Handballer vor dem Ende?

Pleitegeier über Elbe: HSV stellt Insolvenzantrag

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Geht schweren Zeiten entgegen: HSV-Geschäftsführer will die Insolvenz weiter mit aller Macht verhindern.

Hamburg - Der HSV Handball steht anscheinend kurz vor dem Aus. Die Hanseaten haben nun einen Insolvenzantrag gestellt. Greift der frühere Mäzen dem Klub unter die Arme?

Schluss, Aus - oder doch kein Ende? Der Krisen-Klub HSV Hamburg stellte am Mittwoch einen Insolvenzantrag, kämpft aber weiter ums Überleben. Im Etat klafft eine Millionen-Lücke, die Spieler warten auf ihre Gehälter, die Gläubiger üben Druck aus und das Amtsgericht Hamburg übernimmt die Kontrolle über die Bücher - doch der Spielbetrieb soll so lange wie irgendwie möglich aufrecht erhalten werden. Nach SID-Informationen ist zumindest die Bundesliga-Partie am Sonntag gegen den SC Magdeburg (15.00 Uhr) nicht gefährdet. 

Geschäftsführer Christian Fitzek überbrachte seinen Mitarbeitern die traurige Nachricht über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens am Mittwochnachmittag. Bis zuletzt hatte er für die Rettung gekämpft, um 14.28 Uhr betrat Fitzek - blaue Jacke, graue Hose, bleiches Gesicht - dann die Geschäftsstelle. "Nein", sagte er dem SID, er wolle sich nicht zur dramatischen Entwicklung an der Elbe äußern. Zur gleichen Zeit beriet sich nach SID-Informationen Liga-Boss Frank Bohmann mit dem Insolvenzverwalter. Ohne den kann Fitzek beim HSV keine wichtigen Entscheidungen mehr treffen.

Damit hatten am Mittwoch die Chaos-Tage beim HSV Hamburg ihren unrühmlichen Höhepunkt erreicht. Der deutsche Meister von 2011, der Champions-League-Sieger von 2013, der einstige Herausforderer des Rekordmeisters THW Kiel liegt endgültig am Boden. Bis zuletzt hatten die Hanseaten auf eine erneute Finanzspritze des Hauptsponsors und langjährigen Mäzens Andreas Rudolph gehofft.

Rudolph hält Rettung für ausgeschlossen

Doch der millionenschwere Medizintechnik-Unternehmer winkte angesichts der verfahrenen Finanzlage ab. "Meiner Meinung nach sind sie nicht mehr zu retten", hatte Rudolph dem NDR bereits in der vergangenen Woche gesagt. Er soll bis zu 40 Millionen Euro über Sponsoring und andere Zuwendungen in den Klub gepumpt haben.

Am Mittwoch lehnte auch der letzte Hoffnungsträger Jürgen Hunke (72) einen Einstieg als Investor bei den Hanseaten dankend ab. "Ich bin bestimmt nicht der Retter", sagte der Unternehmer dem Hamburger Abendblatt. Und dem SID sagte er, dass er gar nicht so viel Geld hätte, um bei der Betriebsgesellschaft einzusteigen. Denn der Schuldenberg türmt sich immer weiter auf. Die akute Finanzierungslücke des HSV liegt bei rund zwei Millionen Euro, bis Saisonende wäre mindestens noch einmal der gleiche Betrag nötig.

Im Falle einer Insolvenz dürfte der HSV laut Statuten der HBL mit einem Abzug von zwölf Punkten bestraft werden. Die Existenz des Klubs wäre in höchster Gefahr, eine Lizenz für die kommende Saison höchst unwahrscheinlich. Dennoch bleibt den Hanseaten ein kleines Hintertürchen für eine Zukunft in der Bundesliga auch über die laufende Saison hinaus offen. "Eine neue Lizenz könnte mit einem neuen wirtschaftlichen Träger beantragt werden", hatte Bohmann bei NDR Info gesagt - bis Mitte April müssten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bereinigt sein.

Brand: "Hamburg als Handball-Stadt etabliert"

"Wenn das tatsächlich dazu führen sollte, dass der HSV aus der ersten Liga verschwindet, sehe ich das als sehr schlecht für den Handball an", sagte der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand bei Sky Sport News HD über die Entwicklung: "Hamburg hatte sich in den letzten zehn Jahren als Handball-Stadt etabliert, der Verlust wäre natürlich schade." 

Das Team trifft die bittere Nachricht bis ins Mark. Trotz ausstehender Gehaltszahlungen seit zwei Monaten hatte sich die Mannschaft um Torhüter Johannes Bitter und Kapitän Pascal Hens in den vergangenen Wochen nicht hängen lassen und war mit beeindruckenden Siegen gegen Melsungen und Berlin auf Platz fünf geklettert. Die Stars können wegen der ausstehenden Gehälter den Klub nun ablösefrei verlassen.

Hoffen auf Rudolph oder Mister X

Auch für die gesamte Liga ist das finanzielle Aus des HSV ein schwerer Nackenschlag, der sich negativ auf das Image der HBL auswirkt. "Es werden nicht nur die Interessen des HSV Handball berührt, sondern auch die aller anderen Vereine und die der HBL", hatte Bohmann zuletzt gesagt.

Der HBL-Chef hatte bis zuletzt gehofft, dass die Hanseaten wie in den vergangen Jahren noch die Kurve kriegen. "Herr Rudolph könnte ein Weg sein, aber es gibt auch viele andere", meinte Bohmann. Bislang hat der HSV aber keinen Weg aus der existenziellen Krise gefunden.

sid

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