IOC setzt Zeichen: Infantino wird nicht IOC-Mitglied

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FIFA-Boss Gianni Infantino wurde nicht als IOC-Mitglied vorgeschlagen. Foto: Ennio Leanza

Ohrfeigen für FIFA-Präsident Infantino und IAAF-Präsident Coe: Das Internationale Olympische Komitee will die Chefs der von Skandalen erschütterten Dachverbände von Fußballern und Leichtathleten nicht als IOC-Mitglieder aufnehmen.

Lausanne (dpa) - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat ein kräftiges sportpolitisches Zeichen gesetzt. FIFA-Präsident Gianni Infantino und IAAF-Präsident Sebastian Coe werden nicht für die Aufnahme in das IOC vorgeschlagen.

Beide Namen fehlten auf der in Lausanne veröffentlichten Liste der acht Kandidaten. Fußball-Weltverbandspräsident Infantino und Coe als Chef des Leichtathletik-Weltverbands sind als neue Amtsinhaber bei der Bewältigung ihrer von Skandalen erschütterten Verbände umstritten.

"Wir haben im Mitglieder-Kontingent für Verbandspräsidenten noch vier Plätze frei", erklärte IOC-Präsident Thomas Bach diplomatisch. In der FIFA und der IAAF seien zwei neu gewählt worden, aber bei den Gymnasten und Schwimmern stünden Wahlen nach den Rio-Spielen an. "Wir wollen deshalb warten, bis wir ein vollständiges Bild haben. Außerdem gibt es unter den 28 Präsidenten weitere erfahrene Leute, die die Olympische Bewegung weiterbringen können."

Die Präsidenten von FIFA und IAAF gehörten angesichts ihrer Bedeutung im Weltsport fast immer zum Kreis der IOC-Mitglieder. Ein in den IOC-Statuten verankertes Recht ist es indes nicht. Der vorherige FIFA-Präsident Joseph Blatter und der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack, beide inzwischen tief in Skandale verstrickt, waren bis zum vergangenen Jahr IOC-Mitglieder.

Über die Aufnahme der vom Exekutivkomitee vorgeschlagenen acht Kandidaten entscheidet die IOC-Session vom 1. bis 4. August in Rio de Janeiro. Aktuell gehören dem IOC 91 Mitglieder an, 115 ist die Obergrenze.

Der Schweizer Infantino bekam offenbar für seine bislang sehr umstrittene Amtsführung die Quittung vom IOC bekommen. Am Sonntag ist er exakt 100 Tage als Blatter-Nachfolger in der FIFA-Spitzenposition - ob weitere 100 Tage dazu kommen, ist unsicher. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtet, droht Infantino eine provisorische Sperre von 90 Tagen wegen des Verdachts auf verschiedene Ethikvergehen.

Die Ethikkammer der FIFA hält sich zur Causa Infantino derzeit bedeckt, zu möglichen Voruntersuchungen bezieht sie generell keine Stellung. Ein formelles Verfahren gebe es derzeit aber nicht.

Die Anschuldigungen sind hochbrisant. Infantino soll angeblich auf dem Kongress Ende Mai in Mexiko ein Komplott gegen den schließlich zurückgetretenen FIFA-Chefaufseher Domenico Scala geschmiedet haben. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte Zitate aus einer FIFA-Councilsitzung öffentlich gemacht, die einen von Infantino betriebenen Sturz Scalas praktisch belegen würden.

"Die Nichtberücksichtigung von Seb Coe ist völlig unerwartet, weil er nach den von ihm gut organisierten Olympischen Spielen 2012 in London schon als Kandidat für das IOC galt", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. "Der Präsident der zentralen olympischen Sportart hatte quasi automatisch einen Sitz im IOC."

Allerdings machte der frühere britische Mittelstrecken-Olympiasieger und Nachfolger des von der französischen Justiz wegen Bestechlichkeit im Amt angeklagten Diack als IAAF-Krisenmanager bisher keine gute Figur. "Der Reformprozess quält sich etwas dahin", kritisierte Prokop. Abgesehen davon wollte das IOC abwarten, mit welchem diplomatischem Geschick Coe am 17. Juni die brisante Entscheidung über den möglichen Olympia-Ausschluss der Leichtathleten Russlands wegen systematischen Dopings über die Bühne bringt.

Zudem gibt es Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Lord Coe: Er war von 2007 bis 2015 IAAF-Vizepräsident unter Diack und versicherte, von den kriminellen Machenschaften des Senegalesen nichts bemerkt haben.

Ein Signal der Humanität setzte das IOC mit der Nominierung des ersten Flüchtlingsteam, das an Olympischen Spielen teilnehmen wird. Dabei gehört auch die in Berlin lebende syrische Schwimmerin Yusra Mardini zu den zehn staatenlosen Athleten, die aus einem vorläufigen Kandidatenkreis von 43 Sportlern ausgewählt wurden.

"Es ist ein historischer Moment", sagte IOC-Chef Bach. "Das Team kann ein Symbol der Hoffnung für alle Flüchtlinge werden." Das Flüchtlingsteam wird bei der Eröffnungsfeier am 5. August unter der olympischen Flagge starten und soll vor der Mannschaft des Gastgebers Brasilien einmarschieren.

Die Antwort auf die Frage, ob auch Russland nach den Doping-Skandalen in Rio dabei sein ist, ließ Bach offen. "Wir leben nicht in einer Welt der Hoffnung, haben aber die Verantwortung, die sauberen Athleten zu schützen", sagte er.

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