HSV kleinlaut: Torbilanz "eigentlich eine Katastrophe"

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Die Lage von HSV-Spieler Petr Jiracek spricht Bände: Der Traditionsverein liegt am Boden. Foto: Caroline Seidel

Gelsenkirchen (dpa) - In sechs Worten offenbarte Nicolai Müller den gesamten Frust des einst so stolzen Hamburger SV: "Das ist natürlich eigentlich eine Katastrophe."

Da wird der Fußball-Bundesligist nach dem Fast-Abstieg für nahezu 30 Millionen Euro runderneuert, schafft den Umschwung trotz umfangreicher Personalrochaden im Trainer- und Funktionärsbereich nicht, dümpelt weiter der 2. Liga entgegen - und erzielt in 17 Hinrundenspielen gerade einmal neun Trefferchen.

Der ehemalige Mainzer Müller konnte es nach dem zu dieser peinlichen Bilanz passenden 0:0 vor 61 973 Zuschauern bei Schalke 04 kaum fassen, dass ein Team mit derartigen Darbietungen 17 Punkte holen kann und auf einem Nicht-Abstiegsplatz steht. Das war auch nach dem 17. Spieltag der Vorsaison so, allerdings mit anderen Zahlen. Damals, als der später von Mirko Slomka abgelöste Bert van Marwijk noch das sportliche Sagen beim "Dino" hatte, waren es bei 16 Zählern 33:38 Tore, also im Vergleich zur aktuellen Situation eine sehr akzeptable Offensiv- und eine schlimme Defensiv-Präsentation des Teams.

Und heute? Fordert Slomka-Nachfolger Josef Zinnbauer nicht zwangsweise neue Spieler ("Das ist nicht meine Baustelle"), hat aber einen unerfüllbaren Weihnachtswunsch: "Ich hätte gern mehr Punkte und mehr Tore." Die aktuellen neun wurden in der Erstliga-Historie nur von Eintracht Frankfurt (1988/1989) und Tasmania 1900 Berlin (1965/1966) mit jeweils acht unterboten. Und die zwei Hinrunden-Auswärtstreffer der Hanseaten kann bislang nur Borussia Mönchengladbach mit null (!) in der Saison 1996/1997 negativ toppen.

Da erschien es schon ein wenig seltsam, dass Zinnbauer seine Profis einen Tag früher als geplant in den Urlaub entließ. "Die Mannschaft hat auf Schalke eine gute Reaktion gezeigt, ich war mit der Leistung zufrieden und habe deshalb so entschieden", erklärte der Coach am Sonntag via Club-Homepage.

Dabei wissen die Hamburger, dass sich im Nach-WM-Jahr vieles wandeln muss. Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer will "keinen Tag liegen lassen" und sich mit Sportchef Peter Knäbel und Zinnbauer "auch in den Tagen um Weihnachten und Silvester intensiv um die Fortentwicklung der Mannschaft kümmern".

Der HSV ist genügsam und kleinlaut geworden. Stellvertretend dafür stand Lewis Holtbys bemühter Optimismus. "Wir sind nicht abgeschlagen Letzter", sagte der Ex-Schalker. "Immerhin haben wir einen Punkt mehr als im letzten Jahr. Wir sollten positiv denken. "

Das will auch Schalke, das sich unter Jens Kellers Nachfolger Roberto Di Matteo trotz der Heim-Punktverluste beim 1:2 gegen Köln und nun beim torlosen Remis gegen Hamburg deutlich stabilisiert hat. "Wir haben uns taktisch weiterentwickelt, wir sind gefestigt als Mannschaft und haben ein besseres Auftreten", registrierte Weltmeister Benedikt Höwedes.

Dass sich die Königsblauen nach dem peinlichen Erstrunden-Pokal-Aus beim Drittligisten Dresden berappelten, dass sie trotz vieler Ausfälle im Achtelfinale der Champions League stehen und in der Liga eine gute Rolle spielen, macht zufrieden: "Wir stehen mit Leverkusen und Gladbach auf Augenhöhe", meinte Kapitän Höwedes. Und Manager Horst Heldt ergänzte anerkennend: "Wir sind oben mit dabei."

Und das vor allem dank der neun Treffer von Eric-Maxim Choupo-Moting und der sieben von Klaas-Jan Huntelaar im bisherigen Saisonverlauf. Das ist mehr als die Hälfte aller Schalker Tore (28) und beweist, dass es irgendwie besser zusammenpasst, seitdem der einstige Königsklassen-Gewinner Di Matteo sein 3-5-2-System mit den Top-Angreifern Choupo-Moting und Huntelaar etabliert hat.

Da konnte der 31-jährige Niederländer wohl nicht anders und bleibt in Gelsenkirchen: Sein seit 2010 bestehender Kontrakt wurde bis 2017 verlängert. Und jetzt? Will er "noch schöne Sachen erreichen, so wie 2011, als wir Pokalsieger geworden sind. Ich möchte noch weitere Titel mit Schalke gewinnen. Wir müssen immer mehr fordern voneinander" - das wird Roberto Di Matteo liebend gern vernommen haben.

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