sie sind europaweit berühmt, da lässt Laola1.tv für den deutschen Markt extra einen deutschen Kommentator ran. Schade nur, dass es ein Rangers-Auswärtsspiel ist; zuhause haben sie 48 000 Zuschauer im Schnitt. Wir sind gerührt, dass wir eines der Comeback-Spiele der Rangers live sehen und versuchen, uns ein paar Namen zu merken. Das Spiel selbst reißt nicht mit. Der Kommentator sagt zum Abschied: „Freuen Sie sich auf kroatischen Fußball am Sonntag.“ Wir sind ermattet und freuen uns nicht. Und schauen auch nicht. Gibt ja noch andere Sportarten,

Koreanisches Frauen-Volleyball: Wenn es in Asien abends ist, haben wir Vormittag. Und an einem Samstag Muße für die V-League und das Team Korea Express, das es mit dem IBU Altos Volleyball Club aufnimmt. Eine Übertragung auf hohem Standard. Mit vielen Schnitten auf die Spielerinnen, die längst nicht mehr alle Koreanerinnen sind. Die Trainer führen ein straffes Regiment, und Kommentator und Co-Kommentatorin erklären das alles ganz genau. Vermutlich. Denn sie sprechen Koreanisch. Auch die Werbung in den Pausen ist die aus dem koreanischen Fernsehen. Wir bilden uns, als wären wir auf einer realen Reise. Frauen-Volleyball kann man sich immer ansehen. Wir geraten auch noch in ein russisches Männerspiel, Kuzbass Kemerowo gegen Fakel Nowy Urengoy, und stellen fest, dass alles verwestlicht ist: Es tanzen die Cheerleader, als Musik läuft „I Will Survive“. Fazit: Die Stimmung in einer Halle wird überall auf gleiche Weise gesteuert.

DAZN bietet internationalen Fußball im Live-Stream

Manchester-Derby: Gibt es im Internet auch mal einen richtigen Kracher? Auf den Gratis-Portalen selten, dort, wo man bezahlen muss, häufiger. Recht massiv tritt DAZN auf, das man „Da Zone“ sprechen soll. Eine Streaming-Plattform der Perform-Group, die bei der letzten Bundesligarechte-Vergabe ein Paket bekommen hat. Vor allem aber sieht DAZN sich als die Abspielstation für internationale Fußballligen wie Premier League und Serie A. Und Handball. Und Basketball und Eishockey von drüben, aus Profiland Amerika.

DAZN nennt sich „Netflix des Sports“ und wirbt aggressiv. In Bahnhöfen war zu lesen, dass, wenn Fußball eine Religion sei, er nun eine Kirche habe. Oder der Handball-Spruch: „Bälle mit 120 km/h – fast so schnell wie dein Puls.“ Inhaltlich ja etwas missglückt – absichtlich, damit man darüber spricht?

Manchester United – Manchester City, Jose Mourinho gegen Pep Guardiola, an einem Samstagnachmittag – das soll die große DAZN-Show werden. Da buchen manche ihren Probegratismonat (sonst 9,99 Euro) – und sind maßlos enttäuscht. Überlastung – kein Stream – die Smartphone-Displays, Tablet- und Computerbildschirme bleiben dunkel. Nächster großer Aussetzer einen Monat später, als alle Klopp und Liverpool gegen United sehen wollen. Die User grollen noch.

Sportdeutschland.tv zeigt alle möglichen Sportarten im Live-Stream

Eishockey-Jugendspiel: Die beste Nachwuchsarbeit in Deutschland betreiben die Jungadler Mannheim. Sie streamen auch alles, sogar wenn ihre U 14 gegen die Buben von den Stuttgart Devils spielt. Da will man doch mal auf sportdeutschland.tv sehen, wie es um die Zukunft des Pucksports bestellt ist. 10:2 steht es nach zwei Dritteln, die Übertragung erfolgt mit einer Kamera, wenigstens gibt es eine Ergebniseinblendung. Auch die Drittelpause wird live übertragen. Wie vor vierzig Jahren im Schweizer Fernsehen die Nachmittagsspiele beim Spengler Cup, dem Turnier von Weihnachten bis Silvester. Es hatte etwas der Jahreszeit entsprechendes Meditatives, dem Zamboni bei der Eisbereitung zuzusehen.

