tz-Interview mit Günter Younger

Ein Münchner wird Doping-Jäger Nummer 1

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Günter Younger.

München - Ein Bayer bekämpft Doping! Günter Younger tritt am 3. Oktober in Montreal seine neue Stelle als Chefermittler der Welt-Anti-Dopingagentur WADA an, die tz besuchte den Polizisten noch in seinem alten Büro im Bayerischen Landeskriminalamt.

Geboren ist der Younger als Günter Seibold in Plattling. Über den Umweg Europol in Den Haag und Interpol in Lyon landete der 49-Jährige wieder beim LKA, wo er aktuell noch Leiter des Dezernats Cyber Crime ist. Den internationalen Nachnamen hat er seiner neuseeländischen Frau zu verdanken.

Herr Younger, Sie scheinen noch an einen Erfolg im Anti-Dopingkampf zu glauben?

Younger: Wenn es anders wäre, hätte ich mich nicht für den Job beworben. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit WADA-Generaldirektor Olivier Niggli, ihn kenne ich noch aus meiner Zeit bei Interpol. Bei der Polizei ist es wichtig, sich ein großes Netzwerk aufzubauen, Ähnliches gilt für den Anti-Dopingkampf.

Ihr Vorgänger Jack Robertson war Einzelkämpfer, erleiden Sie dasselbe Schicksal?

Younger: Ich hatte ein paar Bedingungen, dazu zählt ein Team, aber mir ist bewusst, dass ich nicht mit zehn bis zwölf Mitarbeitern anfangen kann. Die WADA hat das Problem, das sie mehr finanzielle Unterstützung braucht. Es ist auch utopisch, dass die WADA in Zukunft alle Ermittlungen übernimmt. Mein Ziel ist es, die nationalen Agenturen zu stützen, Informationen zu sammeln und gegebenenfalls selbst aktiv zu werden, sollte sich ein größeres Netzwerk abzeichnen.

Ist es realistisch, dass Doping ganz verschwindet?

Younger: Wir werden das Dopingproblem nicht zu 100 hundert Prozent in den Griff bekommen, das galt und gilt auch für den Kampf gegen Drogen. Aber durch gewisse Maßnahmen erhöhen wir das Entdeckungsrisiko. Je komplizierter es ist, zu betrügen, desto eher finden sich Spuren, die man verfolgen kann.

Sie waren Teil der WADA-Untersuchungskommission, die das russische Sportsystem ins Wanken gebracht hat. Wie wichtig sind in Zukunft Whistleblower wie das Ehepaar Stepanow?

Younger: Die Stepanows waren nur einer von zehn Komplexen bei unseren Ermittlungen, aber ich wusste, dass sie der Schlüssel sind. Ich dachte zuerst, vielleicht drängt Witali seine Frau Julia etwas, aber sie war die starke Persönlichkeit. Ich habe selten einen Zeugen gehabt, der sich die Details, die auf den Videos waren, so genau merken konnte. Julia war ein Traum von einem Zeugen, sie glaubt wirklich, dass sie etwas verändern kann. Whistleblower müssen allerdings bestmöglichst geschützt werden. Dass die Stepanows so exponiert in den Medien standen, hat mir als Polizist nicht gefallen, auch wenn sie das selbst wollten. Man hätte die Filme auch ohne sie verwenden können, jetzt gelten sie für viele Russen als Gesicht des Verrats.

Was wird Ihr erstes Projekt sein?

Younger: Ich muss mich erst akklimatisieren und schauen, wie alles aufgebaut ist. Dann will ich einen ganzheitlichen Ansatz im Bereich Ermittlungen finden und sehen, wie ich die einzelnen Bausteine wie die NADAs, die Whistleblower und den Blutpass am besten nutzen kann, ein genaues Projekt gibt es noch nicht.

Kann der Sport die ­WADA finanziell alleine am Leben halten?

Younger: Die WADA hat ein Budget von rund 26 Millionen Dollar, das klingt im ersten Moment vielleicht viel, aber wenn man weiß, wie viel Geld im Sport umgesetzt wird, ist es wenig. Aktuell wird wie WADA zur Hälfte von den Mitgliedsländern finanziert, das Problem daran ist: Einerseits fragt die WADA nach Geld, auf der anderen Seite müssen sie den Ländern – wie jetzt Russland – auf die Finger klopfen. Das ist ein Dilemma.

Es gibt leichtere Jobs als den des WADA-Chefermittlers.

Younger: Wahrscheinlich, aber ich freue mich auf das Neue und die verschiedenen Kulturen, das kenne ich von Interpol. Die einen reden mehr, die anderen reden wenig, manche reden gar nichts, da muss man sich was anderes überlegen, das reizt mich.

Hat Sie das Ausland immer schon gereizt?

Younger: Heimweh kenne ich nicht. Mit fünf oder sechs Jahren habe ich alleine meinen Koffer gepackt, und bin mit dem Zug von Passau nach München und habe meine Mutter bei der Arbeit besucht. Zudem war ich als Kind auf vielen verschiedenen Internaten in Niederbayern, ich bin immer herumgekommen. Auf meinen Job übertragen: Internationale Ermittlungen leiten, das kann ich. Auf Bairisch gesagt: Das ist genau mein Wetter.

Sie haben kürzlich geheiratet. Ihr neuer Nachname (Younger statt Seibold, d. Red.) dürfte im Ausland vieles vereinfachen, oder?

Younger: Ich dachte mir, warum sollen immer die Frauen ihren Namen ablegen. Ich finde, Younger steht mir sehr gut. Und tatsächlich wissen fast alle, wie man das schreibt, bei Seibold sind teils abenteuerliche Namen herausgekommen.

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