Frust als Motivation für 2016

Kerber taucht ab: "Werde an meinen Schwächen arbeiten"

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Angelique Kerber freut sich auf den Urlaub.

Singapur - Angelique Kerber war nach dem kläglich verpassten Halbfinale beim WTA-Finale untröstlich. Mit Blick auf die neue Saison will sie die bitteren Niederlagen 2015 analysieren und ihre Schlüsse ziehen.

Eigentlich wäre Angelique Kerber am liebsten gleich in eine andere Welt abgetaucht. Doch einen Tag nach dem jäh geplatzten Halbfinal-Traum beim WTA-Finale in Singapur hatte die deutsche Nummer eins noch einige Pflichttermine zu absolvieren, ehe ihre Saison endgültig Geschichte war.

Für Kerber waren es zehn Monate mit triumphalen Momenten und vier Turniersiegen, die von ihrer äußerst mageren Bilanz bei den ganz großen Events überschattet wurden. Ob es das bislang beste Jahr ihrer Karriere war? „Es war anders als die Jahre zuvor. Es gab viele Auf und Abs. Ich habe es als anstrengend empfunden, aber auch wieder sehr viel gelernt“, sagte die Weltranglistensiebte am Samstag dem SID und fügte an: „Jetzt freue ich mich auf den Urlaub.“

Wenn am Sonntag im Indoor Stadium das Finale des Saisonabschluss-Turniers gespielt wird, sitzt Kerber längst im Flieger. In den nächsten zehn Tagen wird die Kielerin, die das vierte Jahr in Folge die Saison in den Top Ten beenden wird, an einem malerischen Strand die Seele baumeln lassen. „Ich werde tauchen gehen, da kann ich immer sehr gut abschalten“, kündigte Kerber an.

Die Magie der Unterwasserwelt soll dafür sorgen, dass auch der letzte Frust über den bitteren Saisonausklang mehr und mehr verblasst. „Momentan sitzt der Stachel der Enttäuschung schon noch tief“, sagte Kerber 24 Stunden nach ihrem 4:6, 3:6 gegen die bis dato sieglose Tschechin Lucie Safarova.

Ein Satzgewinn hätte ihr gereicht, um als erste deutsche Spielerin nach Steffi Graf 1998 wieder das Halbfinale der inoffiziellen WM zu erreichen. Stattdessen verkrampfte Kerber - und kritisierte danach den Modus des Turniers. „Der Ärger ist auch mit ein bisschen Abstand noch nicht verflogen. Ich bin der Meinung, dass abschließende Gruppenmatches parallel ausgespielt werden sollten“, meinte Kerber.

Die Linkshänderin weiß aber auch, dass ihr die eigenen Nerven einen Streich gespielt hatten. „Ich kenne meine Schwächen“, sagte sie mit Nachdruck, „und ich werde daran arbeiten, sie auszumerzen“. Kerber machte keinen Hehl daraus, dass sie 2015 trotz der vier Finalsiege in Charleston, Stuttgart, Birmingham und Stanford „auch einige wichtige Matches“ verloren hat.

Bei den Majors war die Wimbledon-Halbfinalistin von 2012 in dieser Saison nie über die dritte Runde hinausgekommen. Zu wenig für einen Stammgast in den Top Ten, das ist auch Kerber bewusst: „Aber ich habe immer bewiesen, dass ich aus bitteren Erfahrungen lerne.“

Bei den French Open und in Wimbledon war gegen den spanischen Shootingstar Garbine Muguruza jeweils Endstation. Auch in Singapur verlor Kerber ihr Gruppenspiel gegen die 22-Jährige, die am Samstag allerdings den Sprung ins Finale durch ein 7:6 (7:5), 3:6, 5:7 gegen Agnieszka Radwanska (Polen) verpasste. Radwanska spielt am Sonntag gegen Petra Kvitova um den Titel, die Tschechin gewann ihr Halbfinale 6:3, 7:6 (7:3) gegen Maria Scharapowa (Russland).

Insgesamt gut drei Wochen will Kerber nun pausieren, um Ende November wieder ins Training einzusteigen. Die bitteren Momente von Singapur sollen als Motivation für das Tennis-Jahr 2016 dienen. „Ich muss das Positive herausziehen - und das werde ich“, betonte die Fed-Cup-Spielerin, die sich der Unterstützung ihrer Fans sicher sein kann. Als Kerber vor ihrer Abreise durch das Spielerinnen-Hotel Marina Bay Sands lief, wurde sie alle paar Meter von Selfie- und Autogramm-Jägern gestoppt.

sid

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