Handball: Dänemark holt EM-Titel

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Der Däne Rasmus Schmidt Lauge (M) wird von Rene Toft freigesperrt und überwindet die Serben Nenad Vuckovic (r) und Nikola Manojlovic (l).

Belgrad - Dänemarks Handballer sind zum zweiten Mal nach 2008 Europameister. Damit hat sich das Team auch für die Olympischen Spiele qualifiziert. Die Serben waren nach der Niederlage am Boden zerstört.

Auf dem Siegerpodest hatten auch die Verlierer ihr Lachen wiedergewonnen. Im Blitzlichtgewitter und unter dem Jubel der Fans wollten die serbischen Handballer gar nicht das Podium räumen für die Europameister aus Dänemark. „Ich bin auf jeden Fall ganz stolz. Wir haben den Handball wieder dahin gebracht, wo er früher einmal war“, sagte Momir Ilic. Eine halbe Stunde zuvor hatte der EM-Gastgeber am Sonntag vor der stimmungsvollen Kulissen von 20 000 Zuschauern das Endspiel mit 19:21 (7:9) verloren - der Traum vom Gold und der ganz großen Party für drei Final-Triumphe war geplatzt.

Dänemarks Handballer hingegen fahren als Europameister zu den Olympischen Spielen nach London. Für sie war es als Nachfolger von Frankreich der zweite EM-Titel nach 2008. „Ich kann auch in einem alten T-Shirt feiern. Das ist unfassbar. Wir waren so kurz vor dem Rausfliegen aus dem Turnier und alle über Fiasko und Katastrophe gesprochen, und jetzt stehen wir hier mit“, sagte Thomas Mogensen von der SG Flensburg-Handewitt. Er startete den Party-Marathon mit einem Jacket über dem durchgeschwitzten Trikot, das ihm der frühere Nationalspieler Joachim Boldsen übergeworfen hatte.

Doch auch Serbiens Sportfans hatten Grund zum Feiern: EM-Silber war der größte Erfolg der Handballer seit dem WM-Titel für Jugoslawien 1986. Zuvor hatten am „serbischen Sonntag“ Tennis-Held Novak Djokovic bei den Australian Open und die Wasserballer bei der EM in Eindhoven ihre Endspiele gewonnen. Am Montagabend wollen Handballer, Wasserballer und wenn möglich auch Djokovic gemeinsam in Belgrad auf dem Rathausplatz feiern.

Kroatien hatte sich die Bronzemedaille durch einen ungefährdeten 31:27 (13:12)-Erfolg im „kleinen Finale“ gegen Spanien geholt. Das Bundesliga-Trio Blazenko Lackovic (Hamburg/8), Ivan Cupic (Rhein-Neckar Löwen/7/3) und Igor Vori (5) warf die meisten Tore für die Kroaten. Für den WM-Dritten Spanien traf Daniel Sarmiento (7) am besten. Die deutsche Mannschaft hatte die EM als Siebter beendet.

Schon während des Spiels um den dritten Platz brandeten unvermittelt Jubel, Beifall und „Serbien, Serbien“-Rufe auf. Noch bevor der Hallensprecher den Grund dafür verkündete, wussten die Zuschauer auf den Rängen Bescheid: Tennis-Star Novak Djokovic hatte im fernen Melbourne das Finale der Australian Open gegen Rafael Nadal gewonnen. Kurz vor Anpfiff des Finals kam dann die zweite frohe Kunde für Serbiens Sportanhänger: Die Wasserballer hatten EM-Gold geholt.

Im Endspiel dann ging es für die serbischen Handballer nicht nur um Gold und Ehre, sondern auch um die Altersversorgung. Schon durch den Einzug ins Finale hatten sich die Mannen um Kapitän Momir Ilic eine Rente verdient, die sie mit einem Erfolg gegen Dänemark aufstocken wollten. „Jetzt ist nur noch die Frage, wie hoch sie wird. Wenn es Gold wird, ist es mehr“, berichtete der Rückraumspieler vom deutschen Rekordmeister THW Kiel. Wenn die Spieler 40 Jahre alt sind, wird die Pension ausgezahlt. „Das heißt, ich muss noch 20 Jahre abwarten“, scherzte Ilic, der sein wahres Alter von 30 Jahren ignorierte.

Von Anpfiff an aber waren es die Dänen, die dem Finale ihren Stempel aufdrückten und beim 8:5 (23.) erstmals mit drei Toren vorn lagen. Dabei konnten sich die Serben einmal mehr bei ihrem Weltklasse-Torhüter Darko Stanic bedanken, dass der Rückstand zu Pause nur 7:9 betrug. Mit großer Moral stemmten sich die Gastgeber auch nach dem 12:16 (47.) gegen die drohende Niederlage. Am Ende jedoch erfolglos.

Das Spiel um Bronze war zwei Tage nach ihrem Halbfinal-K.o. gegen Serbien eine unerwartet überlegene Angelegenheit für die Kroaten. Nach dem 9:4 (15.) geriet die Führung des WM-Fünften nur noch einmal in Gefahr, als die Spanier kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit zum 13:13 (31.) ausglichen. Doch die Kroaten konterten umgehend, setzten sich auf 22:16 (43.) ab und brachten den Vorteil mit großer Routine und Cleverness über die Zeit. „Wir sind nach dem Spiel gegen Serbien psychisch völlig abgestürzt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir wieder so aufstehen. Wir haben gezeigt, dass wir echte Freunde sind“, sagte Igor Vori vom deutschen Meister HSV Hamburg.

dpa/SID

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