Europameister verliert gegen Katar

Ernüchterung bei deutschen Handballern

Deutschlands Finn Lemke (r) kämpft um den Ball gegen Katars Kamalaldin Mallash.
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Deutschlands Finn Lemke (r) kämpft um den Ball gegen Katars Kamalaldin Mallash.

Berlin - Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) verlor ihr zweites Testspiel gegen Katar in Berlin mit 24:26 (11:14) und musste sich erstmals als Europameister geschlagen geben.

Ernüchterung nach der Gala, die deutschen Handballer sind auf dem harten Boden der Realität gelandet: Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) verlor ihr zweites Testspiel gegen Katar in Berlin mit 24:26 (11:14) und musste sich erstmals als Europameister geschlagen geben. Zwei Tage zuvor hatte die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson den Vize-Weltmeister in Leipzig noch mit 32:17 aus der Halle gefegt.

„Wir haben etliche Chancen ausgelassen und viele technische Fehler gemacht“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer bei Sport1. „Auch meine Leistung hat bei weitem nicht herangereicht an die von Freitag“, ergänzte Torwart-Titan Andreas Wolff: „Das geht mir schon sehr nahe, das ist wieder eine verpasste Chance, sich für Olympia in Rio zu zeigen.“

Genau diese Einstellung kritisierte Sigurdsson am Sport1-Mikrofon. „Wenn man dauernd gefragt wird, ob das hier ein Olympia-Casting ist, dann verliert man irgendwann den Kopf“, sagte der Bundestrainer, der mit der Leistung seiner Mannschaft „sehr unzufrieden“ war: „Wir verlieren nur, weil wir mental nicht vorbereitet waren. Keiner war bereit, den Kampf anzunehmen, wir sind bei allem, was wir getan haben, immer einen Schritt zu spät gewesen.“

Dabei hatten 9000 Besucher in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle Sigurdsson schon vor Spielbeginn gefeiert. Die Partie galt als offizielles Abschiedsspiel für den Isländer, der die Füchse Berlin von 2009 bis Sommer 2015 betreut hatte. „Danke für euer Kommen. Lasst uns das Spiel gewinnen“, lautete Sigurdssons kurzer Gruß. „Wir wollten Dagur einen erfolgreichen Abschied von den Füchsen schenken“, sagte Wolff: „Das ist uns leider nicht gelungen.“

Gensheimer (4) war bester Werfer der Gastgeber, die im zweiten Duell große Mühe hatten. Katar kam im Vergleich zu Freitag besser in die Partie, führte mit 5:3 (11.) und 7:6 (15.). Die Gäste spielten variabler, hatten wenig Probleme mit dem vorgezogenen Patrick Groetzki und ließen Andreas Wolff einige Male schlecht aussehen.

Erst in der 18. Minute gelang dem deutschen Team der Ausgleich zum 7:7 per Siebenmeter durch Gensheimer. Das Spiel blieb offen. Sigurdsson wechselte munter durch, ohne vorne das richtige Rezept gegen die kompakte Abwehr zu finden. Zu oft scheiterten seine Schützlinge am katarischen Schlussmann Ahmed Abdelrhem. Kurz vor der Pause ersetzte Sigurdsson Wolff durch Carsten Lichtlein. Der Routinier hielt gleich einen Siebenmeter, sodass es mit 11:14 in die Pause ging.

Lichtlein, Wolff und auch der Berliner Silvio Heinevetter streiten um die Torwart-Plätze für Olympia. Mit den beiden Spielen gegen Katar hatte Sigurdsson den Kampf um die Olympia-Tickets ausgerufen. Nur 14 Kader-Plätze stehen für die Spiele in Rio (05. bis 21. August) zur Verfügung.

Auch die weiteren Rückkehrer wie Gensheimer, Groetzki und Paul Drux, die allesamt verletzungsbedingt bei der EM gefehlt hatten, konnten im Konkurrenzkampf Punkte sammeln. Im zweiten Durchgang hielt Katar die Führung mit 18:12 (36.) und 23:17 (50.) konstant. Die zuvor so gelobte deutsche Abwehr fand weiter kein Mittel gegen die wuchtigen Würfe aus dem Rückraum der Katarer, die ihre Ambitionen auf eine Olympia-Medaille unterstrichen.

Sollte das deutsche Team weiter so wechselhaft auftreten, dürfte es bei Olympia in Rio schwer werden mit einer Medaille, auch wenn Torwart-Titan Wolff selbst Gold für möglich hält. Er geht nach dem EM-Sieg davon aus, „dass man bei Olympia in Rio auch gewinnen kann. Dass Gold keine Utopie ist“, sagte der 24-Jährige der Süddeutschen Zeitung.

Abseits des Parketts gab es gute Signale aus der DHB-Führung. Im Streit um eine Übertragung der WM 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen habe man nach Sondierungsgesprächen mit Weltverbandspräsident Hassan Moustafa eine Annäherung erreicht. Noch ist der Stand so, dass die WM in Frankreich im kommenden Jahr nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein wird.

sid

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