Telekom zeigt DEL Eishockey im Live-Stream

Richtiges deutsches Eishockey: Hat – nach Basketball – die Telekom gekauft. Alle Spiele im Livestream. Was auffällt: Zwischendurch wird das Bild unscharf – und der Moderator muss ganz schön schuften. Nach jedem Drittel muss er auch noch einen Spieler interviewen, der ein Headset aufgesetzt bekommt. Mit wem er spricht, sieht der Spieler nicht, die Augen gehen nach oben, sie suchen das Stadion ab.

Billard schon vor halbzehn: Das ist was für die Freaks. Alles von der Deutschen Meisterschaft in der Disziplin Karambol live. Die ganze Welt kann dabei sein in der Wandelhalle in Bad Wildungen in Nordhessen. Geht über neun Tage, 39 Meister werden ermittelt. Man kapituliert schnell vor dieser Menge. Wir sehen das Spiel von Christian Rudolph (Bottrop) gegen Ronny Lindemann (Witten). Eine Kamera, sie hat Probleme mit dem Licht, die Spieler erscheinen als Silhouetten. Was wir lernen: Beim Billard darf Musik laufen. Die Red Hot Chili Peppers stören die Konzentration offensichtlich nicht.

Sport in den Live-Streams von ARD und ZDF

Öffentlich-rechtlicher Stream: die Mediathek von Das Erste und die ZDF-Mediathek: Bei den Olympischen Spielen haben die beiden Großen ihre Resterampe nicht mehr auf ihre Digitalkanäle (wie Eins Festival oder ZDF info) gestellt, sondern ins Netz. Ein In-Hülle-und-Fülle-Programm, wo man etwa Reiten auch im Ersten (Internet) verfolgen konnte, obwohl es offiziell im Zweiten (Fernsehen) kam. Aber man wollte lieber den Freak am ARD-Mikrofon, Carsten Sostmeier, hören.

Schach-WM: Früher haben wir Witze gerissen, dass eines Tages auch noch übertragen würde, wie zwei Menschen einfach nur dasitzen und vor sich hin denken. Der Schwach-Weltverband hat einen eigenen Stream zum derzeitigen Titelkampf Carlsen – Karjakin eingerichtet. Mit 360-Grad-Kamera, Kommentierung des ehemaligen Wunderkindes Judith Polgar. Wahrscheinlich kommen die Züge auch noch in Zeitlupe und aus diversen Perspektiven. Das Bewegtbild kostet aber 15 Dollar extra, dafür sind wir zu geizig und zu wenig klötzchenschieberaffin und begnügen uns mit der abgespeckten Version des Gratis-Livestreams ohne Bilder von den Spielern. Man sieht nur ein Feld, die Figuren und wie die Uhr läuft. Carlsen überlegt einmal über zwölf Minuten, fasziniert schauen wir zu, wie die Uhr nicht aufhören will. Wir spüren die Panik und dass der Herr Weltmeister verlieren wird. Und ja: Dieses Match verliert er.

Fazit: Vieles gibt’s legal zu sehen, sicher manches illegal (aber weil wir ordentlich und gesetzestreu sind, haben wir das nicht getan). Mancher Stream ist purer Dilettantismus und dürfte ein Publikum finden, das nicht größer ist als der Familienkreis beim Dia-Abend (falls jemand das noch kennt). Damit etwas live flimmert, nehmen wir eine Qualität hin, über die wir uns beim Fernsehen vor 40 Jahren echauffiert hätten.

Andererseits: Wir gehen auf Entdeckungsreisen. In ferne Länder, in ferne Sportarten, wir tauchen auch ab in der Provinz. Man gerät in Rauschzustände – die aber schnell verfliegen.

Computer irgendwann zu – und am Ende die Erkenntnis: Fernsehen genügt.

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