Hambüchen mit "super Gefühl" nach Reck-Triumph

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Fabian Hambüchen holte in Baku Gold am Reck. Foto: Bernd Thissen

Silber am Boden ist für Fabian Hambüchen "abgefahren", am Reck darf der Turn-Star sogar über Gold jubeln. Mit zwei Medaillen verabschiedet er sich von den Europaspielen. Und auch eine Teamkollegin sichert sich zum Abschluss Edelmetall.

Baku (dpa) - Lautstark sang Fabian Hambüchen die Nationalhymne, nach den letzten Takten schaute er zur Hallendecke und schloss die Augen. Mit seiner Reck-Gala bescherte der Top-Star nicht nur den deutschen Kunstturnern einen krönenden Abschluss ihrer Europaspiele.

Ergriffen feierte der frühere Weltmeister auch seinen ersten internationalen Einzel-Titel seit 2009. "Ich habe schon lange wieder auf diesen Moment gewartet, alleine und dann auch noch am Reck", schwärmte Hambüchen nach dem überlegenen Sieg am Samstag in Baku. "Es war einfach ein Super-Gefühl, ich hab es echt vermisst und es ist schön, dass ich das seit langem mal wieder hatte." Vor fünf Jahren hatte er auf internationaler Bühne zuletzt die deutsche Hymne nach dem Mehrkampf-Gold mit dem Team gehört.

Mehr als drei Stunden nach Silber am Boden sicherte sich der 27-Jährige nun die Goldmedaille an seinem Paradegerät. In Abwesenheit des Olympiasiegers und Dauer-Widersachers Epke Zonderland wurde er mit 15,533 Punkten vor dem Griechen Vlasios Maras (15,366) seiner Favoritenrolle gerecht. "Es ist der Hammer, unglaublich. Es bedeutet mir echt viel", sagte er. "Ich bin überglücklich, dass das geklappt hat. Dass es heute hier so hinhaut, hätte ich nie erwartet."

Zudem rundete Sophie Scheder als Zweite am Stufenbarren einen gelungenen Auftritt der deutschen Geräteturn-Riege mit insgesamt vier Medaille bei den Premieren-Kontinentalspielen ab.

Für das achte Gold der deutschen Europaspiele-Mannschaft sorgten die Wassersprung-Juniorinnen Louisa Stawczynski und Saskia Oettinghaus im Synchron-Wettbewerb vom Drei-Meter-Brett.

Schon vor der Reck-Gala hatte Hambüchen überzeugt. Dank seiner besten Boden-Leistung bei den Kontinentalspielen musste er sich in der ersten Disziplin des Tages nur Rayderley Miguel Zapata Santana aus Spanien (15,333) geschlagen geben. "Die war sehr wichtig. Man kann nie sagen, wie es gelaufen wäre ohne die Boden-Medaille. Aber es war natürlich ein Traum", erklärte Hambüchen zur Bedeutung des Starts.

Er war lediglich mit der sechstbesten Vorkampfwertung in das Boden-Finale der besten Sechs gegangen. Am Reck dominierte er auch trotz einer schmerzhaften Blessur des linken Mittelfingers. Am Montag steht nach dem Rückflug in die Heimat nun eine Kernspinuntersuchung an, bei der die Schwere der Verletzung festgestellt werden soll.

Scheder hatte ebenfalls mit einer Blessur von den Europaspielen zu kämpfen. Trotz eines komplett abgetapten rechten Oberarms zeigte sie am Stufenbarren eine starke Vorstellung und lag mit 15,200 Punkten um 0,200 Zähler hinter der überragenden Russin Alija Mustafina, die insgesamt dreimal Gold gewann.

"Ich war so erleichtert und so happy, dass kann man sich gar nicht vorstellen", schwärmte die 18-jährige Scheder über ihr zweites Silber nach dem Team-Wettbewerb. "Im Unterbewusstsein hatte ich Angst, dass es doch wieder schief geht und dass vielleicht doch wieder der vierte Platz dabei rauskommt." Im Mehrkampf war sie noch von ihrem Paradegerät gestürzt, hatte sich den rechten Ellenbogen verletzt und Bronze knapp verpasst. Beim Einzel-Wettkampf ging sie dann auf Nummer sicher und verzichtete auf das schwierige Hindorff-Flugelement.

Am Schwebebalken reichte es nur knapp nicht zu ihrem dritten Edelmetall. Nach leichten Unsicherheiten kam Scheder beim Sieg der Niederländerin Lieke Wevers auf Rang vier, zur Schweizerin Giulia Steingruber und Bronze fehlten nur 0,034 Zähler. "Das ist für mich Nebensache, ich habe jetzt die Medaille im Koffer", sagte Scheder.

Zuvor hatte Monika Karsch die dritte Medaille für die deutschen Sportschützen geholt. Die 32-Jährige setzte sich mit der Luftpistole über 25 Meter im Duell um Bronze gegen die Russin Julia Alipowa mit 7:5 durch. Nicht zu bezwingen war die siegreiche Schweizerin Heidi Diethelm Gerber.

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